Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

UNESCO-Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer

Die Einzigartigkeit der Landschaft im niedersächsischen Wattenmeerraum erfuhr 1993 mit der Anerkennung als Biosphärenreservat im Rahmen des UNESCO-Programms ‚Man and Biosphere' (MAB) zusätzliche Bedeutung. UNESCO-Biosphärenreservate repräsentieren nicht nur einzigartige Naturlandschaften sondern auch über Jahrhunderte durch menschliche Nutzung geprägte besondere Kulturlandschaften. Es sind Gebiete, in denen beispielhaft innovative Ansätze nachhaltiger Entwicklung erprobt und realisiert werden sollen. Als 'Modellregionen für nachhaltige Entwicklung' gewinnen sie weltweit an Bedeutung.

Das UNESCO-Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer ist eines von 16 Biosphärenreservaten in Deutschland und 610 weltweit. Es umfasst derzeit mit einer großen Kern- und Pflegezone das Gebiet des gleichnamigen Nationalparks in seinen Grenzen von 1986. Dort steht der Schutz und Erhalt der natürlichen Lebensräume im Vordergrund. Angrenzend an die Kern- und Pflegezone soll binnendeichs die Entwicklungszone des Biosphärenreservates entstehen und - entsprechend ihrer Funktion - beispielhaft zukunftsfähige Lebens- und Kulturräume für die nachfolgenden Generationen sichern und entwickeln helfen. Die Entwicklungszone wird in freiwilliger Zusammenarbeit mit den Kommunen und gemeinsam mit den hier lebenden und wirtschaftenden Menschen entwickelt und ausgestaltet. Im Niedersächsischen Wattenmeer umfasst die sogenannte funktionale Entwicklungszone derzeit die Küstenlandkreise.

Beispielhafte Ansätze für eine nachhaltige Entwicklung im niedersächsischen Wattenmeerraum gibt es sowohl auf den ostfriesischen Inseln als auch entlang der Festlandsküste. So zum Beispiel die Insel Juist, die sich als ‚KlimaInsel' auf den Weg gemacht hat, die Insel Borkum mit Konzepten einer multifunktionalen Landwirtschaft oder die als Fairtrade-Kommune ausgezeichnete Insel Langeoog, die sich in Kooperation mit der Nationalpark- und Biosphärenreservatsverwaltung für einen nachhaltigen Tourismus engagiert. Im Rahmen von Konzepten zur Entwicklung des ländlichen Raumes entstanden auch im Binnenland eine Vielzahl von Initiativen, die dem Erhalt des natürlichen und kulturellen Erbes, u.a. zum Beispiel der hohen ökologischen Wertigkeit extensiv genutzter landwirtschaftlicher Flächen, und gleichzeitig der wirtschaftlichen Entwicklung der Region Rechnung tragen. Ein Beispiel dafür sind die Lamm- und Ochsenwochen des Vereins proRegion e.V. in der Wesermarsch und Oldenburg, das Gastronomienetzwerk ‚Ostfriesland kulinarisch', der Erzeugerzusammenschluss Biomilch Elbe-Weser-Ems e.V. (EZB), die Melkhus entlang von ausgewählten Fahrradrouten und nicht zuletzt das Engagement des Kulturnetzwerkes Ostfriesland für das Veranstaltungsprogramm ‚Land der Entdeckungen'. Auf internationaler Ebene (trilaterales Wattenmeerforum; Interreg Nordseeprogramm) wurden der Lancewadplan und die North Sea Cycle Route realisiert.

Mit der Einrichtung der Entwicklungszone des Biosphärenreservates ist die Chance verbunden, die vorhandenen Potenziale nachhaltiger Entwicklung in der Wattenmeerregion zusammenzuführen und weiterzuentwickeln, dabei sowohl die Einzelinitiativen als auch die Gesamtidee zu stärken. Dies insbesondere auch über die gemeinsame regionale Identität der Nordseeküstenbewohner und die Kommunikation eines einzigartigen Natur- und Kulturraums in der Welt.

