Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Schutz der Ostfriesischen Inseln

Eine Besonderheit für den Küstenschutz in Niedersachsen bilden die Ostfriesischen Inseln, die der Niedersächsischen Festlandsküste zwischen Ems- und Jademündung vorgelagert sind. Vorgänger der heutigen Inseln haben sich im Zuge des nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieges als sandige Barriereinseln gebildet und waren seitdem ständigen Veränderungen unterworfen.

Die Inseln, Seegaten und Watten stellen ein hochdynamisches System dar, das sehr dynamischen klein- und großräumigen hydromorphologischen Prozessen unterworfen ist. In den vergangenen Jahrhunderten reichten die damaligen technischen Möglichkeiten und Kenntnisse nicht aus, um bedrohte Siedlungsbereiche ausreichend gegen Küstenerosion und Sturmfluten zu schützen. Ortschaften mussten deshalb zum Teil mehrfach verlegt oder aufgegeben werden.

Beginnend mit der Gründung des ersten Seeheilbades an der deutschen Nordseeküste auf Norderney im Jahre 1797 hat sich auf allen Ostfriesischen Inseln der Tourismus bis in die Gegenwart als ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor entwickelt. Heute ist die Insel Norderney neben Cuxhaven der meistfrequentierte Ferienort an der niedersächsischen Küste.

Ziel des Inselschutzes ist es heute, Siedlungsräume vor Sturmfluten zu schützen und den Bestand der Inseln zu sichern. Bei Sturmfluten bilden die Ostfriesischen Inseln zudem ein natürliches Barrieresystem gegen den aus dem Küstenvorfeld einlaufenden Seegang. Ein erheblicher Teil der Seegangsenergie wird durch die Barriere abgebaut und dadurch die Seegangsbelastung der Festlandsküste verringert.

An der Nordseite der Ostfriesischen Inseln finden sich natürliche Randdünenketten, die als Schutzdünen flächenhaft gewidmet sind. Zur Sicherung der Dünen und Strände vor Sturmfluten und Küstenerosion wurden beginnend in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Westköpfe aller Inseln mit Ausnahme von Juist und Langeoog durch massive wasserbauliche Anlagen festgelegt und nachfolgend erweitert.

Das technische Konzept zur Erhaltung der Funktionalität der Schutzdünen ist dabei abhängig von der jeweiligen Sedimentversorgung des Strandes und den bereichsspezifisch formulierten Schutzzielen. In durch massive Bauwerke geschützten Bereichen - dieses sind überwiegend die Ortslagen auf den Inseln - wird die vorhandene Küstenschutzlinie erhalten und die Bauwerke den jeweiligen Belastungen angepasst. In Dünenbereichen kommen unterschiedliche Konzepte zur Ausführung, die ein größeres Maß an Flexibilität ermöglichen. Diese reichen von einer Sicherung der vorhandenen Küstenlinie durch die künstliche Zufuhr von Sediment bis hin zu einem Zulassen der Erosion unter Sicherstellung der Sturmflutschutzfunktion durch Verstärkung der Schutzdünen.

Für die niedrig liegenden Wattseiten der Inseln stellen Hauptdeiche den Sturmflutschutz sicher. Dünen und Hauptdeiche bilden geschlossene Ringe um die zu schützenden Bereiche. Für die Gewährleistung des Bestandes der Inseln sind einzelne Dünenzüge außerhalb dieses Rings zusätzlich als Schutzdünen gewidmet.

Die Entwicklung von mittel- bis langfristigen Konzepten für die Sicherstellung des Küstenschutzes auf den Inseln bildet einen Schwerpunkt der konzeptionellen Planungen. Dabei werden die Auswirkungen von zu erwartenden Klimaveränderungen von Bedeutung sein. Hierfür stellt die Erfassung morphologischer, hydrologischer und sedimentologischer Größen und die Analyse von deren Veränderungen eine wichtige Basis für die Schaffung von Planungsgrundlagen dar.

Maßnahmen des Inselschutzes werden zu einem großen Teil in einem Naturraum umgesetzt, der einen besonderen naturschutzfachlichen Wert aufweist und durch europäische sowie nationale Rechtsvorschriften geschützt ist. Zudem sind im Zeitraum vom Frühjahr bis Herbst, wenn Küstenschutzmaßnahmen umgesetzt werden, Zielkonflikte mit den Anforderungen des Tourismus vorhanden. Eine intensive Abstimmung der Anforderungen des Küstenschutzes mit den Zielsetzungen des Naturschutzes und der touristischen Nutzung der Inseln wird, wie auch ein schonender Umgang mit Ressourcen, wegen der Kleinräumigkeit der Inseln auch in Zukunft von großer Bedeutung im Sinne eines integrierten Managements sein.

Küstenschutz auf den Ostfriesischen Inseln ist eine Aufgabe des Landes Niedersachsen mit Ausnahmen der Bestandssicherung von Borkum und Wangerooge zum Schutz der Fahrwässer von Ems und Jade, die in der Zuständigkeit des Bundes liegen.


Norderney
Artikel-Informationen

16.04.2014

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