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Weltnaturerbe Wattenmeer in der globalen Perspektive: 35 Jahre Trilaterale Zusammenarbeit zum Schutz des Wattenmeeres

Gruppenfoto Pressekonferenz WaddenSea Day 2014
Umweltminister Stefan Wenzel und der Leiter des Common Waddensea Secretariat Jens Enemark gemeinsam mit weiteren Teilnehmern nach der Pressekonferenz.

(Es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrte Frau Dr. Nickel, sehr geehrter Herr Dr. Verdaas, sehr geehrter Herr Enemark, sehr geehrte Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, Sie hier heute im Namen der niedersächsischen Landesregierung auf dem Wadden Sea Day begrüßen zu dürfen.

Diese Veranstaltung setzt einen weiteren Meilenstein für die seit Jahrzehnten so erfolgreiche trilaterale Kooperation zum Schutz des Wattenmeeres. Ich bin davon überzeugt, dass auch von hier neue Impulse und Akzente für den erfolgreichen Schutz des Wattenmeeres für die kommenden Jahre ausgehen.

Ich danke Ihnen allen, den Referenten und Organisatoren, den Diskutanten und Teilnehmern schon jetzt für Ihre Beiträge zu dieser Veranstaltung.

Im Jahre 2006 wurde in einer gemeinsamen Initiative von Herrn Jens Enemark, dem Leiter vom Common Wadden Sea Secretariat und meiner Nationalparkverwaltung der Wadden Sea Day ins Leben gerufen.

Seitdem findet er einmal jährlich jeweils am Donnerstag in der letzten Augustwoche in Wilhelmshaven statt. Es freut mich außerordentlich, dass sich der Wadden Sea Day hier in Wilhelmshaven zu einer festen Größe in der trilateralen Zusammenarbeit etabliert hat.

Mit den Teilnehmern vornehmlich aus den Wattenmeerländern Dänemark, den Niederlanden und Deutschland entstand eine Austausch- und Diskussionsatmosphäre, die dem Zweck der Trilateralen Kooperation in besonderer Weise entspricht, nämlich dem Austausch von Wissen und Kenntnissen, der Diskussion über gute Lösungen und Vorschläge zur Operationalisierung im alltäglichen Handeln der jeweiligen Akteure in den drei Ländern. Hinzu kommen immer auch Gäste aus anderen Staaten, entweder als Vortragende oder Zuhörer, die den Fokus weiten und somit das Wattenmeer in seinen überregionalen geographischen Bezügen sehen. Dieser internationale Austausch gibt uns auch die Möglichkeit unsere Vorbildfunktionen für andere marine Welterbestätten wahrnehmen zu können. Am Wadden Sea Day der vergangenen Jahre wurden aktuelle Wattenmeerthemen unter wissenschaftlichen Aspekten beleuchtet. Stets stand der Dreiklang Wissensstand, Management und Zukunftsperspektiven im Mittelpunkt. Auch in Zukunft wird der Wadden Sea Day mit dem bewährten Konzept fortgesetzt.

Dieses Jahr unterscheidet sich der Wadden Sea Day von den Vorjahren. Zum einen fokussiert sich der heutige Tag nicht wie in den vergangenen Jahren auf ein einzelnes Thema innerhalb der Kooperation, sondern reflektiert die bisherigen Arbeiten der drei Wattenmeeranrainer im globalen Zusammenhang und zeigt Perspektiven für die weitere Zusammenarbeit auf.

Mir liegt der Schutz und Erhalt des Wattenmeeres sehr am Herzen. Diese trilaterale Zusammenarbeit sorgt dafür, dass bei allen Entwicklungswünschen der Wirtschaft in den einzelnen Mitgliedsstaaten, die Natur nicht vergessen wird. Dieser großartige Lebensraum, der sich über 3 Staaten erstreckt, muss gemeinsam geschützt und erhalten werden.

Im Frühjahr habe ich eine mehrtägige Reise entlang der Küste und auf die Inseln gemacht, viel gesehen, interessante Gespräche geführt und mich umfassend informiert. Ich wurde von verschieden Seiten mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass dieser wunderschöne und für die Biodiversität so wichtige Küstenraum auch Wirtschaftsraum ist, in dem Menschen leben, arbeiten und sich erholen. Das heißt auch, dass die Interessen von Mensch und Natur hier im Besonderen abgewogen werden müssen. In der Abwägung der Interessen kommt es darauf an, gerade in diesem sensiblen Küstenraum nachhaltiges Wirtschaften zu etablieren und nachhaltiges Wachstum zu erzielen.

Ziel der Landesregierung ist es daher, in der Küstenregion den Dreiklang aus Nationalpark, Biosphärenreservat und Weltnaturerbe zu sichern und konzeptionell weiter zu entwickeln.

Hier ist in der Vergangenheit viel erreicht worden. Die zentralen Bereiche des Biosphärenreservates Niedersächsisches Wattenmeer sind durch den Nationalpark sehr gut geschützt und als Weltnaturerbe anerkannt. Dies ist die zentrale Voraussetzung für unser Tun.

