Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Gezeiten, Strömung und Seegang

Die Küstengewässer Niedersachsens sind geprägt vom Rhythmus der Gezeiten. Eine Tide, bestehend aus Ebbe und Flut, dauert im Mittel 12 Stunden und 25 Minuten. Die von der Nordsee einschwingende Tidewelle läuft von West nach Ost die Küste entlang und in die Ästuare und Seegaten hinein. Die Tidewelle verformt sich dabei in Wechselwirkung mit dem Untergrund in ihrer zeitlichen Ausprägung und Höhe. Die durchlaufende Tidewelle erzeugt Tideströmungen, die in Küstennähe und im Wattenmeer in ihrer Geschwindigkeit, Richtung und Dauer abhängig von den Strukturen des Untergrundes kleinräumig variieren.

Durch die Einwirkung des Windes auf die Wasseroberfläche entsteht Seegang. Der in der offenen Nordsee entstehende energiereiche Seegang wird durch die abnehmenden Wassertiefen bei seiner Ausbreitung auf die Küste verändert und abgeschwächt. Dabei bieten die Inseln einen weit gehenden Schutz der dahinter liegenden Watten gegen starken Seegang: Die Watten dort sind schmaler als an den offenen Wattenküsten, wo erheblich breitere Wattsäume erforderlich sind, um den Seegang so weit zu dämpfen, dass sich Schlickwatten, Verlandungsbereiche und Salzwiesen ausbilden können (Niemeyer und Kaiser, 1999a, b).

Die Wasserstände an der südlichen Nordseeküste steigen relativ zur Landoberfläche seit Jahrtausenden an, im Wesentlichen bedingt durch Abschmelzen des Inlandeises seit der letzten Eiszeit und langsame Bewegungen der Erdkruste.

Der derzeitige Anstieg des mittleren Tidehochwassers (Mittelwert der Hochwasserstände der Tiden in einem Zeitraum) an der niedersächsischen Küste beträgt etwa 25 Zentimeter in 100 Jahren (Abb. 2). Eine Beschleunigung dieses Anstiegs, wie sie bedingt durch die Klimaänderungen (siehe Kapitel 1.1.1.2) zum Teil erwartet wird, lässt sich aus den vorliegenden Pegelbeobachtungen über die letzten 120 Jahre derzeit nicht ableiten. Ebenso wenig kann zurzeit anhand der erfassten Wasserstände an den Pegeln der Nordseeküste eine Zunahme der Sturmfluten (Abb. 3) durch Klimaänderungen belegt werden (Abb. 4).

Abb.2 Pegel Norderney (in mNN)  
Abb.3 Sturmflut  
Abb.3 Sturmflut
Abb.4 Sturmfluthäufigkeit am Pegel Norderney (Anzahl)  
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