Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Strahlenwerte „Castor“- Transport

Antwort von Umweltminister Hans-Heinrich Sander auf die Frage des Abgeordneten Wenzel (Fraktion Bündnis 90/Die GRÜNEN), Frage 7 (TOP 19)


Es gilt das gesprochene Wort

Vorbemerkungen:

Nach Ansicht des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt und Klimaschutz hat es beim diesjährigen Atommülltransport nach Gorleben die in der Anfrage suggerierten Irritationen nicht gegeben. Auch die von Greenpeace veröffentlichten Strahlenmesswerte fügen sich nahtlos in das Bild ein.

In La Hague, Valognes, Dannenberg und Gorleben werden die notwendigen Messungen der Gamma- und der Neutronendosisleistung durchgeführt, um ein umfassendes Bild der von den elf TN85-Glaskokillenbehältern ausgehenden Strahlung nach den einschlägigen Vorschriften zu erfassen. An der französisch-deutschen Grenze wird nicht gemessen, weil sich an den Werten während des Schienentransportes nichts verändert.

Die Messungen in Frankreich führt AREVA NC durch geschultes Personal mit eigenen Geräten in Anwesenheit der deutschen Sachverständigen und soweit erforderlich auch der deutschen Behörden durch. Gleiches gilt für die Messungen in Deutschland, die die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) mit ihren Geräten durchführt.

Die Zielsetzung der Messungen ist jeweils unterschiedlich:

In La Hague werden hinsichtlich des Polizeieinsatzes in Deutschland Messungen der Gamma- und Neutronenstrahlung an den Stellen der Behälter mit den maximalen Strahlungsintensitäten als Funktion des Abstandes gemessen. Diese sog. Abstandskurven aller Behälter hat die Gesellschaft für Anlagen und Reaktorsicherheit (GRS) auf ihrer Homepage veröffentlicht. Des Weiteren wird die mittlere Oberflächendosis sowohl für Gamma- als auch für Neutronenstrahlung aufgrund repräsentativer Einzelmessungen unmittelbar nach der Beladung jedes Behälters ermittelt. Dies ist wichtig zur Planung der Aufstellung der Behälter im Zwischenlager Gorleben. Auch diese Messungen werden von AREVA NC im Beisein der GNS, des Sachverständigen und z.T. auch der Aufsichtsbehörde über das Zwischenlager durchgeführt.

In Valognes werden die aufgrund internationaler Regelungen geforderten verkehrsrechtlichen Messungen an den verladenen Behälter durchgeführt. Auch hier sind der deutsche Sachverständige und z.T. das Eisenbahn – Bundesamt (EBA) zugegen.

Die Messungen in Dannenberg haben den Sinn und Zweck, stichprobenartig die Messungen in Valognes im Beisein des zuständigen Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes an den Straßentransport-fahrzeugen für den Gefahrguttransport auf der Straße nachzuvollziehen. Die Messwerte der relevanten Gesamtdosisleistungen sind für alle Transporteinheiten in der Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt und Klimaschutz vom 10.11.2008 noch vor dem Straßentransport nach Gorleben veröffentlicht worden, damit sich jeder ein Bild vom Aufenthalt in der Nähe des Transportfahrzeuges machen konnte.

Nach der Annahme im Zwischenlager werden wiederum sowohl die Gamma- als auch die Neutronendosisleistungen aller elf Behälter an den verschiedensten, in Prüfanweisungen vom Bundesamt für Strahlenschutz BfS festgelegten Stellen, gemessen. Diese haben auch das Ziel, Handhabungsmodalitäten, Aufenthaltsdauern oder ggf. mobile Abschirmungen bei der Abfertigung der Behälter zu planen und nach den Grundsätzen des innerbetrieblichen Strahlenschutzes durchzuführen. Auf das Schreiben des Staatssekretärs des Ministeriums für Umwelt und Klimaschutz vom 02.12.2008 an den Fraktionsvorsitzenden Bündnis 90/Die Grünen, in dem die aktuell vorliegenden Meßwerte im Einzelnen genannt sind, weise ich hin.

