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Antwort auf die mündliche Anfrage zu: Insektensterben - Warum reagiert der Umweltminister jetzt auf eine drei Jahre alte Studie?

Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel hat namens der Landesregierung auf eine mündliche Anfrage der Abgeordneten Helmut Dammann-Tamke und Martin Bäumer (CDU) geantwortet.

Vorbemerkung der Abgeordneten

Im Internetportal www.umwelt.niedersachsen.de war am 28. April 2017 zu lesen: „Der Niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel will mit einem Kreis bundesweiter Experten über Ursachen und mögliche Maßnahmen gegen das wachsende Problem des Insektensterbens beraten. ‚Eine Studie des Entomologischen Vereins in Krefeld und des NABU, die über bemerkenswerte Rückgänge unserer heimischen Insektenpopulation berichtet, muss sehr ernst genommen werden'", sagte der Minister am (heutigen) Freitag in Hannover. Die von ihm eingeladenen Wissenschaftler und Praktiker sollten „das vorhandene Wissen von Behörden, Verbänden und Universitäten sammeln und bewerten", um Vorschläge für Gegenmaßnahmen zu entwickeln. ‚Der gravierende Rückgang bei Fluginsekten innerhalb der letzten 25 Jahre ist dramatisch. Sollten die Berichte zutreffen, sind sehr ernste und schnelle Folgen auch für Vögel und Säugetiere zu erwarten. Bereits jetzt ist bei vielen Insekten fressenden Brutvogelarten ein deutlicher Rückgang der Population zu beobachten', schreibt der Minister in seiner Einladung zu einer Beratung im Mai in Hannover."

Die Studie war im Januar 2016 im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages vorgestellt worden und kommt beim Vergleich der Daten aus den Jahren 1989 und 2014 zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Insekten um 80 % zurückgegangen sei.

Vorbemerkung der Landesregierung

Der Rückgang bei Insekten in der Landschaft basiert auf vielfältigen Ursachen, allerdings können Hauptursachen benannt werden, wie z.B. der Einsatz von Pestiziden, Strukturabnahme in der Landschaft, hohe Nährstoffeinträge (bes. Nitrat), veränderte Land-/ Flächennutzung (z.B. weniger Feldfrüchte, Fruchtwechsel, Flächenversiegelung) und damit einhergehende veränderte Bearbeitungsmethoden.

Das Thema des Insektensterbens ist ein in vielen Ländern der EU auftretendes Problem (bes. in Ländern mit besonders intensiv geführter Landwirtschaft), welches daher auch vorrangig auf Bundesebene umgesetzt werden muss. Niedersachsen ist ein überwiegend intensiv genutztes Agrar-Bundesland, daher ist Niedersachsen in einigen Bereichen besonders gefordert, um Maßnahmen, die in Landeshoheit liegen, zu identifizieren und aktiv umzusetzen.

Um Lösungsansätze zu diskutieren und Problemlösungen konkret voranzubringen, wurden wissenschaftliche Institutionen zu einem Fachgespräch ins Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz (MU) eingeladen. Weltweit umfasst der weit überwiegende Anteil aller Arten Insekten. Die Bestäubung durch Insekten beeinflusst gut 1/3 der globalen Nahrungsmittelproduktion, da sehr viele Nutzpflanzenarten auf Bestäubung durch Insekten angewiesen sind.

  1. Warum reagiert Umweltminister Wenzel erst 2017 auf die seit 2013 bekannten Studienergebnisse?

Das auf Einladung des Umweltministers geführte Fachgespräch war nicht die Reaktion auf Studienergebnisse von 2013. Die Ergebnisse der Studie des Entomologischen Vereins liefern neben anderen Studien jedoch wertvolle Hinweise. Weitere Hinweise ergab eine Anhörung des Bundestages vom Januar 2016 und Fachtagungen zu diesem Bereich.

  1. Welche Personen und Organisationen gehören zu dem „Kreis bundesweiter Experten"?

Zum Fachgespräch haben folgende Personen aus wissenschaftlichen Institutionen und Organisationen teilgenommen:

Universität Göttingen: Agrarökologie (PD Dr. C. Westphal (Vertretung für Prof. Dr. T. Tscharntke)), Naturschutzbiologie (Dr. E. Gottschalk), Pflanzenökologie (Prof. Dr. K. Wesche,Senckenberg Naturkundemuseum, Vertretung für Prof. Dr. C. Leuschner), Universität Lüneburg: Institut für Ökologie (Prof. Dr. T. Aßmann), Institut für Vogelforschung (Prof. Dr. F. Bairlein), Thünen-Institut: Landschaftsbezogene Agrobiodiversität (Dr. habil. J. Dauber), LAVES: Institut für Bienenkunde (Dr. O. Boecking und M. Janke), Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Prof. Dr. Wahmhoff), Nationalparkverwaltungen (Harz (A. Pusch), Wattenmeer (B. Oltmanns)), Biosphärenreservatsverwaltung Nds. Elbtalaue (Dr. J. Prüter), Alfred-Töpfer Akademie für Naturschutz (Dr. K. Homburg), BUND, NABU, Vertreter des MU, ML, MW, Fachbehörde (NLWKN).

3. Welche Daten gibt es in Niedersachsen zu dem von Umweltminister Wenzel angesprochenen Thema des Insektensterbens?

Die Datengrundlage zum Insektensterben in Niedersachsen basiert auf relativ wenigen Studien, welche überwiegend von Hochschulen, Naturschutzverbänden und ehrenamtlich tätigen Personen untersucht wurden. Nachdem die Thematik der Entomologie auf Bundesebene keine standardisierten Insektenerfassungen vorsieht, liegen hier neben den zu einigen Insektengruppen geführten Roten Listen bisher wenige Daten vor.

In Niedersachsen liegen relativ umfangreiche Daten zu Untersuchungen der Avifaunistik (Vögel) vor. Der überwiegende Anteil der Vögel ist zumindest in einigen Lebensphasen (bes. der Jungvogel-Entwicklung) auf Insekten als Nahrungsgrundlage angewiesen. Der Rückgang der Vögel in Niedersachsen ist durch die staatliche Vogelschutzwarte und andere Institutionen relativ gut dokumentiert, so z.B. im Atlas der Brutvögel Niedersachsens und Bremen. Darüber hinaus liegen auch umfangreiche Erkenntnisse des in Wilhelmshaven ansässigen Instituts für Vogelforschung vor.

Artikel-Informationen

15.06.2017

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