Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Makrozoobenthos

Ein wesentliches Element des Ökosystems Wattenmeer bilden die bodenlebenden Tiere, die nach ihrer Größe in Mikro-, Meio- und Makrozoobenthos-Organismen eingeteilt werden. Als Makrozoobenthos (MZB) bezeichnet man alle Tiere, die bei der Untersuchung des Meeresbodens von Sieben mit 1mm Maschenweite zurückgehalten werden. Sie spielen eine zentrale Rolle im Nahrungsnetz des Ökosystems als Bindeglied zwischen Primärproduktion (insbesondere Entwicklung von kleinen Algen) und höheren trophischen Ebenen wie Fischen und Vögeln, bis hin zum Endverbraucher Mensch. Dabei handelt es sich überwiegend um wirbellose Tiere wie Muscheln, Schnecken, Würmer und Krebse, von denen bisher an der niedersächsischen Küste rund 500 verschiedene Arten nachgewiesen werden konnten. Einige Arten sind nach Beginn der Aufzeichnungen verschwunden oder vom Aussterben bedroht und stehen in der Roten Liste. Andere Arten, die als Neozoen bezeichnet werden, wandern gerade in den letzten Jahren zunehmend aus z. T. fernen Meeresgebieten in unsere Küstenzone ein, verbreiten sich sehr schnell und können teilweise sogar einheimische Arten verdrängen.

Je nach Lebensweise werden im oder auf dem Boden lebende (endo- oder epibenthische) Arten unterschieden. Weiterhin gibt es festsitzende Arten, wie z.B. den röhrenbauenden Borstenwurm Lanice conchilega (Abb. 23) und bewegliche Arten, wie z.B. die neu eingewanderte Japanische Felsenkrabbe Hemigrapsus sanguineus und Pinselfelsenkrabbe Hemigrapsus takanoi (Abb. 24). Von vielen MZB-Arten sind mittlerweile ihre bevorzugten Lebensraumansprüche (Sedimenteigenschaften, Expositionsgrad, Überflutungsdauer, Salinität, Temperatur, Sauerstoffverhältnisse etc.), ihre unterschiedlichen Methoden der Nahrungsaufnahme (Substrat- oder Epistratfresser, Pipettierer, Filtrierer, Angler, Räuber etc.) oder auch ihre Reproduktionseigenschaften (Reproduktionszeitraum, benthische oder planktische Larvalphase etc.) bekannt. So kann die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften Auskunft über die natürlichen und auch anthropogen beeinflussten Verhältnisse an einem bestimmten Standort geben. Wegen dieser guten Indikatoreigenschaften werden MZB-Untersuchungen an der niedersächsischen Küste im Rahmen von zahlreichen nationalen und internationalen Messprogrammen wie dem „Bund/Länder-Messprogramm (BLMP)" oder dem „Trilateral Monitoring and Assessment Program" (TMAP) durchgeführt.

Seit Ende 2000 unterliegt die Gewässerüberwachung vorrangig der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die eine ökologische Bewertung der Küsten- und Übergangsgewässer u. a. auch auf Grundlage der MZB-Besiedlung vorsieht. Durch die aktuelle Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie wird die Überwachung zukünftig auch auf die angrenzenden Territorialgewässer ausgedehnt. Seit 2006 wurden im Zuge der Umsetzung der WRRL zwischen Ems, Weser und Elbe an rund 80 Stationen umfangreiche MZB-Untersuchungen durchgeführt. In den Rinnen und Prielen wurden Bodengreifer- oder Grundnetzproben und auf den trockenfallenden Wattflächen Stecherproben entnommen. Im Labor wurden die Proben auf die vorkommenden Arten mit ihren Besiedlungsdichten und Biomassen untersucht. Auf den Wattflächen finden sich z.B. durchschnittlich 13 MZB-Arten mit insgesamt rund 30.000 Individuen/m² und einem aschefreien Trockengewicht von 29 g/m² (entspricht etwa 0,5 kg Frischgewicht/m²). Die gewonnenen Daten werden zur Berechnung des ökologischen Zustands mithilfe speziell entwickelter Bewertungsverfahren verwendet. Parallel zur Überwachung bilden die Daten Grundlagen für Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Zustands.
Abb-23-Lanice-conchilega  
Foto: B. Obert
Abb-24-Jap-Felsenkrabbe
Abb. 24 Foto Japanische Felsenkrabbe
6-1-24-Foto-Pinselfelsenkrabbe
Abb. 24b Pinselfelsenkrabbe
Artikel-Informationen

25.09.2013

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln