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Biogas

Stand der Entwicklung

Die energiepolitische Bedeutung der Biogastechnologie in Niedersachsen steigt stetig. Biogas stellt eine wichtige und vielseitige Form der Bioenergie aus der Landwirtschaft dar. Derzeit werden in Deutschland etwa 30% des Stroms aus Biogas in niedersächsischen Anlagen erzeugt. Damit hat Niedersachsen bei der Erzeugung von Biogas die Spitzenposition in Deutschland und Europa inne. Seit Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) im Frühjahr 2004 sind mehr als 600 neue Biogasanlagen mit einem Investitionsvolumen von annähernd 1,2 Milliarden Euro ans Netz gegangen. Da der größte Teil dieser Investitionen an regionale Unternehmen vergeben wird, trägt diese Entwicklung zur Stärkung des ländlichen Raums bei. Die neuen Anlagen setzen fast ausnahmslos nachwachsende Rohstoffe (NaWaRo) mit oder ohne Gülle ein.

2010 sind in Niedersachsen etwa 900 größtenteils landwirtschaftliche Biogasanlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von rund 450 MW in Betrieb. Die durchschnittliche Größe der in den letzten Jahren neu gebauten Anlagen liegt bei etwa 550 kW elektrischer Leistung. Dieser Trend zu größeren Anlagen ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu begrüßen.

Die regionalen Schwerpunkte der Biogasproduktion liegen vor allem in den Landkreisen Celle, Gifhorn, Hameln, Soltau-Fallingbostel, Rotenburg und den Veredlungsregionen Aurich, Cloppenburg, Oldenburg und Landkreis Emsland. Aber auch in der Ackerbauregion im südlichen Niedersachsen hat Biogas an Bedeutung gewonnen.

Die mit dem Biogasboom in Niedersachsen verbundene Zunahme des Energiepflanzenanbaus führt in vielen Regionen auch zu einer Veränderung der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen. Für die 2010 betriebenen und im Bau befindlichen Biogasanlagen in Niedersachsen konnte mit einem Flächenbedarf von etwa 200.000 ha ein Anteil von 7,8% an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche festgestellt werden. Davon wurden mit Schwerpunkt rd. 150.000 ha für den Maisanbau und 35.000 ha für Getreide für Ganzpflanzensilage, Hirse, Zuckerrüben oder Sonnenblumen genutzt. Zunehmend wird auch der Aufwuchs von Grünland (150.000 ha) in Biogasanlagen eingesetzt. In diesem Zusammenhang werden insbesondere der verstärkte Maisanbau und die neue Konkurrenz um die Flächen in vielen Kreisen der Landwirtschaft, der Ernährungswirtschaft oder des Naturschutzes diskutiert.

Perspektiven bis 2020

Nach einer Prognose des ML wird bis 2020 unabhängig von der Nutzungsform mit einer Verdoppelung der derzeitigen Biogaskapazität auf rund 800 MW bis 900 MW installierter elektrischer Leistung gerechnet. Der aus Biogas erzeugte Strom würde damit auf fast 7 Mrd. kWh anwachsen. Durch die zu erwartenden Effizienzsteigerung bei der Biogaserzeugung wird die dafür erforderliche Acker- und Grünlandfläche lediglich um schätzungsweise 60.000 ha auf 260.000 ha anwachsen und damit einen Anteil von etwa 10 % an der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Niedersachsen ausmachen.

Zur Biogasnutzung in Niedersachsen laden Sie sich die Broschüre aus unserer Infospalte rechts herunter.


Einspeisung ins Erdgasnetz

Biogas wird derzeit überwiegend dezentral produziert und als Strom- und Wärmelieferant genutzt. Aufgrund dieser Dezentralität der Anlagen, die dadurch begründet ist, dass das primäre Ausgangsmaterial für die Biogaserzeugung wie Gülle oder Energiepflanzen aufgrund der niedrigen Energiedichte aus ökonomischen Gründen in der Regel nicht über längere Distanzen transportiert werden kann, ist die Integration guter Wärmenutzungskonzepte nicht immer möglich.

Die Nutzungsmöglichkeiten von Biogas können erweitert werden, wenn das produzierte Rohgas zu Erdgasqualität aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist wird. Aufbereitungsverfahren für Biogas sind bereits erprobt und auf dem Markt verfügbar. Bei der dichten Erdgasnetzstruktur in Deutschland/Niedersachsen und bei Transportentfernungen von ca. 20 km bis zur Einspeisestelle ergeben sich selbst in dünn besiedelten Gebieten keine deutlich erkennbaren logistischen Zugangsrestriktionen für die Biogaseinspeisung.

Die Biogasaufbereitung und -einspeisung bietet grundsätzlich gegenüber der üblichen dezentralen Stromerzeugung aus Biogas eine sehr hohe Flexibilität. Durch die Aufbereitung des Biogases auf Erdgasqualität kann ein Transport des Gases im existierenden Erdgasnetz zu Orten und Anlagen mit hohem Energiebedarf und besseren Wirkungsgraden erfolgen. Mit diesen Vorteilen geht allerdings eine hohe Komplexität der Projekte einher.

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