In der Fragestunde des Deutschen Bundestages am 12.11.2008 hat die Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) im Übrigen auf die Frage des Abg. Beck: "Warum die neuen "Atommüllbehälter … deutlich mehr" – 40 Prozent – "Neutronenstrahlung freisetzen" und "welche Konsequenzen dies für die Schutzmaßnahmen für Polizei und Bevölkerung im Umfeld der Transportstrecke habe?" erklärt, "dass der Vergleich der Gamma- und Neutronenleistungsmessungen an den Castorbehältern beim Transport im Jahre 2006 und der Messungen … an den TN85-Behältern in diesem Jahr zeige, dass die Ergebnisse der Gamma- und Neutronenleistungsmessungen nahezu übereinstimmen und keine systematischen Nachteile der TN85-Behälter gegenüber den Castorbehältern ersichtlich sind. …"

Dies vorausgeschickt, beantworte ich die Kleine Anfrage namens der Landesregierung wie folgt:

Zu 1:

Die aufgeführten Messwerte sind als Summenwerte schon seit längerem in einer Grafik der GRS zum Strahlenfeld der Behälter im Internet veröffentlicht worden und wurden in der Presseinformation Nr. 78 vom 10.11.2008 des NMU bekannt gegeben.

Messungen in La Hague, Valognes und Dannenberg (Tabelle als PDF-Datei)

Zu 2:

Siehe Vorbemerkung.

Zu 3:

Entsprechend den Vorbemerkungen werden die jeweiligen Messungen unter Berücksichtigung des Informationsbedarfs für die Zielsetzung (z.B. Ablaufplan in Bezug auf die verkehrsrechtlichen Vorschriften, Arbeitsschutz) durchgeführt. Dabei kommen folgende Messgeräte zum Einsatz:

Messungen in La Hague:

Die Messung der Neutronendosisleistung wird mit der Sonde NM2, GerätNr. 449 des Herstellers NE Technology Limited durchgeführt. Die Kalibrierung wurde letztmalig am 20.11.2006 durchgeführt und am 21.11.2006 zertifiziert (Gültigkeit 2 Jahre). Die Messung der Gammadosisleistung wird mit der Sonde Babyline 81, Gerät Nr. 404 des Herstellers Nardeux durchgeführt. Die Kalibrierung wurde letztmalig am 09.11.2006 durchgeführt und am 10.11.2006 zertifiziert (Gültigkeit 2 Jahre).

Umladungen in Valognes und Dannenberg:

Die Messung der Neutronendosisleistung wird mit der Sonde LB 6411 des Herstellers Berthold mit dem Anzeigegerät UMO LB 123 durchgeführt. Die Kalibrierung wurde letztmalig am 22.06.2006 von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt mit einem Am/Be-Strahler überprüft und ist bis zum 22.06.2011 gültig. Zusätzlich führt der Betreiber halbjährlich Funktionsprüfungen und eine Überprüfung der Kalibrierung durch. Die letztmalige interne Überprüfung erfolgte am 17.09.2008.

Die Messung der Gammadosisleistung wird mit einem Zählrohr LB1236 der Firma Berthold mit Anzeigegerät UMO 123 durchgeführt. Das Gerät ist am 27.04.2005 durch das Bayrische Landesamt für Maß und Gewicht geeicht worden. Die Eichung ist bis 31.12.2011 gültig. Zusätzlich führt der Betreiber halbjährliche Funktionsprüfungen und eine Überprüfung der Kalibrierung durch. Die letztmalige Überprüfung erfolgte am 30.09.2008.

Damit erfüllen die verwendeten Geräte alle rechtlichen und technischen Erfordernisse zur direkten Ermittlung der Dosisleistung nach Stand von Wissenschaft und Technik.

Artikel-Informationen

11.12.2008

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