Im Wesentlichen geht es nun darum, den Erhalt des Erbes auch zukunftsfähig auszugestalten. Die Herausforderungen, die jetzt unmittelbar auf der Agenda stehen und denen wir uns nun dringend annehmen müssen sind:

  • Ein nachhaltiges Schutzregime in Folge des Klimawandels wie Temperaturerhöhung und Meeresspiegelanstieg
  • Die Förderung der regionalen Nachhaltigkeit als bedeutender immanenter Bestandteil der Umsetzung der Strategie für einen nachhaltigen Tourismus.
  • Die Verstetigung und Festigung der internationalen Kooperation beim Zugvogelschutz und als Vorbild für andere marine Welterbestätten.

Dies sind nur einige Stichworte.

Um auf diesem Gebiet weiterzukommen, habe ich die Kommunen entlang des niedersächsischen Teils eingeladen, sich auf freiwilliger Basis an der Entwicklungszone des UNESCO-Biosphärenreservates zu beteiligen. Dies ist ein für mich sinnvoller Schritt das Weltnaturerbe mit dem Nationalpark mit einer nachhaltigen Regionalentwicklung inhaltlich zu untermauern. Dann erst können alle Chancen, die sich für die Menschen in der Region ergeben, auch wirklich wahrgenommen werden.

Ich möchte nun näher auf das prägende Thema der Zusammenarbeit der letzten Jahre - dem UNESCO-Welterbe Wattenmeer - eingehen.

2009 wurde das deutsch-niederländische Wattenmeer wegen seiner Einzigartigkeit als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannt. Seit Ende Juni 2014 gehört nun auch das dänische Wattenmeer zum UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Diese Anerkennung macht nun das Wattenmeer - auch bezogen auf das Welterbe - zu einer Einheit.

Meinen herzlichen Glückwunsch an unsere dänischen Nachbarn und willkommen in der Weltnaturerbefamilie Wattenmeer.

Mich freut auch, dass gemeinsam mit dem dänischen Antrag auch die seewärtige Erweiterung des Welterbes in Niedersachsen von der UNESCO anerkannt wurde.

Dass diese Erweiterungen des Weltnaturerbes so erfolgreich verlaufen sind, haben wir in erster Linie dem Einsatz des Wattenmeersekretariats zu verdanken. Ich möchte mich hier ausdrücklich bei Herrn Enemark und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren unerlässlichen und zielstrebigen Einsatz für das umfassende Weltnaturerbe Wattenmeer bedanken. Ich bin mir sicher, dass wir dieses Ziel ohne Ihren unerbittlichen Einsatz nicht so schnell erreicht hätten. Insbesondere hat mich die Rede von Herrn Enemark vor dem UNESCO-Komitee in Doha beeindruckt. Einen besseren Botschafter für unser Weltnaturerbe hätten wir nicht in die Versammlung der UNESCO schicken können. Die Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe ist auch eine Auszeichnung für Sie, Herr Enemark!

Nun ist unser Wattenmeer von Esbjerg bis Den Helder in seiner Einzigartigkeit international anerkannt und gewürdigt. Hierauf können wir alle stolz sein. Und dieser Stolz wird von vielen Menschen in der Region geteilt. Die gesellschaftliche Unterstützung für den Wattenmeerschutz, das merken wir hier vor Ort, hat seither noch einmal spürbar zugenommen.

Mit der Anerkennung des gesamten trilateralen Wattenmeeres zum gemeinsamen World Heritage Site ist das Thema Welterbe nicht erledigt.

Im Gegenteil - mit der Anerkennung wurde ein neues Kapitel der Zusammenarbeit aufgeschlagen.

Wir in Niedersachsen freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen diese neuen Herausforderungen anzunehmen. Diese Aufgaben sind nur gemeinsam zu bewältigen.

Für Niedersachsen ist das Common Wadden Sea Secretariat in Wilhelmshaven ein Glücksfall, und wir haben in den vergangen Jahrzehnten außerordentlich von der Wattenmeerzusammenarbeit profitiert. Ich sehe Niedersachsen daher auch in der Verantwortung, den Traditionsstandort der Trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit in Wilhelmshaven für die Herausforderungen des gemeinsamen Weltnaturerbes Wattenmeer handlungsfähig zu machen.

Der Standort des Common Wadden Sea Secretariat in Wilhelmshaven - gewissermaßen in der geographischen Mitte des Welterbegebietes - hat sich in der Vergangenheit bewährt. Er ist umgeben von einer beeindruckenden Fülle von Forschungseinrichtungen, wie z. B. das Institut für Chemie und Biologie des Meeres ICBM der Universität Oldenburg, das Institut für Vogelforschung, die historische Küstenforschung oder das Institut Senckenberg am Meer. Obendrein bildet das Common Wadden Sea Secretariat eine inhaltliche Einheit mit der Nationalparkverwaltung und dem Weltnaturerbe Besucherzentrum in Wilhelmshaven.

