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Allgemeine Überwachung der Umweltradioaktivität

Seit der Nutzung der Kernspaltung für militärische und zivile Zwecke gelangen künstliche Radionuklide in die Umwelt. In den Tagen nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl am 26.04.1986 wurden auch in Niedersachsen künstliche radioaktive Stoffe eingetragen.

Nach dem weitgehenden Zerfall der kurzlebigen Radionuklide blieb Ende der neunziger Jahre als einziges nennenswertes Radionuklid Cs-137 übrig. Es ist in unterschiedlichen Aktivitätskonzentrationen in allen Umweltmedien vorhanden, lässt sich aber in vielen Fällen messtechnisch nicht mehr nachweisen.

Um die radioaktiven Auswirkungen von oberirdischen Kernwaffenversuchen feststellen zu können, wurde in Niedersachsen wie in der gesamten Bundesrepublik Deutschland schon vor über 40 Jahren ein Radioaktivitätsüberwachungssystem aufgebaut. Nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl stellte sich heraus, dass dieses System nicht allen Anforderungen genügte. Daraufhin wurde im Jahr 1986 das Strahlenschutzvorsorgegesetz (StrVG) erlassen. Zweck dieses Gesetzes ist es, die Radioaktivität in der Umwelt zu überwachen, um die Strahlenexposition von Menschen und die Kontamination der Umwelt so gering wie möglich zu halten. Infolge dieser Aufgabe errichtete der Bund zusammen mit den Ländern das Integrierte Mess- und Informationssystem zur Überwachung der Umweltradioaktivität (IMIS).

Im Rahmen eines Routinemessprogramms ermitteln die Behörden des Bundes großräumig die Radioaktivität in Luft und Niederschlägen, die Radioaktivität in Bundeswasserstraßen und in Nord- und Ostsee sowie die Gamma-Ortsdosisleistung.

Die Länder ermitteln die Radioaktivität in

  • Trinkwasser
  • Grundwasser und
  • den übrigen oberirdischen Gewässern außer Bundeswasserstraßen
  • Lebensmitteln (z.B. Milch und Milcherzeugnissen, Lebensmitteln pflanzlicher und tierischer Herkunft)
  • Boden und Pflanzen
  • Futtermitteln (wie z.B. Grünlandaufwuchs)
  • Abwasser und Klärschlamm
  • speziellen Sonderprogrammen (z.B. für Pilze und Wildfleisch).

In Niedersachsen werden Proben landesweit gezogen und auf Gamma strahlende Nuklide wie Cäsium-134 und Cäsium-137 untersucht, stichprobenweise auch auf Alphastrahler sowie Strontium-90 und Tritium. In allen untersuchten Umweltmedien spiegelt sich ein langsamer Rückgang der Belastung wider. Nach dem Anstieg 1986 durch den Tschernobyl-Unfall sanken die Cäsium-134 und Cäsium-137 Belastungen kontinuierlich ab. Generell ist da, wo die Bodenbelastung direkt nach dem Reaktorunfall am höchsten war, auch heute noch mit zum Landesdurchschnitt erhöhten Werten zu rechnen.

Ortsdosis

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) betreibt ein engmaschiges Netz von etwa 1.800 Ortsdosisleistungsmessstellen. Davon liegen 277 Messstellen in Niedersachsen. Die Messsonden senden ihre Daten als 2h-Mittelwerte an die Zentrale des BfS, von dort sind sie im IMIS verfügbar (siehe auch www.bfs.de/ion/imis). Bei Ereignissen mit erhöhter Dosisleistung erfolgt automatisch Alarm, so dass schnelle Gegenmaßnahmen möglich sind.

Luft/ Niederschlag

In der Luft kommen radioaktive Stoffe in Form von Schwebstoffen oder an Schwebstoffe angelagerten Partikeln vor (Aerosole) oder sie sind gasförmig. Den überwiegenden Beitrag zur internen Strahlenexposition liefern die Tochternuklide der aus den natürlichen Zerfallsreihen stammenden Edelgase Radon-220 und Radon-222. Künstliche Radionuklide wie zum Beispiel Cs-137 können nur noch in sog. Spurenmessstellen nachgewiesen werden und sind radiologisch nicht relevant. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) betreibt im Rahmen des IMIS ein Messnetz mit insgesamt 40 Messstellen, davon liegen sieben in Niedersachsen, drei direkt in Grenznähe zu benachbarten Bundesländern (Bremen, Hamburg, Sachsen-Anhalt).

Die aerosolgebundene Luftaktivität wird kontinuierlich gammaspektrometrisch gemessen. Ergänzt werden diese Messungen im gleichen Zeittakt durch Verfahren zur Bestimmung der künstlichen Alpha- bzw. Beta-Aktivität. Neben dem DWD betreibt das BfS zwölf weitere Luftmessstellen, in Niedersachsen befinden sich zwei Messorte. Ermittelt werden hier kontinuierlich die künstliche Beta- Aktivität von Aerosolen sowie die Aktivität des gasförmigen Jod-131.

Die in Niederschlägen enthaltene Radioaktivität wird in Niedersachsen an sechs Orten gemessen. Neben diesen Messungen wird in Niedersachsen von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt eine Spurenmessstelle betrieben. Dabei wird die Luft auf kleinste Beimengungen radioaktiver Stoffe untersucht, weit unterhalb der Schwelle, die aus Strahlenschutzgründen relevant ist.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Atmosphärische Radioaktivität des Bundesamtes für Strahlenschutz wird die Konzentration der künstlichen radioaktiven Edelgase Krypton-85 und Xenon-133 bestimmt.

Diese werden beim Betrieb der Kernkraftwerke gebildet und größtenteils bei der Wiederaufarbeitung freigesetzt. Während die Konzentration des relativ kurzlebigen Xe-133 (Halbwertszeit 5,25 Tage) mit ca. 5 mBq/m³ konstant bleibt, baut sich der Pegel des dagegen langlebigen Kr-85 (Halbwertszeit 10,76 Jahre) langsam auf. Offensichtlich ist die anthropogene Freisetzungsrate dieses Spaltprodukts größer als die der Zerfallsrate. Einzelne erhöhte Wochenwerte können Freisetzungen der beiden Wiederaufarbeitungsanlagen in La Hague und Sellafield zugeordnet werden.

Weitere Informationen zur Überwachung der Umweltradioaktivität in Deutschland finden Sie in den Jahresberichten des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zu "Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung".


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