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Klimaszenarien in Niedersachsen

Zur Abschätzung künftiger Klimaentwicklungen werden Klimaszenarien erstellt. Diesen Szenarien liegen jeweils bestimmte Annahmen zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen, der wirtschaftlichen Entwicklung oder zum Bevölkerungswachstum zugrunde. Für die niedersächsischen Klimaszenarien wurde das vom Weltklimarat (IPCC) in seinem 4. Sachstandsbericht vorgestellte Emissionsszenario A1B verwendet. In diesem Szenario wird eine Welt mit rascher wirtschaftlicher Entwicklung beschrieben. Die Weltbevölkerung würde nach diesen Annahmen bis 2050 weiter ansteigen und dann langsam abnehmen. Gleichzeitig wird in dem Szenario der Einsatz von effizienten Technologien vorausgesetzt.


  • Temperatur

    Den Modellrechnungen zufolge ist bei diesem Szenario in Niedersachsen bis zum Jahr 2100 ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um ca. 3° C zu erwarten. Der Temperaturanstieg wird sich dabei besonders in der letzten Periode von 2071 bis 2100 beschleunigen.



Karte: Veränderung der Jahresdurchschnittstemperatur  


Die Modellrechnungen zeigen hier saisonale Unterschiede: Am stärksten wäre die Temperaturzunahme im Winter und Herbst (3 bis 4° C), während der Anstieg im Frühling mit ca. 1,8° C moderater ausfallen würde. Auch die regionale Verteilung variiert: Das Weser-Leine-Bergland und der Harz wären nach den Szenarien am stärksten betroffen. Geringere Temperaturanstiege sind in den küstennahen Regionen zu erwarten.

Die saisonalen Unterschiede im Anstieg der Lufttemperatur haben eine Verlängerung der frostfreien Zeit zur Folge. Sie würde sich bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu 55 Tage verlängern. Dies ist eine Folge des Rückgangs der Spätfröste (21 Tage früher laut Modellrechnung) und des späteren Auftretens der Frühfröste (32 Tage nach den Szenarien). Auch würde sich die durchschnittliche Dauer der thermischen Vegetationsperiode, d.h. die Anzahl der Tage, an denen eine Tagesdurchschnittstemperatur von 5° C überschritten wurde, um weitere 70 bis 80 Tage erhöhen. Die Verlängerung der Vegetationsperiode an den Küsten sowie im westlichen und mittleren Teil Niedersachsens könnte sogar 80 bis 90 Tage betragen.


  • Niederschlag

    Die durchschnittliche Niederschlagsmenge in Niedersachsen und die räumliche Verteilung des Niederschlags würden sich nach den Modellrechnungen auch künftig nicht besonders stark verändern (Abb. 2). Für den überwiegenden Teil Niedersachsens könnten die mittleren Jahresniederschläge noch leicht ansteigen. Derartige Anstiege wären besonders ausgeprägt entlang der Küste und im Harz. In den bereits heute besonders trockenen östlichen Teilen Niedersachsens wäre allerdings auch künftig kein Anstieg der Niederschlagsmengen zu erwarten.

    Viel wichtiger aber sind die Veränderungen der saisonalen Verteilung des Niederschlags. Während im Sommer und damit in der Vegetationszeit ausgeprägte Rückgänge zu verzeichnen sind (Abb. 3), würde es im Winter zu erhöhten Niederschlägen kommen, so dass die jährlichen Niederschlagssummen sogar trotz zunehmender sommerlicher Trockenheit steigen könnten. Mit der Zunahme der winterlichen Niederschläge würde sich auch das Hochwasser- und Überschwemmungsrisiko erhöhen.


Karte: Veränderung der jährlichen Niederschlagssummen  
Karte: Veränderung der sommerlichen Niederschlagsverteilung  
Extremwetterereignisse

Extremwetterereignisse zeichnen sich durch eine kurzzeitige, aber sehr starke Abweichung von den Mittelwerten in einer Region aus. Für Niedersachsen sind dies beispielsweise Hitzewellen, Trockenperioden, Starkniederschläge und Stürme. Im Vergleich zu den schleichenden Veränderungen verursachen sie häufig größere Schäden und können gravierende Folgen für Mensch und Umwelt haben. Da es sich um Ereignisse handelt, die von Kombinationen globaler und lokaler Faktoren verursacht werden, ist eine Abschätzung der zukünftigen Entwicklung derzeit noch sehr unsicher.

Die künftig erhöhten mittleren Sommertemperaturen in Verbindung mit reduzierten Niederschlägen machen das häufigere Auftreten von Hitzewellen und Dürren wahrscheinlich.

Mit zunehmender Erwärmung kann die Luft zudem mehr Wasserdampf aufnehmen. Insbesondere in den Mittelgebirgen könnte dies vermehrt zu Starkniederschlägen und damit verbunden zu Erosion und Hochwasser kommen. Zudem muss künftig mit einem Anstieg der Tage mit hohen Windgeschwindigkeiten um 50 Prozent gerechnet werden. Es ergibt sich aus den Modellrechnungen sogar eine Zunahme der Anzahl von Sturmfluten von 50-100 Prozent.


Artikel-Informationen

26.02.2016

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