Die trilaterale Wattenmeerzusammenarbeit braucht unter dem Vorzeichen des gemeinsamen Weltnaturerbes eine Organisationsform, die den Herausforderungen, Aufgaben und Chancen als internationaler Weltnaturerbepartner gerecht wird. Die Aufgaben und bisherigen Aktivitäten des Common Wadden Sea Secretariat sollten daher den neuen Herausforderungen und Chancen angepasst werden.

Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Stärkung der Trilateralen Kooperation zum gemeinsamen Schutz des Welterbes
  • Ausbau der Kommunikation und Sensibilisierung für den Schutz des Wattenmeeres
  • Gewinnung von strategischen Partnern
  • Optimierung der Kooperation in der Umweltbildung
  • Nutzung des „Außergewöhnlichen Universellen Wertes" für die Region
  • Darstellung des Wattenmeers als weltweite Modellregion.

Dieses kann umgesetzt werden, wenn wir es schaffen, unsere Ressourcen zu bündeln und eine zentrale Anlaufstelle für das gemeinsame Weltnaturerbe einrichten.

Dabei sollten wir uns unsere unterschiedlichen Stärken in den Ländern bewusst machen und unsere Kompetenzen zusammenführen. Wenn wir das schaffen, da bin ich mir sicher, können wir auch den Mehrwert des Wattenmeer Weltnaturerbes nutzen. Und diese Chance sollten wir nicht ungenutzt vorbeigehen lassen.

Ich bin davon überzeugt, dass das Weltnaturerbe Wattenmeer einen Ort braucht und ein Gesicht haben muss. Dieses sollte in Wilhelmshaven sein und ich werde das deutlich unterstützen. Denn der Standort Wilhelmshaven hat sich in den vergangen 35 Jahren als zentraler Standort für die trilaterale Wattenmeerzusammenarbeit ohne Zweifel bewährt.

Ich begrüße daher ausdrücklich, dass die in Tönder beschlossene Machbarkeitsstudie zur Einrichtung eines Weltnaturerbe Wattenmeer Kompetenzzentrums bald durchgeführt wird. Unsere Unterstützung haben wir bereits zugesichert.

Von der Machbarkeitsstudie erwarte ich positive Impulse, die dem Projekt zu einer zeitnahen Realisierung verhelfen.

Als Minister habe ich heute weitere Termine wahrzunehmen und kann leider nicht bis zum Ende der Konferenz bleiben. Daher möchte ich noch einige persönliche Worte an dem scheidenden Sekretär des Trilateralen Wattenmeersekretariats richten.

Lieber Herr Enemark,

Sie sind für mich der Inbegriff der Trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit.

In Verbindung mit Ihrer menschlichen Art und Weise wie Sie den Zusammenhalt in den drei Wattenmeeranrainern forciert, gestärkt und schließlich gelebt haben, sind wir in der glücklichen Lage, Teil einer intakten Kooperation zum Schutz des global bedeutenden Wattenmeeres sein zu dürfen.

Ich bin mir sicher, dass Vieles ohne Ihren Einsatz und Ihrer Hartnäckigkeit nicht so erfolgreich umgesetzt worden wäre. Umso mehr freut es mich, dass Ihr Abschied mit dem gemeinsamen Weltnaturerbe Wattenmeer gekrönt wurde.

Es ist mir ein persönliches Anliegen, Herr Enemark, Ihnen im Namen der Niedersächsischen Landesregierung Dank zu sagen für Ihren Beitrag, für Ihr Engagement, für Ihren Erfolg zum Schutz des Wattenmeeres in weltweiter Bedeutung.

Sie waren der Geist und die Seele des trilateralen Wattenmeerschutz. Menschen wie Sie braucht man, um ein großes und globales Ziel erreichen zu können. Viele Partner, aus drei Ländern, mehreren Provinzen und Bundesländern galt es zu koordinieren, inhaltlich zu fokussieren und hinter ein gemeinsames Ziel zu versammeln. All dieses haben Sie über Jahrzehnte mit größtem Erfolg erreicht.

Dafür möchte ich Ihnen meinen persönlichen Respekt, meine tiefe Anerkennung und Dank aussprechen. Ich wünsche Ihnen in Ihren wohl verdienten Ruhestand alles Gute.

Ich wünsche nun dieser heutigen gewichtigen Veranstaltung einen guten Verlauf, vielfältige Diskussionen und Beiträge, aber auch viele Gespräche am Rande, die das trilaterale Leben mit persönlicher Tiefe erweitern und festigen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


Umweltminister Stefan Wenzel am Rande des WaddenSea Day in Wilhelmshaven (August 2014)
Umweltminister Stefan Wenzel am Rande des WaddenSea Day in Wilhelmshaven (August 2014)
Artikel-Informationen

28.08.2014

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