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Biogasanlagen in Niedersachsen

Stand der Entwicklung und Perspektiven

Die energiepolitische Bedeutung der Biogastechnologie in Niedersachsen steigt stetig. Biogas stellt eine wichtige und vielseitige Form der Bioenergie aus der Landwirtschaft dar. Derzeit wird in Deutschland jede dritte Kilowattstunde Strom aus Biogas in niedersächsischen Anlagen erzeugt. Damit hat Niedersachsen bei der Erzeugung von Biogas die Spitzenposition in Deutschland und Europa inne. Seit Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) im Frühjahr 2004 sind mehr als 450 neue Biogasanlagen mit einem Investitionsvolumen von annähernd 750 Millionen Euro ans Netz gegangen. Da der größte Teil dieser Investitionen an regionale Unternehmen vergeben wird, trägt diese Entwicklung zur Stärkung des ländlichen Raums bei. Die neuen Anlagen setzen fast ausnahmslos nachwachsende Rohstoffe (NaWaRo) mit oder ohne Gülle ein.

Mitte 2007 waren in Niedersachsen somit etwa 600 größtenteils landwirtschaftliche Biogasanlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von rund 300 MW in Betrieb. Die durchschnittliche Größe der in den letzten Jahren neu gebauten Anlagen liegt bei etwa 700 kW elektrischer Leistung. Dieser Trend zu größeren Anlagen ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu begrüßen. Derzeit befinden sich noch weitere 180 Biogasanlagen im Bau, in der Genehmigung oder in der Planungsphase.

Schwerpunkte der Biogasproduktion waren bisher vor allem die viehhaltenden Regionen Cloppenburg-Vechta, Emsland und die Regionen Soltau-Fallingbostel, Rotenburg-Bremervörde. Aufgrund der verbesserten Einspeisevergütung für Biogasstrom aus Energiepflanzen (NaWaRo Bonus) durch das 2004 novellierte EEG gewinnt Biogas inzwischen auch in Ackerbauregionen an Bedeutung. Der Schwerpunkt der Investitionen lag nach Novellierung des EEG mit fast 65 % aller neuen Anlagen in diesen Ackerbauregionen Niedersachsens. Der Zubau in den bisherigen Biogaszentren ist dagegen eher gering ausgefallen.

Diese Tendenz lässt die Schlussfolgerung zu, dass die Realisierung neuer Biogasprojekte auf NaWaRo-Basis in den Veredlungsgebieten schwieriger geworden ist. Vor allem die Knappheit der Flächen in diesen Regionen scheint hier den weiteren Ausbau von Biogasanlagen zu behindern. Gestiegene Pachtpreise und stark gestiegene Rohstoffkosten reduzieren die Rentabilität der Anlagen ganz erheblich.

Die mit dem Biogasboom in Niedersachsen verbundene Zunahme des Energiepflanzenanbaus führt in vielen Regionen auch zu einer Veränderung der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen. In diesem Zusammenhang werden insbesondere der verstärkte Maisanbau und die neue Konkurrenz um die Flächen in vielen Kreisen der Landwirtschaft, der Ernährungswirtschaft oder des Naturschutzes diskutiert.

Niedersachsen verfügt über gut 2,6 Mio. Hektar landwirtschaftlich genutzte Flächen. Davon werden etwa 2/3 (rund 1,85 Mio. Hektar) als Ackerland genutzt und etwa 0,75 Mio. Hektar sind Grünland. Auf 8 % der landwirtschaftlichen Fläche werden derzeit nachwachsende Rohstoffe erzeugt. Der Energiepflanzenanbau hat hieran den größten Anteil. In 2006 wurden bereits auf rund 200.000 ha Energiepflanzen in Niedersachsen angebaut, davon auf etwa 62.000 ha Raps für die Biodieselproduktion sowie auf ca. 110.000 ha Energiemais und auf 18.000 ha Energiegetreide zur Biogas- bzw. Bioethanolproduktion.

Hierfür werden stillgelegte Flächen aber auch normale Ackerbauflächen genutzt. Dieser Flächenanteil kann zukünftig zunehmen, wenn bei tendenziell weiter steigenden Preisen für endliche Energieträger die Biomasseproduktion zur energetischen Nutzung gegenüber der Nahrungsmittelproduktion an Konkurrenzfähigkeit gewinnt. Steigende Rohstoffpreise dämpfen allerdings den Ausbau der Biogasproduktion.

Schon mittelfristig dürften auf über 10 Prozent der niedersächsischen Ackerflächen Energiepflanzen wie Raps, Weizen, Mais, Winterroggen, Hirse oder Sonnenblumen angebaut werden. Auch Schnellwuchsplantagen mit Weiden oder Pappeln könnten künftig für die niedersächsische Landwirtschaft von Bedeutung sein.

Einspeisung von Biogas ins Erdgasnetz

Biogas wird derzeit überwiegend dezentral produziert und als Strom- und Wärmelieferant genutzt. Aufgrund dieser Dezentralität der Anlagen, die dadurch begründet ist, dass das primäre Ausgangsmaterial für die Biogaserzeugung wie Gülle oder Energiepflanzen aufgrund der niedrigen Energiedichte aus ökonomischen Gründen in der Regel nicht über längere Distanzen transportiert werden kann, ergeben sich jedoch häufig Probleme bei der Integration guter Wärmenutzungskonzepte.

Die Nutzungsmöglichkeiten von Biogas können erweitert werden, wenn das produzierte Rohgas zu Erdgasqualität aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist wird. Aufbereitungsverfahren für Biogas sind bereits erprobt und auf dem Markt verfügbar. Bei der dichten Erdgasnetzstruktur in Deutschland/Niedersachsen und bei Transportentfernungen von ca. 20 km bis zur Einspeisestelle ergeben sich selbst in dünn besiedelten Gebieten keine deutlich erkennbaren logistischen Zugangsrestriktionen für die Biogaseinspeisung.

Seit 2008 sind in Niedersachsen 2 Projekte zur Einspeisung von Biomethan ins Erdgasnetz realisiert.

Betreiber / Bauherr

Produktionskapazität
(m³/h i.N.)

Anlagenstandort

Aufbereitungsverfahren

EWE

340

Werlte

Druckwechseladsorption

Stadtwerke Hannover AG

300

Ronnenberg

Selexol-Wäsche

Darüber hinaus betreibt die Raiffeisen-Warengenossenschaft Jameln e.G. in Jameln bereits seit dem Jahr 2006 eine Biogastankstelle. In der Kategorie "Innovationspreis für umweltschonende Mobilität: Erdgas im Verkehr" der Deutschen Gaswirtschaft erhielt das Projekt "Jamelner Biogastankstelle" im Jahr 2008 den Hauptpreis.

Als Vorteile der Biogaseinspeisung ins Erdgasnetz werden unter anderem eine bessere Primärenergieausnutzung und damit ein besserer Gesamtwirkungsgrad genannt. Die Biogasaufbereitung und -einspeisung bietet grundsätzlich gegenüber der üblichen dezentralen Stromerzeugung aus Biogas eine sehr hohe Flexibilität. Durch die Aufbereitung des Biogases auf Erdgasqualität kann ein Transport des Gases im existierenden Erdgasnetz zu Orten und Anlagen mit hohem Energiebedarf und besseren Wirkungsgraden erfolgen. Mit diesen Vorteilen geht allerdings eine hohe Komplexität der Projekte einher.

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