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Schwach- und mittelradioaktive Abfälle

In Niedersachsen werden an sechs Standorten nachfolgende Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle betrieben (Abbildung aus dem Umweltbericht). Die Abfälle lagern in Stahlfässern, Mosaikbehältern, Fässern mit Betonabschirmungen und Containern mit jeweils unterschiedlichen Volumen.


Umweltbericht 2015  

Das Land Niedersachsen ist gesetzlich zum Betrieb einer Landessammelstelle verpflichtet. Für den Betrieb der Landessammelstelle wurde im Jahr 2002 die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) als Verwaltungshelfer zur Annahme, Behandlung und Zwischenlagerung von schwach und mittelradioaktiver Abfälle aus Medizin, Forschung und Gewerbe beauftragt Sie übernimmt Rohabfälle in festem oder flüssigem Zustand sowie konditionierte Abfälle in Endlager-Containern. Bei der GNS lagern am Standort Jülich ausschließlich Rohabfälle und Zwischenprodukte. Fertige Endlagercontainer werden im Lager Leese bis zur Abgabe an das Endlager Konrad zwischengelagert. Im Lager Leese befinden sich außerdem Altabfälle aus der ehemaligen Landessammelstelle Steyerberg, die das Land bis zum Jahr 2000 betrieben hatte.

Nach dem Entwurf des Nationalen Entsorgungsprogramms des Bundes sollen an zwei Standorten Endlager errichtet werden. Das Endlager Konrad für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung (schwach und mittelradioaktive Abfälle) ist am Standort Salzgitter genehmigt und wird aktuell errichtet. Der Standort für ein Endlager für insbesondere hochradioaktive Abfälle muss nach dem Standortauswahlgesetz erst noch ermittelt und festgelegt werden..

Die Schachtanlage Konrad, ein stillgelegtes Eisenerz-Bergwerk bei Salzgitter, wird derzeit zum Endlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung umgerüstet.

Am 22. Mai 2002 wurde nach fast zwanzigjähriger Verfahrensdauer der Planfeststellungsbeschluss für die Umrüstung und den Betrieb der Schachtanlage Konrad als Endlager für radioaktive Abfälle vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz erteilt. Da dieser Beschluss beklagt wurde, konnte der Planfeststellungsbeschluss zunächst nicht vollzogen werden.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist Betreiberin des Endlagers. Nach der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes am 26. März 2007 hat das BfS mit Maßnahmen zur Umrüstung des Schachtes Konrad begonnen.

Der Planfeststellungsbeschluss beinhaltet die Einlagerung von maximal 303.000 m³ radioaktiver Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung für den nationalen Bedarf. Das Endlager Konrad soll nach Aussage des BfS voraussichtlich im Jahre 2022 in Betrieb gehen. Der Einlagerungsbetrieb soll 40 Jahre nicht überschreiten.

Das ehemalige Salzbergwerk Schachtanlage Asse II im Landkreis Wolfenbüttel, in dem zwischen 1967 und 1978 etwa 125.000 Fässer schwachradioaktiver Abfälle und 14.779 Behälter mit mittelradioaktiven Abfällen eingelagert wurden, gilt als größte radioaktive Altlast in Deutschland.

Am 01. Januar 2009 wurde die Verantwortung für den weiteren Betrieb und die Stilllegung auf das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) übertragen; seit diesem Zeitpunkt unterliegt die Anlage dem Atomrecht und nicht mehr allein dem Bergrecht. Atomrechtliche Genehmigungsbehörde ist das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz.

Das BfS hatte noch im Jahr 2009 als Ergebnis des sogenannten Optionenvergleichs erklärt, dass die Rückholung der radioaktiven Abfälle gegenüber einer Umlagerung oder Vollverfüllung als anderer Variante als die langfristig sicherste Option für die Stilllegung der Schachtanlage Asse II gilt. Das BfS hatte aber zugleich seinerseits betont, dass die Durchführbarkeit der Rückholung aufgrund von Unwägbarkeiten zunächst im Rahmen einer sogenannten Faktenerhebung geprüft werden müsse.

Nach einer gesetzlichen Neuregelung des § 57b Abs. 2 Atomgesetz am 28. Februar 2013 („Lex Asse") soll die Stilllegung nach Rückholung der radioaktiven Abfälle erfolgen. Die Rückholung ist abzubrechen, wenn deren Durchführung für die Bevölkerung und die Beschäftigten aus radiologischen oder sonstigen sicherheitsrelevanten Gründen nicht vertretbar ist.

Für das BfS bedeutet diese Neuregelung zugleich, dass die nach atomrechtlichen Grundsätzen erforderliche radiologische Rechtfertigungsprüfung, der Rückholung den Vorrang gegenüber anderen Optionen einzuräumen, bereits durch die Lex Asse vorweggenommen wurde . Nach Ansicht des BfS bestehen hierdurch auch erhebliche Potentiale, die Faktenerhebung deutlich reduzieren zu können und zu einem früheren Zeitpunkt mit der Rückholung erster Fässer zu beginnen.

Ungeachtet dessen sind,für die Durchführung der beabsichtigten Rückholung sind nach Einschätzung des BfS noch mehrere Jahrzehnte erforderlich. In Anbetracht des anhaltenden Zutritts von Gebirgslösung aus dem Deckgebirge in das Grubengebäude muss bei der Planung der Rückholung das Risiko eines unherrschbaren Lösungszutritts (Notfall) berücksichtigt werden. Zur Minimierung der Eintrittswahrscheinlichkeit und ebenso der potentiellen Auswirkungen dieses Notfalls führt das BfS bereits seit einigen Jahren technische und organisatorische Vorsorgemaßnahmen durch, deren vollständige Umsetzung voraussichtlich noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird.

Als Folge des früheren Kaliabbaus sind in der Schachtanlage Asse große und nahe beieinander liegende Hohlräume entstanden. Obwohl nahezu alle Abbaukammern inzwischen verfüllt werden konnten, sind die verbleibenden Bereiche des Grubengebäudes wie z.B. Werkstätten, Lagerräume und die Wendelstrecke infolge des Gebirgsdruckes nach wie vor stark beansprucht. Somit haben permanente Maßnahmen zur Stabilisierung des Grubengebäudes ebenso wie die Maßnahmen zur Notfallvorsorge oberste Priorität.

Nach übereinstimmender fachlicher Auffassung des Betreibers und vieler Fachleute ist für eine Rückholung radioaktiver Abfälle die vorhandene Infrastruktur nicht nur umfassend zu sanieren, sondern auch substanziell zu verbessern. Dreh- und Angelpunkt der geplanten Rückholung wird insofern das schnellstmögliche Niederbringen eines neuen Schachtes 5, aber auch dessen untertägige Anbindung und die Errichtung neuer Infrastrukturräume in einem ungestörten Bereich des Grubengebäudes, sein.

Artikel-Informationen

20.11.2015

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