Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Insel- und Küstenschutz

Der Küstenschutz ist unabdingbare Voraussetzung für die Besiedlung des Küstengebietes. Nach der Sturmflutkatastrophe von 1953 in den Niederlanden wurde in Deutschland die Strategie im Insel- und Küstenschutz vom Reagieren auf Vorsorge umgestellt (NIEMEYER 2001). Planrechtliche Grundlage des Küstenschutzes bildet in Niedersachsen das niedersächsische Deichgesetz.

Die niedersächsische Küste wird durch rund 610 km Hauptdeiche und 17 Sperrwerke vor Sturmfluten geschützt. Hinzu kommen ca. 35 km Hauptdeiche und 85 km Schutzdünen auf den Inseln sowie weitere 620 km Strom- und Flussdeiche oberhalb der Sperrwerke. Die Strukturen der Küstenschutzanlagen und die noch zu realisierenden Maßnahmen werden im Generalplan Küstenschutz zusammengestellt, dessen Neuauflage Anfang 2007 veröffentlicht wurde, Ende 2009 der Teil II - Ostfriesische Inseln.

Die Bemessung der Deiche, die den Schutz des Festlandes garantieren, erfolgt auf der Basis des zu erwartenden höchsten Sturmflutwasserstandes und des Auflaufens der Wellen auf dem Deich. Der Bemessungswasserstand wird bei Seedeichen nach dem Einzelwertverfahren durch Addition des aktuellen mittleren Tidehochwassers und dem größten bisher gemessenen Stau (Differenz zwischen dem Wasserstand der höchsten Sturmflut und dem mittleren Tidehochwasser) sowie einigen ergänzenden Komponenten (Abb. 5) bestimmt. Der Wellenauflauf wird durch mathematische Modellierungen ermittelt (Abb. 6).

Abb.5 Einzelwertverfahren  
Abb.5 Einzelwertverfahren
Abb.6 Bemessungsseegang Weser  
Abb.6 Bemessungsseegang Weser

Als Vorsorgemaß für den säkularen Meeresspiegelanstieg und für Klimaänderungen wird seit 2007 ein von 25 cm - entsprechend dem mittleren Anstieg des Tidehochwassers in den letzten 100 Jahren - auf 50 cm erhöhter Zuschlag in den Bemessungswasserstand eingerechnet. Zur Umsetzung dieser Vorgabe wird bei der NLWKN-Forschungsstelle Küste seit Mitte 2008 in einem auf fünf Jahre ausgelegten Programm „Bilanz Bemessung Niedersächsische Küste" parallel zu den Untersuchungen für aktuelle Verstärkungen die Bemessung für alle Deiche und anderen Küstenschutzwerke unter Berücksichtigung dieses neuen Vorsorgemaßes ermittelt. Damit stehen ab 2013 erstmals für die niedersächsische Küste vollständige Bemessungen nach einem einheitlichen Sicherheitsniveau und methodischem Standard zur Verfügung. Darauf aufsetzend wird eine Anpassung der Bestickfestsetzungen erfolgen, die in eine Aktualisierung des Generalplans Küstenschutz münden wird.

Einer eventuellen Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs wird darüber hinaus Rechnung getragen, indem bei massiven Bauwerken - deren Nacherhöhung sehr viel aufwändiger ist als bei reinen Erdbaukörpern wie den Deichen - das im Bemessungswasserstand enthaltene Vorsorgemaß auf bis zu 1,0 m erhöht wird.

Den anhaltenden Verlagerungen der Inseln an der niedersächsischen Küste wurde beginnend im 19. Jahrhundert durch die Errichtung massiver Deckwerke und Buhnen entgegengewirkt. Der weitere Ausbau dieser sehr kostenintensiven Bauwerke wurde in den 1950er Jahren eingestellt und stattdessen wurden und werden die Inseln durch künstliche Strandauffüllungen als wirtschaftlichere Methode geschützt (NIEMEYER et al. 1996) (Abb. 7). Die vorhandenen festen Küstenschutzanlagen auf den Inseln werden fortlaufend in Stand gehalten. An gefährdeten Stellen, an denen der Strand nicht aufgefüllt werden kann, werden die Dünen auf der Rückseite mit Sand verstärkt und dabei möglichst naturähnlich gestaltet. Strandhaferpflanzungen und Fangzäune helfen den Sandflug zu verringern.

Abb-7-Strandauffüllung
Abb. 7 Strandauffüllung

Im Hinblick auf Klimaänderungsfolgen wird im Rahmen des KLIFF-Programms des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur unter Federführung der NLWKN-Forschungsstelle Küste im Forschungsthema A-KÜST untersucht, welchen Belastungen Küstenschutzwerke unter den aus Klimaänderungsszenarien ableitbaren Sturmflut- und Seegangsbedingungen ausgesetzt sein würden. Ergänzend werden alternative Strategien im Küstenschutz unter diesen Randbedingungen auf ihre Eignung untersucht.

Artikel-Informationen

01.03.2011

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