Dabei setzt die Nationalpark- und Biosphärenreservatsverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer auf folgende Strategien und Instrumente, die vor allem auf die Mitgestaltung durch die regionalen Akteure fokussieren:

Nachhaltige (touristische) Entwicklung - Partnerinitiative Biosphärenreservat

Ziel ist der Aufbau eines Partnernetzwerkes mit Tourismus, Naturschutz und Landwirtschaft, das den Ansprüchen einer nachhaltigen Entwicklung in der Region gerecht wird. Insbesondere bei Gastronomie und Beherbergung wird die Nachfrage nach regionalen Qualitätsprodukten generiert und forciert. Aber auch umweltfreundliche Wirtschaftsweisen, umweltfreundliche Mobilität, regionale Baukultur und Information und Service der touristischen Leistungsträger zu den natur- und kulturräumlichen Besonderheiten der Region werden über die Partnerinitiative gefördert.

Nachhaltige Landnutzung - ‚Nachhaltigkeitslabel' für regionale Produkte

„Im primären Wirtschaftssektor sind dauerhaft umweltgerechte Landnutzungsweisen zu entwickeln".

Dieser für Biosphärenreservate in den ‚Kriterien zur Überprüfung und Anerkennung von Biosphärenreservaten der UNESCO in Deutschland' formulierte Anspruch soll im UNESCO-Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer mit der „Inwertsetzung" regionaler nachhaltig erzeugter Produkte umgesetzt werden. Eine regionale Vermarktung über die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft des Wattenmeerraumes soll diese gleichzeitig sichern und entwickeln helfen. Ein Baustein ist die Anerkennung und Auswahl von Produkten, deren Profil förderlich für den Erhalt der biologischen und kulturellen Vielfalt und Qualität der naturräumlichen Ausstattung der Region ist.

Klimaschutz und -anpassungsstrategien - Räumliche Erkundung und Regionalforen

Die Umsetzung des Biosphärenreservatskonzeptes fordert, dass alle daran Beteiligten sich über die zu erreichenden Ziele und Maßnahmen möglichst weitgehend einigen. Dieser Anspruch wurde im Rahmen des Projektes ‚Speichern statt Pumpen - Entwicklung von Handlungsoptionen für das regionale Wassermanagement vor dem Hintergrund des Klimawandels' - mit der Verbindung von zwei methodischen Schwerpunkten konsequent verfolgt und umgesetzt. Die Kombination aus räumlicher Erkundung/ Datenbereitstellung und mehrschichtigem Partizipationsprozess zeigte, dass es möglich ist, auch für verschiedenartige Anforderungen - in diesem Fall an die Wasserwirtschaft - zu umsetzbaren Ergebnissen zu gelangen.

Für eine gemeinsame Entwicklung des niedersächsischen Küstenraumes - auch im Zusammenhang mit der Entwicklung und Stärkung des Biosphärenreservatsgedankens - soll die Methodik bzw. das Vorgehen weiterhin Anwendung finden.

Bildung für nachhaltige Entwicklung - Juniorranger

Im Zentrum der Umweltbildung steht die Ausbildung von Juniorrangern und der Aufbau eines Netzwerkes von Bildungsanbietern in der Region, die den Gedanken der ‚nachhaltigen Entwicklung' umsetzen und weitertragen.

Im Rahmen der lokalen und nationalen Zusammenarbeit und auf Grundlage der 1995 verabschiedeten Sevilla-Strategie und des 2008 erstellten Madrid Action Plans für Biosphärenreservate bilden weitere Projekte Grundlagen für Modelle einer nachhaltigen lebenswerten Zukunft in der Wattenmeerregion. Die Menschen der niedersächsischen Küste und der ostfriesischen Inseln sind eingeladen, sich und ihre Ideen einzubringen


Artikel-Informationen

25.09.2013

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