Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Risiken für Mensch und Umwelt bei Hochwasser begegnen: Hochwasserrisikomanagement im Binnenland und an der Küste

Die 2007 von der Europäischen Union verabschiedete EG-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (HWRM-RL) gibt den Mitgliedsstaaten auf, bis Ende 2015 für Risikogewässer im Küsten- und Binnenbereich Hochwasserrisikomanagementpläne (HWRM-Pläne) aufzustellen. Sie sind ein wichtiger Baustein der Hochwasservorsorge, um den Gefahren und Risiken von Hochwasser auch künftig gut vorbereitet begegnen zu können. Kernstück der Pläne sind Maßnahmen zur Verringerung nachteiliger hochwasserbedingter Folgen für Mensch, Umwelt, das Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten.

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)­­­ hat bis Ende 2011 bestimmte Abschnitte von 29 Flüssen identifiziert, für die ein erhöhtes Hochwasserrisiko besteht. Für diese Risikogebiete wurden bis Ende 2013 Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten erstellt. Diese Karten sind über den Kartenserver des Umweltministeriums für die Öffentlichkeit zugänglich und können sowohl über die interaktive Karte des Umweltkartenservers als auch über eine Linkliste aufgerufen werden (www.hwrm-rl.niedersachsen.de). Auf Grundlage dieser Gefahren- und Risikokarten sind bis Ende 2015 die HWRM-Pläne zu erstellen, in denen angemessene Ziele für das Hochwasserrisikomanagement festzulegen sind.



Umweltbericht 2015  

Da Hochwasser und Sturmfluten nicht vor Verwaltungsgrenzen Halt machen, liegt der HWRM-RL ein flussgebietsweiter Betrachtungsansatz zugrunde. Die HWRM-Pläne werden daher von den Flussgebietsgemeinschaften (FGG´en) veröffentlicht und für die Flussgebietseinheiten Elbe, Weser, Ems und Rhein erstellt.

Neben nationalen HWRM-Plänen gibt es auch internationale HWRM-Pläne; so z.B. für das gesamte Elbeeinzugsgebiet. Dieser übergeordnete Plan der EU-Mitgliedsstaaten Tschechische Republik, Polen, Österreich und Deutschland wird durch die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE) koordiniert.

Nur wer mögliche Gefahren kennt, kann rechtzeitig handeln und sich schützen. Diese einfache Maxime ist die Grundlage für das Hochwasserrisikomanagement, wie es in Niedersachsen vom NLWKN mit den Verantwortlichen vor Ort umgesetzt wird. Neben dem Schutz durch technische Hochwasserschutzeinrichtungen ist es ein vorrangiges Ziel, Hochwasserbewusstsein bei den Kommunen und den Bürgerinnen und Bürgern zu schaffen, damit sie eigenverantwortlich vorsorgen, um Schäden zu begrenzen.

Der örtliche und regionale Hochwasserschutz bzw. die Gefahrenabwehr ist Aufgabe der Kommunen und Verbände. Daher hat der NLWKN die örtlichen Akteure aufgefordert, sich an dem Aufstellungsprozess der Hochwasserrisikomanagementpläne aktiv zu beteiligen und jeweils Maßnahmen ihres eigenen sachlichen und räumlichen Zuständigkeitsbereichs, die sie aus eigenen finanziellen Mitteln beginnen oder umsetzen möchten, an den NLWKN zu melden. Davon wurde reger Gebrauch gemacht, insgesamt wurden niedersachsenweit mehr als 1.150 Maßnahmen benannt.

Dabei geht es immer auch darum, nicht ausreichend vor Hochwasser geschützte Siedlungs- und Wirtschaftsräume in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Im Mittelpunkt stehen organisatorische Maßnahmen, mit denen negative Hochwasserfolgen für Mensch, Umwelt und Sachgüter verringert werden sollen. Das sind zum Beispiel die Verbesserung der Hochwasservorhersage und die Optimierung des Katastrophenschutzes. Viele Akteure planen den Bau oder die Sanierung von Hochwasserschutzanlagen. Mit weiteren Maßnahmen, wie der Freihaltung von gefährdeten Bereichen durch eine hochwasserangepasste städtebauliche Planung und der Ausweisung von Überschwemmungsgebieten, sollen künftig weitere Schäden vermindert werden.

Mehr Raum für die Flüsse und das Freihalten der Überschwemmungsgebiete ist eine wesentliche Vorsorge. Daher werden die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und Naturschutz in Maßnahmen und Projekten verknüpft; wie z.B. beim Aktionsprogramm Niedersächsische Gewässerlandschaften, mit dem neue Wege gegangen werden sollen, die auch zur Minderung von Hochwasserrisiken beitragen. Denn die Ziele des Hochwasserrisikomanagements sind gerade in den Gewässerauen eng verzahnt mit den Zielen des Naturschutzes und der WRRL.

Durch die Beteiligung der Öffentlichkeit an der Erstellung des HWRM-Plans wie z. B. durch Broschüren, Informationsveranstaltungen oder Anhörungsverfahren soll bei Bürgerinnen und Bürgern, öffentlichen Institutionen und Organisationen das Bewusstsein für Hochwasserrisiken und mögliche Maßnahmen in der Vorsorge, der Bewältigung und der Nachbereitung erhöht werden. So wurden die Entwürfe der Hochwasserrisikomanagementpläne und die Entwürfe der zugehörigen Umweltberichte bis zum 22.06.2015 zur Anhörung öffentlich ausgelegt. Die Öffentlichkeit hatte somit die Möglichkeit, zu den Unterlagen Stellung zu nehmen und sich auf diesem Wege einzubringen.


Artikel-Informationen

16.02.2016

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