Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Kein Müll ins Meer!

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren!

Das, was man in den aktuellen Studien zum Zustand unserer Meere lesen kann, ist höchst besorgniserregend. Man darf sich nicht vorstellen, dass das Leben am Land unabhängig von dem ist, was im Meer stattfindet. Das Meer hat daher auch für die menschliche Zivilisation eine ungeheure Bedeutung. Schauen Sie sich einmal an, was im Rahmen des Klimawandels in den letzten Jahren stattgefunden hat, und führen Sie sich z. B. einmal vor Augen, wie viel Wärme in den letzten Jahren im Meer gebunden wird! Das ist ein sehr beachtlicher Anteil. Auch die Versauerung durch die steigende CO2-Konzentration in der Atmosphäre hat direkte Auswirkungen auf das Meeresleben. Gucken Sie sich einmal an, wie die Korallenriffe vor 25 Jahren aussahen und wie sie heute aussehen! Die Unterschiede sind extrem erschreckend. Das hat etwas mit unseren menschlichen Verhaltensweisen zu tun.

Wir finden heute global 13.000 Teile Müll pro Quadratkilometer Meeresoberfläche. Jährlich erfolgt ein Eintrag von 100 Millionen t. Alleine in der Nordsee werden jedes Jahr 20.000t in der Regel über Schiffe eingetragen. Am Strand finden Sie pro 100m Strand bis zu 700 Teile Müll. Insgesamt lagern auf dem Boden der Nordsee 600.000 m3 Müll.

Was die Meerestiere angeht, gibt es Analysen, die feststellen, dass für 663 Arten Auswirkungen durch Müll dokumentiert sind. Für 370 Arten ist ein Zusammenhang mit Verstrickungen oder oraler Aufnahme von Meeresmüll belegt. Tote Eissturmvögel in der südlichen Nordsee enthalten zu 95 % Kunststoffe, im Mittel 35 Teile, weil Vögel die Unterschiede oft nicht so schnell erfassen können und dann an den Müllteilen im Magen elendig zugrunde gehen. Lange Beobachtungsreihen auf Helgoland zeigen, dass sich die Rate der in Netzresten verstrickten Basstölpel auf 29 % der Gesamttotfunde beläuft.

Wir haben mittlerweile die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie und ein deutsches Umweltziel, das grundsätzlich sagt, dass die Belastung der Meere durch Abfall zurückgeführt werden muss. Ziel ist es, kontinuierlich reduzierte Einträge von Abfällen herbeizuführen und eine signifikante Minderung der Abfälle mit Schadstoffwirkung auf die marine Umwelt an den Stränden, auf der Meeresoberfläche, in der Wassersäule und am Meeresboden zu erreichen. Nachgewiesene schädliche Abfälle in Meeresorganismen sollen langfristig gegen null gehen. Weitere nachteilige ökologische Effekte wie beispielsweise das Verfangen oder Strangulieren in Abfallteilen sollen auf ein Minimum reduziert werden.

Wir alle wissen, dasswir davon noch ganz weit entfernt sind. Ich will Ihnen aber kurz einen Eindruck von dem vermitteln, was wir heute schon machen. Laufende Projekte des Landes beschäftigen sich z. B. beim NLWKN mit dem Vorkommen von Mikroplastik in Kläranlagen. Den wenigsten ist bekannt, dass heute viele Shampoos klitzekleine Plastikteilchen enthalten, die dann nicht nur im Meer und in Flüssen landen, sondern möglicherweise auch wieder in der Nahrungskette, wenn sie von Meerestieren aufgenommen werden, die dann wieder von Menschen gegessen werden.

Was den Flusseintrag von Müll in die Nordsee angeht, gibt es ein Pilotprojekt, das die im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie finanzierten Befischungen in den Übergangsgewässern so nutzt, dass dort neben den Fischen nun auch der Müll erfasst wird. Die Ergebnisse sollen Hinweise liefern, wie groß die Müllmengen in der Wassersäule der Übergangsgewässer sind.

Ein weiteres Projekt bezieht sich auf das Vorkommen von Meso-Müll auf den Stränden von Juist und Baltrum. Dieses Projekt wird im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführt und ist Teil des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens "Kohärentes Monitoring der Belastung deutscher Meeres- und Küstengewässer".

Wir sind im Bereich des Monitorings und der Überwachung breit engagiert, beispielsweise beim OSPAR-Müllmonitoring auf Juist und Minsener Oog. Auch hier findet eine Erfassung des Mülls statt. Bei dem Projekt "Plastikmüll in Mägen von Eissturmvögeln" im Rahmen des Spülsaummonitorings unterstützt der NLWKN entsprechende Erhebungen. Das Totfundmonitoring von Vögeln soll es ermöglichen, die Entwicklung besser abzuschätzen. Wir sind aktuell in Gesprächen, um hier auch im Forschungsbereich weiter voranzukommen und insbesondere die Folgen von Mikroplastik in der Umwelt genauer erfassen zu können. Vorkommen, Quellen, Senken sowie Wirkungen auf die Meeresfauna wollen wir genauer untersucht wissen, um auch Vermeidungsstrategien entwickeln zu können.

Aktuell hat das Alfred-Wegener-lnstitut bei den Elbeländern angefragt, ob sie sich im Rahmen der Flussgebietsgemeinschaft Elbe an einem entsprechenden Projekt beteiligen. Auch dabei geht es um Mikroplastikeinträge. Das Umweltministerium beabsichtigt, sich hier positiv zu äußern.

Meine Damen und Herren, im Rahmen der OSPAR-Jahrestagung in Portugal im Juni 2014 einigten sich die Anrainerstaaten des Nordostatlantiks, zu dem auch die Nordsee gehört, auf einen regionalen Aktionsplan.

Im Rahmen der Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie ist derzeit eine Reihe von Maßnahmen in der nationalen Diskussion bzw. in der Abstimmung, wobei auch Maßnahmenvorschläge des regionalen Meeresschutzübereinkommens OSPAR berücksichtigt werden. Ich will nur einige Stichworte nennen. Dabei geht es z. B. um die Verankerung des Themas Meeresmüll in Lehrzielen, Lehrplänen und Lehrmaterial, um Alternativen zu problematischen Abfällen wie beispielsweise Zigarettenfiltern, um die Vermeidung des Eintrags von Mikropartikeln, um die Schaffung von Systemen zur weiteren Reduktion der Nutzung von Plastikverpackungen, um die Frage, wie man alte Fischereinetze und Fischereigeräte aus dem Meer fernhält, um die Frage, wie wir das Pilotprojekt "Fishing for Litter" in den operationellen Betrieb überführen können, um konkrete Säuberungsaktionen und viele andere Fragen.

Daher freue ich mich sehr, dass dieser Antrag dieses Thema auf die Tagesordnung setzt. Wir freuen uns sehr darauf, gemeinsam mit den Fraktionen im Ausschuss zu beraten, wie wir hier tatsächlich energisch ein paar Schritte nach vorne machen können. Denn das Meer als solches ist ein extrem wichtiger Lebensraum - auch für den Menschen.

Artikel-Informationen

07.08.2014

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