Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Miesmuschelbänke

Die Miesmuschel bildet im Wattenmeer Bänke, die an geeigneten Standorten in Lage und Ausdehnung stabil sind. Mit ihren Kiemen filtriert die Miesmuschel Nahrung aus dem Wasser und beeinflusst die Bestände des Planktons, zudem werden dem Wasser Sinkstoffe entzogen. Abhängig von der Bestandsgröße kann der Wasserkörper des Wattenmeeres innerhalb weniger Wochen filtriert werden. Durch die Ablagerung von Partikeln spielen Muschelbänke eine wichtige Rolle als biosedimentäres und sedimentstabilisierendes System. Der Biomasseanteil der Miesmuschel an der Gesamtbodenfauna liegt gebietsabhängig bei 20 bis 70 Prozent. Einer Vielzahl anderer Organismen bieten Miesmuschelbänke geeigneten Lebensraum und stellen somit eine der artenreichsten Lebensgemeinschaften des Wattenmeeres dar. Zudem dienen sie als wichtige Nahrungsquelle für Krebse, Seesterne und verschiedene Seevogelarten.

Von Mitte der 1980er- bis Mitte der 1990er-Jahre gingen die trockenfallenden Miesmuschelbänke (Abbildungen 25 und 26) an der niedersächsischen Küste zurück (Abbildungen 27 und 28). Bedeckten die Bänke bei früheren Bestandsaufnahmen zirka 50 Quadratkilometer, so waren im Frühjahr 1996 nur Restbestände von zirka 1,7 Quadratkilometern vorhanden. Die Gesamtbiomasse (Lebendgewicht) des Miesmuschelbestandes verringerte sich allein von 1989/91 bis 1996 von zirka 47.000 auf zirka 1.000 Tonnen.

Nach einem Brutfall im Sommer 1996 stieg die Gesamtbiomasse bis 1999 auf zirka 110.000 Tonnen an. Anschließend setzte erneut ein kontinuierlicher Rückgang auf ein Gesamtlebendgewicht von ca. 9.000 t im Jahr 2005 ein. Der anschließende positive Trend hielt bis 2011 an (Biomasse ca 43.000 t), im Jahr 2012 konnte seit 2005 erstmals wieder ein leichter Rückgang auf ca. 39.000 t festgestellt werden. Dieser Rückgang ist vornehmlich auf den kalten Winter 2011/2012 mit Eisgang zurückzuführen.


Zu den wichtigsten potenziell bestandsreduzierenden Faktoren gehören Fraßdruck durch Vögel, Muschelfischerei (siehe Kapitel Fischerei), Schadstoffbelastung sowie Witterungseinflüsse. Welchen Anteil diese Faktoren jeweils am Rückgang des Miesmuschelbestandes haben, kann zurzeit nicht quantifiziert werden, während Parasitenbefall, Blüten der Schaumalge und Bedeckung der Bänke durch Makroalgen wie Meersalat und Darmtang als ursächlich ausgeschlossen werden. Kritisch zu sehen ist in jüngerer Zeit die Ausbreitung durch den Menschen eingebrachter Arten im Wattenmeer, die zum Teil in Miesmuschelbänken siedeln und mit der Miesmuschel in Raum- und Nahrungskonkurrenz stehen.

So hat sich die Pazifische Felsenauster innerhalb weniger Jahre im niedersächsischen Wattenmeer stark ausgebreitet (Abb. 29). Der Ursprung dieses Bestandes liegt vermutlich in Aquakulturbetrieben an der niederländischen Küste. In Wattgebieten kommt die Art überwiegend in trockenfallenden Miesmuschelbänken vor. Die nordamerikanische Pantoffelschnecke breitet sich in den letzten Jahren an der niedersächsischen Küste erneut aus. Diese Art gelangte bereits vor zirka 70 Jahren in deutsche Küstengebiete und bewirkte das Absterben von Miesmuschelbänken. Danach jedoch war die Pantoffelschnecke selbst einem erheblichen Rückgang unterworfen.

Zukünftig wird von Interesse sein, wie sich die Bestände von Felsenauster und Pantoffelschnecke entwickeln und welche Auswirkungen für die artenreiche Lebensgemeinschaft Miesmuschelbank und weitere Arten wie Eiderente und Austernfischer eintreten, die das Nahrungsangebot der Miesmuschelbänke nutzen.

Abb-25-Lage der Muschelbänke  
Abb-26-Muschelbank
Abb. 26 Muschelbank
Abb.27 Muschelfläche (in km²)  
Abb.28 Muschelbiomasse (Lebendgewicht in t)  
Abb.29 Pazifische Felsenauster  
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