Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Flächenverbrauch und Versiegelung

Festen Boden unter den Füßen zu haben ist für uns selbstverständlich. Erst wenn uns im übertragenen Sinne der Boden unter den Füßen weggezogen wird, bemerken wir, dass uns etwas Grundlegendes fehlt. Im realen Leben verlieren wir durch die Umnutzung von Freiflächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke Tag für Tag ein Stück lebendigen Boden. Diese Umnutzung wird auch als Flächenverbrauch gezeichnet. Genau genommen lässt sich Fläche selbstverständlich nicht verbrauchen, aber die Fläche, die uns auf der Erde zur Verfügung steht, ist begrenzt.

In Niedersachsen liegt der Flächenverbrauch noch immer auf hohem Niveau. So wurden 2015 täglich mehr als neun Hektar Land für Siedlungen und Verkehrswege neu verbaut (vgl. Abbildung x1). Das entspricht einem Freiflächenverlust von mehr als dreizehn Fußballfeldern pro Tag oder in anderen Einheiten ausgedrückt einem Verlust von einem Quadratmeter pro Sekunde. Dabei führt insbesondere der steigende Lebensstandard zu einer steten Ausweitung von Siedlungs- und Verkehrsflächen. Zum größten Teil werden hierbei landwirtschaftlich genutzte fruchtbare oder besonders schützenswerte Böden, die einen hohen Bodenfunktionserfüllungsgrad aufweisen, umgewidmet. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken wurde in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2016 das Ziel festlegt die Geschwindigkeit des Flächenverbrauchs bis 2030 auf weniger als 30 ha pro Tag zu reduzieren. Für Niedersachsen würde sich hieraus eine Zielgröße von 4 ha pro Tag ergeben. Im derzeitigen Koalitionsvertrag der Landesregierung wird als konkretes Minimierungsziel des Flächenverbrauchs in Niedersachsen 3 ha/Tag bis zum Jahr 2020 benannt.


Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsflächen

Insgesamt lag 2015 der Anteil von Siedlungs- und Verkehrsflächen bereits bei vierzehn Prozent der Landesfläche. Die durch Siedlungen und Verkehr in Anspruch genommene Fläche ist hierbei im Durchschnitt zu 46 % versiegelt. Diese Einschätzung ergibt sich aus dem bundesweit verwendeten Verfahren der Umweltökonomischen Gesamtrechnung der Länder. Verkehrsflächen sowie Gebäude- und Freiflächen weisen hierbei in der Regel wesentlich höhere Versiegelungsanteile auf als Betriebs- oder Erholungsflächen. Die höchsten Versiegelungsgrade sind hierbei in den Ballungsgebieten zu finden (Abb. 10). Bodenversiegelungen haben gravierende Auswirkungen auf Böden und seine natürliche Bodenfunktionen. Ein Gas- und Wasseraustausch mit der Atmosphäre wird unterbunden. Zudem gehen die Filterung- und Pufferleistung gegenüber Stoffeinträgen verloren.



Die konsequente Entsiegelung von Böden dort, wo es nutzungsbedingt sinnvoll ist, die Nutzung innerstädtischer Baulücken sowie die Reaktivierung ehemaliger Gewerbe- und Industriestandorte sind aus Bodenschutzsicht geeignete Maßnahmen, Neuausweisungen auf der „grünen Wiese" und die damit einhergehende Flächeninanspruchnahme durch neue Siedlungs- und Verkehrsflächen zu reduzieren. Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie hier:



Artikel-Informationen

17.10.2017

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