Grundwasser im Festgestein | Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz
  • AA

Grundwasser im Festgestein

Durch den sehr heterogenen geologischen Aufbau des niedersächsischen Deckgebirges (Gesteinskomplex, der sich im Deformationsstil sowie im Grad der Gesteinsumwandlung in Abhängigkeit von Druck und Temperatur (Metamorphosegrad) von dem erdgeschichtlich älteren Grundgebirge unterscheidet) sind auch die hydrogeologischen Verhältnisse wechselhaft und komplex. Grundwasser gibt es in unterschiedlicher Tiefe und in stark wechselnder Ergiebigkeit in Kluft- und teilweise auch in Karstgrundwasserleitern unterschiedlicher Ausdehnung. Im Vergleich zum Lockergestein sind die durchflusswirksamen Hohlraumanteile der Festgesteinsgrundwasserleiter, abgesehen von verkarsteten Bereichen, insgesamt eher gering. Grundwasservorkommen mit guter Ergiebigkeit gibt es nur in klüftigem Sandstein und in oft verkarstetem Kalk- und Mergelstein. Häufig tritt Grundwasser an Schicht- und Störungsquellen zu Tage.

Die Grundwasserneubildung liegt in weiten Bereichen des Deckgebirges nur bei ca. 100-200 mm pro Jahr, was unter anderem durch das verstärkt Oberflächenabfluss hervorrufende Relief bedingt ist. Regional werden jedoch auch, besonders im Ausstrichbereich der Jura- und Kreidegesteine, höhere Werte erreicht.

Etwas andere Eigenschaften weisen die Grundwasservorkommen des Harzes auf. Der Harz bildet eine Pultscholle (eine Bruchscholle, die einseitig, entlang einer Bruchzone angehoben wurde), die im Nordwesten von steil stehenden bis überkippten mesozoischen Gesteinen begrenzt wird und im Südosten unter jüngere Gesteine des Zechsteins (Gesteinseinheit in der oberen Permzeit; siehe auch Abb. 8) abtaucht. Die Gesteine sind während ihrer Entstehung (auch diagenetisch) stark verfestigt und tektonisch intensiv beansprucht. Nennenswerte Grundwasserführung gibt es vor allem in den oberflächennah aufgelockerten Bereichen intensiv geklüfteter Gesteine (Grauwacke, Kieselschiefer, Quarzit). Die Öffnungsweite von Trennfugen (Schichtung, Klüftung, Schieferung) nimmt mit der Tiefe stark ab, so dass zusammenhängende Kluftgrundwasserleiter i. d. R. nur in den oberen Metern bis wenige Zehner Meter entwickelt sind.

Die Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung ist im Festgestein sehr unterschiedlich zu beurteilen. Unter zusammenhängenden, mächtigeren Lössdecken und unter weniger geklüfteten Ton- und Schluffsteinschichten ist das Grundwasser meist gut gegen Oberflächeneinflüsse geschützt. Allerdings spielt bei der Beurteilung des Geschütztheitsgrades von Festgesteinsaquiferen das im Vergleich zum Lockergestein völlig andere Fließgeschehen eine wesentliche Rolle.

Im Festgestein fließt das Grundwasser auf eng begrenztem Raum in Klüften und Fugen oder in durch Verkarstung erweiterten Hohlräumen. Die Fließgeschwindigkeit ist besonders in verkarsteten Bereichen oft hoch bis sehr hoch, so dass eindringende Schadstoffe nur eine geringe Verweildauer erreichen.

Im Bereich des Deckgebirges werden neben Brunnen auch zahlreiche Quellen für die öffentliche Trinkwasserversorgung genutzt. Bei Starkregenereignissen kann es hier jedoch immer wieder zu bakteriellen Verunreinigungen oder Wassertrübung kommen. Darüber hinaus sind die Talsperren des Harzes und die wasserwirtschaftlichen Anlagen des Bergbaus von sehr großer Bedeutung für die Wasserversorgung.

In Gebieten mit oberflächennah anstehenden Zechstein-Schichten ist das Grundwasser bei hohen Sulfat- und Karbonatkonzentrationen sehr hart. In den karbonatischen Grundwasserleitern des Unteren und Oberen Muschelkalks (lithostratigraphische Gesteinseinheit in der Trias), des Oberen Jura (ca. 155 Mio. Jahren) und der Oberkreide (ca. 65,5 Mio. Jahren) ist es überwiegend hart bis teilweise sehr hart. In den übrigen Festgesteinsgrundwasserleitern ist das Grundwasser weich bis mittelhart, wobei im Grundwasser z. B. aus dem Oberen Keuper (ca. 132,5 Mio. Jahren) oder dem Unteralb-Sandstein (lithostratigraphische Gesteinseinheit in der Oberen Unterkreide, ca. 99 Mio. Jahren) hohe Eisenkonzentrationen auftreten können.

Im Bergland sind hydraulische Verhältnisse, die erhebliche Potenzialunterschiede verursachen, nicht selten. In Kombination mit den in verschiedenen Schichtabschnitten vorkommenden Salzfolgen (auch Salinarfolgen) gibt es auch oberflächennah hoch mineralisiertes Grundwasser.


Grundwasserbericht NDS  
Abbildung 6: Schematisches hydrogeologisches Profil des Niedersächsischen Berglandes.
zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln