Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Flora

Starkes Wachstum von mikroskopisch kleinen Algen und größeren, am Boden verankerten Algen (Großalgen) wird erhöhten Nährstoffkonzentrationen in den Küstengewässern zugeschrieben. Massenvermehrungen („Blüten") der einzelligen, frei im Wasser treibenden Schleimkugel- oder Schaumalge, führen nach ihrem Zusammenbruch in Verbindung mit stärkeren Windlagen zu mitunter meterhohen Schaumteppichen an den Stränden der Nordseeinseln (Abb. 17). Nachdem sich das Ausmaß dieser Blüten seit Mitte der 1990er Jahre reduziert hatte, wurden seit 2004 erneut intensivere Blüten festgestellt (Abb. 18). In den Jahren 2011 und 2012 dagegen trat die Art nur in geringen Dichten auf.


Abb-17-Schaumteppich  
Abb. 17 Foto Schaumteppich
Abb.18 Schaumalge(in Kolonien/l)  

Bei den Großalgen aus der Gruppe der Grünalgen (im Wesentlichen die Arten Meersalat und Darmtang) zeigte sich über die Jahre eine ähnliche Bestandsentwicklung wie bei der Schaumalge. Zu Beginn der 1990er-Jahre bedeckten diese Pflanzen Wattflächen in einem zuvor nicht beobachteten Maße (Abb. 19). Nach einer mehrere Jahre umfassenden Verringerung der von Algen bedeckten Areale war 1999 eine erneute Zunahme festzustellen (Abb. 20). Während die zeitliche Entwicklung der Schaumalge eine Korrelation zum leicht abnehmenden Nährstoffangebot zeigt (siehe Kap. 6.1.3), kommen Massenvermehrungen von Grünalgen trotz sich verringernder Nährstoffkonzentrationen im Wasser weiterhin vor. Diese Entkopplung zwischen Nährstoffdynamik und Grünalgenvermehrung ist vermutlich u. a. auf die Speicherkapazität der Sedimente für Nährstoffe zurückzuführen. . In den letzten Jahren ist erneut eine rückläufige Tendenz in der Entwicklung der Grünalgenbestände festzustellen. Insgesamt ist die jährliche Grünalgenentwicklung das Ergebnis zahlreicher biotischer und abiotischer Faktoren, deren Zusammenspiel noch nicht genau verstanden wird und das weitere Untersuchungen erfordert.


Abb-19-Grünalgen  
Abb. 19 Grünalgen
Abb.20 Entwicklung der Grünalgen (absolute Bedeckung in km²)  

Der Bestand der Seegraswiesen (Abb. 21) hat sich im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts dramatisch verringert. Nachdem bereits zu Beginn der 1930er Jahre die im dauerhaft wasserbedeckten Bereich vorkommenden Seegraswiesen verschwunden waren, waren seit den 1970er Jahren sowohl der Bestand des Zwergseegrases (Zostera noltii) als auch der des Großen Seegrases (Zostera marina) im Gezeitenbereich des niedersächsischen Wattenmeeres drastischen Rückgängen unterworfen. Den Ergebnissen der letzten Gesamtbestandsaufnahme zufolge, die im Sommer 2008 durchgeführt wurde, ist im Gezeitenbereich mittlerweile eine Ausdehnung der Bestände beider Arten auf eine Gesamtfläche von ca. 18,8 km² eingetreten (Abb. 22). Davon stellt das Zwergseegras mit einer Fläche von ca. 14,5 km² den Hauptanteil, während die Wiesen des Großen Seegrases eine Fläche von ca. 4,5 km² einnehmen. Der Schwerpunkt der niedersächsischen Seegraswiesen liegt mit einer Fläche von ca. 10,9 km² im Jadebusen. Ausgenommen von der zuletzt positiven Entwicklung sind insbesondere die Vorkommen des Großen Seegrases auf dem Hund/ Paapsand im Bereich der Emsmündung, die während der letzten Jahre bis auf kümmerliche Restbestände erloschen sind. Die Ursachen für die während der letzten Jahrzehnte festgestellten Entwicklungen der Seegrasbestände sind nicht abschließend geklärt. Als wesentliche potentielle Einflussgrößen werden Eutrophierung durch erhöhte Nährsalzgehalte des Seewassers (Phosphat und Nitrat), Trübung (u.a. durch Baggeraktivitäten und Verklappen von Sedimenten), Sedimentstabilität, Bewuchs durch Großalgen, globale Erwärmung und Anstieg des Meeresspiegels sowie interaktive Effekte zwischen den hier genannten und weiteren Einflussgrößen diskutiert.

Abb-21-Seegras  
Abb. 21 Seegras
Abb.22 Seegraswiese (Ausdehnung in km²)  
Abb.22 Seegraswiese
Artikel-Informationen

25.09.2013

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