Stefan Schöll, Dr. Christian Eberl, David McAllister, Dr. Maximilian Hempel, Erich Hagenah
Für die Einladung hier nach Bülkau um die Pilotanlage zur Flashpyrolyse von Biomasse offiziell in Betreib zu nehmen, bedanke ich mich sehr herzlich. Ich bin Ihrer Einladung gerne gefolgt, da mir als gelerntem Förster die effektive Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz besonders am Herzen liegt.
Schon auf der Messe Energy 2005 in Hannover haben Sie mir auf unserem Niedersachsen-Stand erste Ergebnisse des Pilotvorhabens präsentiert und ich habe dort einen positiven Eindruck von dem Produkt Pyrolyseöl, das Sie hier produzieren werden, mitgenommen. Nun bin ich doch sehr neugierig auf die erste größere Anlage, die Sie uns gleich vorstellen werden.
Die niedersächsische Landesregierung betreibt eine technologieoffene Energiepolitik.
Und das Umweltministerium hat es sich auf die Fahnen geschrieben, innovative Technologien und Projekte auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien und der Energieeinsparung zu fördern. Im letzen Jahr wurden auf diesem Sektor Projekte mit rund 3 Millionen Euro Landesmitteln gefördert und dies ist eines davon.
Wobei ich besonders herausstellen möchte, dass wir dieses Projekt überwiegend auf der Basis von Darlehn fördern, was wiederum heißt, dass das Hauptrisiko beim Antragsteller PYTEC liegt.
Ich möchte Ihnen zu dem Mut gratulieren, dieses Projekt auf den Weg gebracht zu haben und noch viel mehr dazu, dass Sie jetzt die erste größere Anlage mit dieser Technik realisiert haben. Hiermit können Sie nun Erfahrungen sammeln für die nächst größeren Anlagen, die – wie ich hörte - bereits in der Planung sind.
Und weil wir ebenfalls an die Flashpyrolyse von Biomasse geglaubt haben, fördern wir ein weiteres F&E Projekt aus Ihrem Hause zur Pyrolyse von Stroh mit anschließender Aufarbeitung zu synthetischen Kraftstoffen.
In Versuchen soll hier mit den Projektpartnern CUTEC und der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft (BFH) untersucht werden, wie und mit welcher Technologie das Pyrolyseöl zu Kraftstoff umgewandelt werden kann.
Daneben sind - wie man mir berichtete - auch Versuche mit speziell angebauten Energiepflanzen, z. B. Sorgum, Sudangras und weiteren - sowie Ganzpflanzensilage geplant, auf deren Ergebnisse wir alle sehr gespannt sind.
Hier an diesem Standort wird jedoch ein gänzlich anderes Inputmaterial eingesetzt werden, nämlich die Nebenprodukte des Sägewerkes. Ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt aus dem Energiesektor, das gleichzeitig noch zur besseren Vermarktung dieser Nebenprodukte beiträgt, ist für den Holzverarbeitungssektor von großer Bedeutung, weil hierdurch mittelfristig Arbeitsplätze gesichert werden können. Gleichzeitig wird ein Entsorgungs- bzw. Verwertungsproblem gelöst, was mir als Staatssekretär im Umweltministerium, das unter anderem auch für die energetische Verwertung zuständig ist, natürlich besonders lieb ist.
Mut hat aber auch die Firma Hagenah bewiesen, indem sie sich sofort bereit erklärt hat, bei diesem Projekt mitzumachen. Und ich freue mich, dass dieser traditionsreiche Familienbetrieb - wie ich weiß, haben Sie im Jahr 2004 ihr 100jähriges Firmenjubiläum gefeiert - diesen neuen Entwicklungen aufgeschlossen gegenüber steht.
Anrede,
im Energiemix zählen die erneuerbaren Energien zu den Zukunftstechnologien. Sie werden auch in einer umweltfreundlichen und dezentral ausgerichteten Energiewirtschaft eine wichtige Rolle spielen. Bei Kraftstoffen aus Biomasse hat Niedersachsen große Chancen eine deutsche Vorreiterrolle einzunehmen und somit den Wirtschaftsstandort Niedersachsen nachhaltig zu stärken.
Außerdem ist es notwendig, die Energieversorgung auf alle möglichen Energieträger abzustellen und bei den Importen eine möglichst große Unabhängigkeit von den Lieferregionen aufrecht zu erhalten. Es ist die Pflicht der Bundesregierung und der Europäischen Union dafür zu sorgen, dass die Interessen und der Bedarf Deutschlands und Europas hierbei genügend berücksichtigt werden. Eine sichere Energie- und Rohstoffversorgung ist für Deutschland lebenswichtig.
Mut und Risikobereitschaft gepaart mit guten Ideen sind gefragt. Etwa 75% der erneuerbaren Energie in Europa soll bis 2010 aus Biomasse gewonnen werden, so die EU – Kommission in ihrem Weißbuch. Damit könnte ein Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche zu Energiefeldern der Zukunft werden und die Land- und Forstwirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Bereitstellung von Bioenergie leisten.
Im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien, wie Windkraft oder Solarenergie, ist die Energie in der Biomasse gespeichert und kann damit zum Bedarfszeitpunkt verfügbar gemacht werden. Darin liegt ein entscheidender Vorteil der Bioenergie. Sie kann dann verwendet werden, wenn sie gebraucht wird.
Ich freue mich, dass ich nun die Anlage zur Flashpyrolyse von Biomasse offiziell in Betrieb nehmen kann und wünsche Ihnen allzeit gute und sichere Energie.
Ich werde mir auch weiterhin von meinen Mitabeitern über den Projektfortschritt berichten lassen und hoffe dass ich bald synthetischen Kraftstoff für meinen Dienstwagen geliefert bekomme. Aber wir wollen den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun, derzeit steht erst einmal die Stromerzeugung am Ende dieses Verfahrens.
Niedersachsen Portal