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Gewässer und Auen

Bach- und Flussläufe mit ihren Auenlandschaften, Seen, traditionell genutzte Teiche und Kleingewässer gehören zu den „Hot Spots" der Artenvielfalt. Sie umfassen eine Vielzahl schutzbedürftiger Biotoptypen und sind Lebensraum vieler gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Die von den Gezeitenströmen geprägten Unterläufe und Mündungsbereiche von Elbe, Weser und Ems sind hochdynamische und produktive Naturräume zwischen Fluss und Meer; das Zusammenspiel von Meeres- und Süßwassereinfluss sowie das Tidegeschehen verleihen diesen sogenannten Ästuaren eine besondere Eigenart. Sie unterliegen allerdings sehr starken Belastungen, weil die Ästuare mit ihren Häfen und Industriestandorten eine wichtige Rolle im globalen Wirtschaftsgefüge spielen.

Gewässerausbau mit Laufverlegung und Begradigung, Deichbau, Wasserableitung, Aufstau, Flächenentwässerung, Entwaldung, Schifffahrt und Fischerei: Die intensiven Nutzungsansprüche des Menschen haben über Jahrhunderte zu flächigen und tiefgreifenden Veränderungen der einst vielfältigen Gewässerlandschaften Niedersachsens geführt. Mit erheblichen Folgen für viele Bäche, Flüsse und Stillgewässer: Strukturarmut, Verbauungen, Nährstoffbelastung, gestörter Wasser- und Sedimenthaushalt sowie Entkopplung von Fluss und Aue. Auch die intensive Freizeit- und Erholungsnutzung hat dazu beigetragen, dass es von der Quelle bis zur Mündung vollständig natürliche Fließgewässersysteme und intakte große Seen nicht mehr gibt in Niedersachsen; und sie sind unter den heutigen Rahmenbedingungen einer dicht besiedelten Kulturlandschaft auch nicht wieder herzustellen.

Der Handlungsrahmen ist gesteckt: Allein die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) gibt vor, dass für alle Oberflächengewässer ein „guter ökologischen Zustand" erreicht werden muss. Folgende grundlegende Ziele sind nach europäischen, bundesweiten und landesweiten Vorgaben des Naturschutzes und der Wasserwirtschaft für die Entwicklung von Fließgewässern und ihren Auen sowie für Stillgewässer und die Ästuare gesetzt:

  • Ökologische Funktionsfähigkeit sichern
  • Vielfalt, Eigenart und Schönheit wiederherstellen
  • Natura-2000-Ziele erreichen
  • Vorgaben der WRRL umsetzen
  • Gewässerlandschaften Raum geben und Auenentwicklung stärken
  • Biotopverbund etablieren
  • Bestände hochgradig gefährdeter Arten sichern
  • Naturverträgliche Erholungsnutzung fördern
  • Naturnahe Stillgewässer erhalten und entwickeln
  • Gewässer der historischen Kulturlandschaft erhalten

Bei den Fließgewässern hat Niedersachsen bereits früh den immensen Handlungsbedarf erkannt und fördert seit Jahren Maßnahmen der naturnahen Gewässergestaltung. Durch die Wasserrahmenrichtlinie mit ihren ökologischen Anforderungen und verbindlichen Zielvorgaben erhielten diese Bemühungen einen entscheidenden Impuls. So hat sich der Erhaltungszustand vieler niedersächsischer Gewässer durch gezielte Maßnahmen zur Strukturverbesserung und Wasserreinhaltung überwiegend positiv entwickelt. Zahlreiche arterhaltende Maßnahmen laufen auch an den Stillgewässern, unter anderem initiiert von dem seit nunmehr zehn Jahren bestehenden Kleingewässerprogramm (Programm zur Förderung von Arten der Zwergbinsen- und Strandlingsgesellschaften) sowie im laufenden Life-Projekt „Amphikult" (Management und Vernetzung von Amphibien in der Kulturlandschaft Niedersachsens). Für die in weiten Teilen als FFH-Gebiete beziehungsweise EU-Vogelschutzgebiete gemeldeten großräumigen Ästuare streben die in integrierten Bewirtschaftungsplänen dargelegten Handlungsempfehlungen einen Interessenausgleich zwischen fachlichen Anforderungen und vielfältigen Nutzungsinteressen an.


Artikel-Informationen

16.02.2016

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