Chemikalieninformationen über Gefahrstoffe und Gefahrgüter werden immer wichtiger. Sie sind Teil unseres täglichen Lebens. Um die dringend erforderliche Transparenz herbei zu führen, ist der Aufbau einer umfassenden Gefahrstoffdatenbank erforderlich. Gesicherte und aktuelle Informationen über umweltrelevante Eigenschaften von Stoffen und Zubereitungen sind für alle Bereiche des Umweltschutzes und zur Gefahrenabwehr von großer Bedeutung.
1994 wurde von den Umweltministerien der Länder und des Bundes eine Verwaltungsvereinbarung (VV) zum Aufbau eines gemeinsamen zentralen Stoffdatenpools (GSBL) beschlossen, der solche Informationen zusammenführen und pflegen soll. Derzeit sind der Bund und 15 Länder der Vereinbarung beigetreten. Er steht allen Kooperationspartnern für öffentlich-rechtliche Aufgaben zur Verfügung.
Gefahrenabwehr durch Stoffinformation
Was bietet der GSBL?
Der GSBL stellt einen weit gefächerten Merkmalskatalog zu chemischen Stoffen zur Verfügung. Neben umfangreichen Messdaten zu physikalisch- chemischen, öko-, toxikologischen Parametern und dem Vorkommen in der Umwelt sind auch Informationen enthalten, die für die Belange des Umwelt-, Verbraucher-, Katastrophen- und Arbeitsschutzes von unmittelbarer Bedeutung sind. Dazu zählen Angaben über Gefahren, Schutz- und Einsatzmaßnahmen sowie die Wiedergabe der stoffrelevanten Inhalte aus der Gesetzgebung.
Neben Daten, die unmittelbar für den GSBL erarbeitet wurden, sind Informationen zahlreicher Lieferanten aufgenommen.
Zur Erarbeitung und Visualisierung der Daten bietet der GSBL ein Paket von Softwaremodulen (GSBL SoftwareSuite) für Produktion, Pflege und Recherche der Stoffdaten an. Die Software ist modular aufgebaut und setzt auf ein flexibles fachliches und technisches Datenmodell auf. Die standardisierte GSBL-Schnittstelle erlaubt sowohl einen reibungslosen Datenaustausch zwischen den Softwaremodulen, als auch zu den zahlreichen Datenlieferanten mit heterogenen Datenmodellen/-formaten.
Der gemeinsame zentrale Stoffdatenpool ist durch Zusammenführung bestehender Datenbestände unter einheitlichen Registrierregeln für Chemikalien erstellt worden.
In der aktuellen Version sind ca. 40.000 Einzelinhaltsstoffe (Reinstoffe), ca. 320.000 Komponentenstoffe (Gemische und Zubereitungen) und ca. 190.000 Rechtsstoffklassen (rechtliche Regelungen) recherchierbar.
Nutzer des gemeinsamen zentralen Stoffdatenpools sind u. a. Polizeibehörden, wie die Wasserschutz- oder Autobahnpolizei insbesondere für Informationen bei Gefahrguttransporten, Feuerwehreinsatzkräfte bei Brand oder unbeabsichtigter Freisetzung von Gefahrstoffen, Umweltbehörden von Ländern und Kommunen für Stoffinformationen zu umweltgefährdenden Stoffen, Ministerien auf Bundes- und Länderebene für Unterstützung bei Gesetzgebungsverfahren, Zoll, Bundesgrenzschutz und Bundeswehr für Unterstützung im Rahmen des Arbeitsschutzes und Gewerbeaufsichtsämter, Behörden für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau zur Nutzung von Beurteilungs- und Hintergrundwerten / Angaben zu Wirkstoffen, Gesundheits- und Verbraucherschutzbehörden zur Nutzung von entsprechenden Rechtsdaten in Verbindung mit toxikologischen Angaben, Umweltverwaltungen von Universitäten für Angaben zum Umgang und Entsorgung von Stoffen.
Die Datensätze werden ständig fortentwickelt und aktuellen Anforderungen angepasst. Der GSBL liefert Informations- und Entscheidungsunterstützung für den Umweltschutz, die Umweltvorsorge und die Umweltkooperation, weiterhin schnelle Auskunft zu gefährlichen Stoffen, Informationshilfe bei Störfällen und Unfällen mit umweltgefährdenden Stoffen, Überprüfung von Lagerung und Transport umweltgefährdenden Stoffe und Hinweise zur Vermeidung von Gefahren und Schäden durch umweltgefährdende Stoffe.
Entscheidungen zur Entwicklung des GSBL werden gemäß der Verwaltungsvorschrift von einem Lenkungsausschuss getroffen. Die Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern sieht eine anteilige Finanzierung (50 Prozent Bundesanteil, 50 Prozent Länderanteile entsprechend dem "Königsteiner Schlüssel") vor. Der Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Nachhaltige Entwicklung" (BLAG NE) - Gremium der Umweltministerkonferenz - werden regelmäßig Berichte über den Fortschritt der Arbeiten vorgelegt.
Ansprechpartner für den GSBL in Niedersachsen ist das Niedersächsische Ministerium für Umwelt und Klimaschutz, Referat 33.
Für spezielle Informationen über den Transport gefährlicher Güter steht die Datenbank GEFAHRGUT der Bundesanstalt für Materialprüfung und -forschung (BAM) zur Verfügung. Diese Datenbank ist ein Teil der Gefahrstoff/ Gefahrgutschnellauskunft und wird unter einer gemeinsamen Auswahlmaske angeboten.
Hinweis:
Die Öffentlichkeit hat die Möglichkeit, auf einen ausgewählten Datenbestand "GSBL-Public" zuzugreifen. Der "GSBL-Public" ist im Umweltportal Deutschland PortalU® (www.portalu.de) eingebunden oder direkt unter www.gsbl.de im Internet recherchierbar.