Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Flächenverbrauch und Versiegelung

Festen Boden unter den Füßen zu haben, ist für uns selbstverständlich, spätestens seitdem wir laufen gelernt haben. Erst wenn uns im übertragenen Sinne der Boden unter den Füßen weggezogen wird, bemerken wir, dass uns etwas Grundlegendes fehlt. Im realen Leben verlieren wir Tag für Tag ein Stück an lebendigem Boden, ohne es eigentlich zu merken: Täglich werden in Niedersachsen mehr als neun Hektar Land für Bauflächen, Parkplätze und Straßen neu verbaut. Das entspricht einem Quadratmeter Bodenverlust In jeder Sekunde.

Fläche lässt sich im engeren Wortsinn nicht verbrauchen, aber die Fläche, die uns auf der Erde zur Verfügung steht, ist begrenzt. Der steigende Lebensstandard verschärft die Situation. Er führt zu einer steten Ausweitung von Siedlungs- und Verkehrsflächen, die in Niedersachsen bereits mehr als 13 Prozent der Landesfläche einnehmen - Tendenz steigend.

Der Boden muss gar nicht vollständig abgebaggert oder ausgehoben werden, um Schaden zu nehmen. Seine wesentlichen Funktionen, sein Austausch mit der Atmosphäre, die Durchfeuchtung, das Bodenleben, all dies leidet, wenn eine Fläche ihren humosen Oberboden verliert und versiegelt wird.


Flächenverbrauch - das sagt die Politik

Täglich werden in Deutschland rund 74 Hektar Siedlungs- und Verkehrsfläche neu ausgewiesen, das entspricht einer Fläche von rund 106 Fußballfeldern. Bis zum Jahr 2020 will die Bundesregierung den Flächenverbrauch auf maximal 30 Hektar pro Tag verringern. Dieses Ziel hat sie in ihrer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie bereits 2002 festgelegt.

In Niedersachsen sind bereits 5,5 Prozent der Landesfläche versiegelt, wobei die höchsten Versiegelungsgrade in den Ballungsgebieten liegen (Abb. 10). Versiegelung hat gravierende Auswirkungen auf die Böden: Natürliche Bodenfunktionen gehen verloren, ein Gas- und Wasseraustausch mit der Atmosphäre findet nicht mehr statt und die Böden scheiden für die Filterung und Pufferung des Sickerwassers aus.

Umweltbericht 2015  

Die zunehmende Versiegelung von Böden ist eng an die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche in Niedersachsen gekoppelt (Abb. 11). Deren Anteil an der Landesfläche beträgt bereits mehr als 13,8 Prozent bei steigender Tendenz. Die neuen Überbauungen gehen dabei zum größten Teil auf Kosten landwirtschaftlich genutzter Böden. Nicht selten sind von diesem Flächenverbrauch wertvolle Böden betroffen, die besonders fruchtbar oder auch aus anderen Gründen besonders schutzwürdig sind. Im Koalitionsvertrag der Landesregierung wird als konkretes Minimierungsziel des Flächenverbrauchs in Niedersachsen 3 ha/d bis zum Jahr 2020 benannt.


Umweltbericht 2015  

Die konsequente Entsiegelung von Böden dort, wo es nutzungsbedingt sinnvoll ist, die Nutzung von innerstädtischen Baulücken sowie die Reaktivierung ehemaliger Gewerbe- und Industriestandorte sind aus Bodenschutzsicht geeignete Maßnahmen, Neuausweisungen auf der „grünen Wiese" und die damit zusammenhängende Versiegelung zu vermindern und den Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrsflächen zu reduzieren. Empfehlungen zu den Handlungsfeldern Flächeninformationen, Förderinstrumente, planerische bzw. kooperative Instrumente, Kommunikation, Flächenrecycling sowie ökonomische Instrumente sind auch in dem Abschlussbericht des Arbeitskreises Flächenverbrauch und Bodenschutz der 6. Regierungskommission zu finden. Darüber hinaus werden Informationen zu Argumenten, Fakten, Instrumenten und gelungenen Beispielen werden im Rahmen des Internetauftritts „Zukunft Fläche" des Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz vorgestellt: www.zukunftflaeche.niedersachsen.de.


Artikel-Informationen

16.02.2016

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