Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Biosphärenreservat - Mensch und Natur im Einklang

Im Nordosten Niedersachsens liegt eine Landschaft mit ganz eigenem Rhythmus. Im weiten Tal der Elbe bestimmt der breite Strom das Bild, prägt mit seinen wechselnden Wasserständen den Naturraum und das Leben der Menschen. Im Herbst und Frühjahr bieten zahlreiche Zugvögel, die dem Flusslauf folgen, ein beeindruckendes Naturschauspiel.

In der Elbtalaue rasten sie einige Zeit und sammeln Energie für ihren langen Flug. Singschwäne, Graugänse, Kranich und Seeadler und viele andere Arten bleiben über Winter, erfüllen die Luft mit ihrem Trompeten und bringen reges Leben auch in der kalten Jahreszeit in die Elbtalaue. Im Sommer gehören Weiß- und Schwarzstorch, Seeadler und Elbebiber zu den Naturkostbarkeiten dieser weiten Wiesen-, Wald- und Flusslandschaft.

Mit dem Fahrrad lässt sich die Elbtalaue besonders gut erkunden, auf dem bekannten Elberadweg oder den zahlreichen regionalen Routen. Eine geführte Kanutour auf der Elbe ist ein ursprüngliches Naturerlebnis, aber auch zu Fuß bieten sich spannende Einblicke. Ob Winterkälte mit Eisgang, Frühjahrshochwasser, Sommertrockenheit oder Novembernebel - der Wechsel der Wasserstände, des Lichtes, der Pfl anzen und Tierwelt und die idealen Erholungsmöglichkeiten in der Natur, all das macht den Reiz der Niedersächsischen Elbtalaue aus.

Das Biosphärenreservat im Biosphärenreservat

Jahrzehntelang bildete die Elbe die Grenze zweier deutscher Staaten - Trennlinie zwischen Ost und West. Obwohl mitten in Deutschland und Europa gelegen, geriet der Grenzfl uss ins Abseits. Diese Randlage begünstigte, dass hier eine Vielzahl stromtaltypischer Lebensräume erhalten geblieben ist oder sich entwickeln konnte. Die Elbe und die sie umgebende Landschaft bilden daher auch noch heute ein naturnahes Verbundsystem.

Der Zusammenhang von großem Strom und Flusslandschaft ist trotz aller Veränderungen durch den Menschen weitgehend erhalten geblieben und damit nahezu einzigartig in Mitteleuropa.

Nach der Grenzöffnung und der deutschen Wiedervereinigung nutzten die Elbe-Anrainerländer die einmalige Chance, mit dem innerdeutschen Grenzfluss von einst ein verbindendes grünes Band zu knüpfen: Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein beantragten bei der UNESCO die Anerkennung der Stromlandschaft der Mittelelbe als länderübergreifendes Biosphärenreservat.

Das Gebiet wurde im Dezember 1997 von der UNESCO als Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe anerkannt. Es erstreckt sich über eine Länge von rund 400 Stromkilometern von Torgau an der sächsischen Grenze bis unterhalb von Lauenburg in Niedersachsen und hat eine Größe von rund 342.848 Hektar.

Die Anerkennung als UNESCO-Biosphärenreservat ist eine Auszeichnung - eine Art "Oscar" für ein Gebiet. Rechtliche Wirkungen hat sie keine, deshalb sind für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Gebiete Maßnahmen nach nationalem Recht notwendig. In Niedersachsen hat man sich dafür entschieden, den niedersächsischen Teil des Biosphärenreservats auf der seit 1998 geltenden rahmenrechtlichen Grundlage des § 25 des Bundesnaturschutzgesetzes auch förmlich als Biosphärenreservat auszuweisen.

Am 23. Oktober 2002 war es soweit: Der Niedersächsische Landtag verabschiedete nach intensiver Beteiligung der Öffentlichkeit und eingehender Beratung einstimmig das Gesetz über das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue. Das Gesetz trat am 23. November 2002 in Kraft.

Das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue wurde damit ein nach nationalem Recht ausgewiesenes Biosphärenreservat innerhalb des länderübergreifenden UNESCOBiosphärenreservats.

Mit dem Biosphärenreservatsgesetz wurde der niedersächsischen Mittelelbe ein Schutz zuteil, der in dieser Weise in der Bundesrepublik Deutschland noch an keiner anderen Stelle verwirklicht worden war und der das Fundament für ein neues Miteinander von Mensch und Natur im Elbetal gelegt hat. Mit dem Gesetz wurden gleichzeitig auch die Anforderungen aus der Vogelschutzrichtlinie und der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFHRichtlinie) der EU elbtalspezifisch umgesetzt.

Die Ziele des Biosphärenreservats gehen weit über den Schutz von Natur hinaus. Intention des Gesetzgebers war es, Chancen für ein neues Miteinander von Mensch und Natur und Perspektiven für eine nachhaltige Entwicklung der Region zu eröff nen. So finden sich im Biosphärenreservatsgesetz eine Reihe von Paragrafen mit Aussagen zu regionalen Belangen, zur Förderung der regionalen Entwicklung, zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit aller Akteure im Gebiet und zur Einwerbung von Fördergeldern. Aber auch die gebietsbezogene Information, Umweltbildung und Forschung gehören zu den gesetzlich verankerten Zielen des Biosphärenreservats. Für die touristische Entwicklung des Gebiets hat das Biosphärenreservat neue Impulse gegeben.

Das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue erstreckt sich über etwa 90 Stromkilometer von Schnackenburg bis Hohnstorf bei Lauenburg. Es besitzt eine Gesamtgröße von rund 56.760 Hektar. Innerhalb des Gebiets wurden rund 34.010 Hektar zum EU-Vogelschutzgebiet erklärt. 21.780 Hektar sind - teilweise in Überdeckung mit dem Vogelschutzgebiet - FFH-Gebiet.

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