Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Wälder

Wälder sind komplexe Ökosysteme mit einem großen Reichtum an Arten sowie höchster Bedeutung für das Klima. Intakte Wälder können - wie intakte Moore - große Mengen an Kohlendioxid speichern. Neben der Funktion eines nachhaltigen Rohstofflieferanten und der des Kohlenstoffspeichers erfüllen Wälder noch viele weitere Funktionen des Natur-, Boden- und Trinkwasserschutzes. Ursprünglich war Niedersachsen zu mehr als 80 Prozent bewaldet. Durch Eindeichung der Marschen und Entwässerung der Moore läge der Anteil potenziell bewaldeter Flächen heute vermutlich sogar über 90 Prozent. Seit der Jungsteinzeit wurden jedoch immer größere Teile der Wälder gerodet.

Der Höhepunkt der anthropogenen Entwaldung war Anfang des 19. Jahrhunderts erreicht. Seitdem steigt der Waldanteil durch Aufforstung, bisher überwiegend mit Kiefer und Fichte, und (in geringem Umfang) durch natürliche Sukzession wieder stetig. Laut den Ergebnissen der Bundeswaldinventur 3 (Stichtag: 01.10.2012) beträgt der Waldanteil in Niedersachsen 25 Prozent - das ist im bundesweiten Vergleich sehr wenig Wald. Deutschland ist heute zu knapp einem Drittel von Wäldern bedeckt. In Niedersachsen sind die Wälder sehr ungleichmäßig verteilt in den verschiedenen Naturräumen und unterschiedlichen Standorten: Es gibt hohe Waldanteile im ostniedersächsischen Tiefland (41 Prozent) und im niedersächsischen Bergland (33 Prozent), sehr geringe Anteile dagegen im westniedersächsischen Tiefland (15 Prozent, in manchen Gemeinden sogar unter 5 Prozent). Von den ursprünglichen Urwäldern ist nichts erhalten geblieben. Alle heutigen Wälder sind durch frühere Nutzungen geprägt.

Knapp 60 Prozent des niedersächsischen Waldes sind Privateigentum, der Rest verteilt sich auf Land, Bund und Kommunen. Größter Waldeigentümer ist mit rund 335.000 Hektar Fläche (28 Prozent) das Land. Dennoch ist der Anteil öffentlichen Waldes im bundesweiten Vergleich gering. Der Nadelholzanteil im niedersächsischen Wald beträgt insgesamt 53 Prozent. Führende Baumart in Niedersachsen ist die Kiefer (29 Prozent), gefolgt von Fichte (17 Prozent), Laubbäumen mit niedriger Produktionszeit, vor allem Birke, Erle und Pappel (16 Prozent), und Buche (14 Prozent) sowie Eiche (13 Prozent). Aktuell wächst die Laubwaldfläche zu Lasten des Nadelholzes, vor allem der Fichte. Entsprechend ist der Anteil kulturbestimmter, also naturferner Wälder rückläufig. Naturnahe Wälder sind inzwischen schon auf 30 Prozent der Fläche vertreten.

Die leichte Zunahme des Waldbestands hält bis heute an. So wurden in den zehn Jahren von 2002 bis 20012 zwar insgesamt rund 10.300 Hektar Wald in eine andere Nutzungsformen (Umwandlung überwiegend für Verkehrsflächen, Bodenabbau) überführt, diesem Rückgang standen jedoch Zuwächse von 22.100 Hektar gegenüber (je etwa zur Hälfte aus Sukzession und Aufforstung), sodass in diesem Zeitraum die Waldfläche netto um 1 Prozent wuchs. Dennoch kann der Verlust historisch alter Wälder qualitativ nur sehr eingeschränkt kompensiert werden. Die Vitalität vieler Baumarten und Wälder ist beeinträchtigt. Das hat verschiedene Ursachen, darunter die vielfach massiven Standortveränderungen zum Beispiel durch Grundwasserabsenkungen, durch zu hohe, die kritischen Werte überschreitende schädliche Stoffeinträge, hohe Schalenwildbestände, die insbesondere die natürliche Verjüngung der Wälder beeinträchtigen und Bäume, oft ganze Bestände, durch Abschälen der Rinde schädigen; diverse heimische, eingeschleppte oder eingewanderte Krankheiten (z. B. das Ulmensterben, Eschentriebsterben) sowie Insekten- und Pilzbefall. Vor allem komplexe Erkrankungen und Massenvermehrungen forstschädlicher Insekten werden, oft unterstützt von starken Witterungsschwankungen in der Vegetationszeit, in Ihrer Ausbreitung durch die bereits deutlich messbare Klimaerwärmung sehr gefördert. Viele Baumarten geraten durch den damit verbundenen Wassermangel erheblich unter Druck.

Der Wald bietet zahlreichen Tierarten einen Lebensraum. Rund ein Drittel der heimischen Brutvogelarten lebt überwiegend oder ausschließlich in den niedersächsischen Wäldern. Bei vielen dieser Arten konzentrieren sich hohe Anteile ihrer europäischen oder sogar weltweiten Population auf Deutschland. Dabei handelt es sich unter anderem um die auch in Niedersachsen vorkommenden Arten Schwarzstorch, Rotmilan und Grauspecht. Allein daraus leitet sich eine besondere Verantwortung zum Schutz der Wälder und damit zum Schutz dieser Arten ab. Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit - des Prinzips also, das ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammt und dem sie sich vollständig verschrieben hat - muss die Waldbewirtschaftung neben der Holzproduktion die Erfüllung aller Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen gewährleisten.

Um erhebliche Beeinträchtigungen von Waldökosystemen auszuschließen, müssen Stickstoffeinträge und andere Immissionen reduziert werden. Eine ganze Reihe von unterschiedlichen Maßnahmen hat die Vermehrung der Waldfläche vorrangig in den waldarmen Regionen, den Erhalt der naturraumtypischen Waldlebensräume sowie die Förderung einer ökologischen Waldentwicklung zum Ziel. Geplant ist unter anderem die Ausweisung der Waldflächen in Natura 2000-Gebieten, also Gebieten mit besonderer Bedeutung für Flora, Fauna und Habitat (FFH) und EU-Vogelschutzgebieten, als Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiete (je nach Gebietscharakter).
Ziel ist die dauerhafte Etablierung eines Erschwernisausgleichs für Naturschutzauflagen in bestimmten geschützten Wäldern, die Optimierung des Wasserhaushalts von Moor-, Bruch- und Auwäldern sowie sonstigen Wäldern feuchter Standorte sowie die Intensivierung von Pflegemaßnahmen zum Erhalt der raren Eichenwälder.


Wälder für Niedersachsen

Hier finden Sie die Waldzustandserhebung 2015, den Zahlenspiegel Wald und die Ergebnisse der Bundeswaldinventur.

Artikel-Informationen

17.02.2016

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