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Schachtanlage Asse II

Erforschung der Ursachen für kontaminierte Salzlösungen

Das Vorhandensein von Cäsium-137 außerhalb der Einlagerungskammern hat eine detaillierte Analyse der Herkunft und der Konzentration dieses Leitnuklids für radioaktive Abfälle erforderlich gemacht. Das BMBF hat veranlasst, dass von unabhängiger Seite zuverlässige Informationen über die Herkunft der kontaminierten untertägigen Lösungen einschließlich ihres Nuklidinventars erhoben worden sind. Hierzu wurden das Forschungszentrum Jülich und die Technische Universität Clausthal beauftragt.

Der entsprechende Bericht wurde dem NMU am 15.08.2008 vorgelegt.

Lösungsproben wurden insbesondere auf der 750 m-Sohle im Bereich des Laugesumpfs vor der Einlagerungskammer 12, im Bereich der Fahrbahn vor den Kammern 4, 8 und 10 sowie aus dem Laugebecken auf der 658-m-Sohle genommen.

Festkörperproben wurden aus der Fahrbahndecke im Bereich der Kammer 8 und vom Bodenkörper des Laugesumpfs vor Kammer 12 entnommen.

Die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen können wie folgt zusammengefasst werden:

Der gegenwärtige Stand der Untersuchungen erlaubt gesicherte Aussagen zur kontaminierten Lösung vor Kammer 12 auf der 750-m-Sohle. Die Lösung vor Kammer 12 (geschätztes Volumen ca. 20 m³) steht bezüglich der Cs-137-Konzentration im Gleichgewicht mit dem Salzkörper am Boden des Tümpels. Unter der Annahme, dass das Volumen des Salzkörpers, mit dem die Lösung unmittelbar korrespondiert, ebenfalls ein Volumen von ca. 20 m³ hat, führt die gemessene Aktivitätskonzentration zu einer Gesamtaktivität von einigen Gigabequerel, die zur Zeit in der Lösung vor Kammer 12 ansteht.

Die Höhe dieser Aktivität lässt darauf schließen, dass die Ursache der festgestellten Kontamination nicht allein auf nicht beseitigte Kontaminationen aus dem Einlagerungsbetrieb zurückzuführen ist. Restkontaminationen dieser Größenordnung wären sicherlich auch beim damaligen rauen Einlagerungsbetrieb beseitigt worden.

Daraus kann geschlossen werden, dass zumindest ein Teil der Kontamination aus der Lagerkammer 12 stammt.

In den 1920er Jahren ist Altversatz in die Kaliabbaue eingebracht worden. Er war und ist stark lösungsführend. Kammer 12 befindet sich nur 30 m südlich solcher Kammern. Durch das aufgelockerte Flöz ist mit allergrößter Wahrscheinlichkeit solche Lösung in die im Jahre 1974 noch leere Kammer 12 migriert. Dort war die Kammersohle von dieser Lösung getränkt, bevor dort eingelagert worden ist.

Nach der Einlagerung muss es zum Kontakt mit dem Nuklidinventar dieser Kammer gekommen sein. Das heute außerhalb der verschlossenen Kammer 12 beobachtete Radionuklid-Inventar stammt aus dieser Kammer.

Gegenwärtig gibt es keine Anzeichen für einen Zutritt von Deckgebirgslösung in Kammer 12. Die auf der 750-m-Sohle beobachtete Deckgebirgslösung ist im Bereich von Kammer 10. Diese befindet sich im äußeren westlichen Bereich der Sohle, während sich Kammer 12 ganz im Osten befindet. Dazwischen sind keine Wegsamkeiten bekannt.

Die Vermutungen des HMGU, wonach das gesamte Radionuklidinventar der kontaminierten Lösungen aus nicht ordnungsgemäß entsorgter Fahrbahndecke stammt, welche beim Transportbetrieb in den 1970er Jahren kontaminiert wurde, kommt als alleinige Erklärung nicht in Betracht. Das besonders mobile Cs-137 müsste durch regelmäßiges Abpumpen des Sumpfes vor Kammer 12 dort mit der Zeit zurückgegangen sein. Beobachtet wird jedoch ein unregelmäßiger Verlauf der Cs-137-Aktivität.

Schließlich kommt als Herkunft des Inventars der Lösung vor Kammer 12 auch folgendes Szenario in Betracht: Undichte Fässer, Behälter mit flüssigen Abfällen sowie unsachgemäß transportierte oder bereits bei der Anlieferung beschädigte Behälter waren die Ursache für die Kontamination der Fahrbahn auf der 750-m-Sohle. Die kontaminierte Fahrbahndecke wurde in die noch nicht verschlossene Kammer 12 verbracht; dort ist das Fahrbahnmaterial mit der in der Kammersohle befindlichen Lösung in Kontakt gekommen und hat diese kontaminiert.

Die übrigen beprobten Laugesümpfe und der Hauptzufluss auf der 658 m-Sohle zeigen keinen Zusammenhang mit der Kammer 12.

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