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Landwirtschaft

Abb-1-Ackermarsch
Abb. 1 Ackermarschen

Eine Besonderheit der Küstenländer am Wattenmeer sind die fruchtbaren Ackermarschen (Abb. 1). In Niedersachsen sind sie in einem wenige Kilometer breiten Streifen entlang der Küste vom Dollart bis zur Elbemündung zu finden. Die jungen, dem Meer abgewonnenen, extrem tonhaltigen Böden sind außergewöhnlich nährstoffreich und durch ihren hohen, auflockernden Muschelkalkgehalt pflugfähig. Die Böden liefern von Natur aus viele Nährstoffe für die Pflanzen und können viel Wasser speichern. Weizen und Raps sind für die guten Boden- und Klimaverhältnisse an der Küste prädestiniert und liefern höchste Erträge. Viele Marktfruchtbetriebe verbinden ihre Produktion mit der Veredlungswirtschaft. Diese besteht schwerpunktmäßig in der Schweinemast.

Die älteren, weiter vom Deich gelegenen Marschen sind extrem schwer und liegen oft tiefer; in diesen Bereichen dominiert die Grünlandnutzung. Die Betriebe haben sich auf die Milchvieh- und Rinderhaltung spezialisiert. Insgesamt betrachtet hat die landwirtschaftliche Produktion in den Küstenbereichen in einer ansonsten strukturschwachen Region eine hohe wirtschaftliche Bedeutung, nicht zuletzt auch für den vor- und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft.

Die Acker- und Grünlandflächen an der Küste sind im Winter wichtige Nahrungsflächen für nordische Gastvögel. Vom Herbst bis zum Frühjahr rasten und ernähren sich hier Hunderttausende von nordischen Gänsen (Abb. 2) - was zu Schäden für die Landwirtschaft führen kann. In den gemeldeten EU Vogelschutzgebieten wird versucht, diesen Nutzungskonflikt zwischen Naturschutz und Landwirtschaft durch die Bereitstellung von störungsarmen Ruhe- und Duldungszonen auf Grünland- und Ackerflächen zu entschärfen. Das Entgelt für die ökologischen Leistungen wird aus dem PROFIL Kooperationsprogramm Naturschutz "nordische Gastvögel" gewährt. Das Programm wird in den Schwerpunkträumen der Gastvogelvorkommen (u. a. Elbtalaue, Unterelbe und Ostfriesland) angeboten und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Die Förderbedingungen regeln, welche Feldfrüchte angebaut und wann Dünge- und Pflanzenschutzmittel angewandt werden, um den Tieren während der Zugzeit störungsarme Rast- und Nahrungsflächen zu bieten. Trotz des Auslaufens der Altverpflichtungen stieg die Vertragsfläche im Jahr 2010 auf rund 17.000 ha und überschritt damit das Ziel von 11.000 ha bei Weitem.

Abb-2-Gänse
Abb. 2 Gänse

Unter dem Einfluss der agrarpolitischen Entwicklung versuchen zahlreiche Betriebe, sich neue Einkommensalternativen zu erschließen. Bedingt durch die wachsenden Besucherzahlen im Küstenraum (siehe Kapitel 6.2.3) bieten zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe touristische Angebote wie Urlaub auf dem Bauernhof an, die oftmals um die Direktvermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse ergänzt werden. Die Region hinter den Deichen ist des Weiteren prädestiniert für die Windenergieerzeugung (siehe auch Kapitel 5.1.2.5 und 6.2.6), die bereits von vielen landwirtschaftlichen Betrieben als Einkommensalternative genutzt wird. Als weiterer Wachstumsmarkt im Bereich der regenerativen Energie und Einkommensalternative für die Landwirtschaft stellt sich die Biogasproduktion heraus.

Artikel-Informationen

12.06.2012

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