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Boden in Planungen

Böden erfüllen zahlreiche unterschiedliche Funktionen. Auf der einen Seite sind Böden Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, und sie sind Regulatoren im Wasser- und Stoffhaushalt der Landökosysteme. Des Weiteren dokumentieren und archivieren Böden Zeugnisse der Natur- und Kulturgeschichte. Auf der anderen Seite dienen sie als Anbaufläche für Nahrungsmittel, Futtermittel sowie pflanzliche Rohstoffe, und sie sind Erholungsraum. Böden fungieren aber auch als Standort für Verkehrswege, Leitungstrassen, Industrieanlagen und Gebäude.

Im Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) sind all diese Funktionen geschützt. Nach §1 BBodSchG ist es Ziel des Gesetzes „nachhaltig die Funktionen des Bodens zu sichern oder wiederherzustellen." Für den vorsorgenden Bodenschutz sind insbesondere die natürlichen Funktionen und die Archivfunktion des Bodens relevant, die im Unterschied zu den ebenfalls im BBodSchG geschützten Nutzungsfunktionen der Böden (v.a. Boden als Rohstofflagerstätte, Boden als Fläche für Siedlung und Erholung) besondere Werte im Naturhaushalt darstellen. Dem wird in §1 BBodSchG Rechnung getragen: „Bei Einwirkungen auf den Boden sollen Beeinträchtigungen seiner natürlichen Funktionen sowie seiner Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte so weit wie möglich vermieden werden".

Infolge der Mehrfachfunktionalität von Böden und der begrenzten Ressourcenverfügbarkeit nimmt der Wettstreit zwischen den verschiedenen Formen der Boden- und Flächennutzung zu. Der räumlichen Planung kommt in diesem Zusammenhang eine wesentliche Bedeutung zu, da sie die Festlegungen für zukünftige Flächennutzungen trifft. Hier kann die Weichenstellung für eine nachhaltige Nutzung von Böden erfolgen.

In Planungs- und Zulassungsverfahren (z.B. für Ausbau der Versorgungsnetze, Straßenbau, Bauleitplanung) entscheidet sich in besonderem Maße, ob und in welchem Ausmaß Böden und Bodenfunktionen beeinträchtigt werden. Das Vermeidungs- und Verminderungsgebot spielt für den Boden dabei eine besondere Rolle, da Boden i.d.R. nicht vermehrbar ist und Bodenbeeinträchtigungen häufig irreversibel oder nur unter hohem Aufwand zu beheben sind. Dafür muss das Schutzgut Boden im Rahmen von Planungs- und Zulassungsverfahren auf allen Planungsebenen zum frühestmöglichen Zeitpunkt beachtet und auch bei der Bauausführung berücksichtigt werden. Z.B. können durch eine Optimierung der Planung, Festsetzungen im Bebauungsplan (gemäß § 9 BauGB) oder im Planfeststellungsbeschluss sowie durch eine Bodenkundliche Baubegleitung vermeidbare Bodenbeeinträchtigungen unterbunden werden.

Durch einen sparsamen und schonenden Umgang mit dem Boden werden zudem Umfang und Kosten für Maßnahmen zur Wiederherstellung von Bodenfunktionen reduziert. Auch Entschädigungskosten für dauerhaft eingeschränkte Bodenfunktionen, die etwa zu Ertragsminderungen in der Landwirtschaft führen können, werden gesenkt.

Zur Minimierung von Beeinträchtigungen der Bodenfunktionen trägt auch die Wahl von Standorten, an denen ein Vorhaben die Böden möglichst wenig beeinträchtigt, bei. Ziel sollte die Lenkung von Flächeninanspruchnahmen weg von Flächen mit hoher Bodenfunktionserfüllung oder besonderer Empfindlichkeit sein.
Voraussetzung dafür sind Kenntnisse über die Verbreitung, Eigenschaften und Funktionen der Böden. Bei einer Bodenfunktionsbewertung werden die im BBodSchG aufgeführten natürlichen Bodenfunktionen und die Archivfunktion erfasst, beschrieben und bewertet. Auf dieser Grundlage lassen sich Böden mit hoher Funktionserfüllung und damit besonderer Schutzwürdigkeit identifizieren und können so in Planungs- und Zulassungsverfahren fachgerecht berücksichtigt werden.


Artikel-Informationen

17.10.2017

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