Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Masterplan Ems

Die ökologische Qualität der Ems muss dringend verbessert werden. Bei einer Betrachtung des aktuellen ökologischen Zustands müssen die Ursachen und hierbei insbesondere die anthropogene Beeinflussung der Ems in den letzten Jahrzehnten berücksichtigt werden. Der Ausbau der Unterems hat wegen der damit verbundenen Erhöhung der Querschnitte in den letzten Jahrzehnten zu einem verstärkten Einschwingen der Tidewelle in die Unterems und damit zu einem Anstieg des Tidehubs geführt. Mit den Ausbauten im Bereich der Unterems war neben der Erhöhung des Tidehubs auch eine zunehmende Entwicklung der Asymmetrie von Ebbe und Flut verbunden. Damit wird die Dauer der Flut verkürzt und die Ebbdauer verlängert. Hierdurch werden Flutstromgeschwindigkeiten gegenüber den Ebbstromgeschwindigkeiten erhöht. Die Asymmetrie führt also insbesondere in Verbindung mit geringen Oberwasserabflüssen zu flussaufwärts gerichteten Transportvorgängen von Schwebstoffen. Im Bereich der Unterems kommt es daher zu sehr hohen Schwebstoffkonzentrationen. Zur Verbesserung der ökologischen Situation ist es deswegen zunächst notwendig, dort den Schwebstoffgehalt (Trübung) zu reduzieren.

Mit diesen Fragestellungen zur Ems hat sich innerhalb der Landesregierung die Lenkungsgruppe Ems befasst. In der Lenkungsgruppe unter Vorsitz der Staatskanzlei waren die zuständigen Ressorts Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, die Landkreise Emsland und Leer, die Meyer-Werft, die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nordwest und die Umweltverbände BUND, NABU und WWF vertreten. Zur Verbesserung des ökologischen Zustandes der Ems bei gleichzeitiger Erhaltung der Schiffbarkeit auch unter Einbeziehung von Schiffsüberführungen der Meyerwerft wurde eine Vielzahl von Lösungsvorschlägen eingebracht. Die Lenkungsgruppe hat die Beauftragung von hydromorphologischen Gutachten zur Untersuchung von den Lösungsvorschlägen veranlasst, die nach Kenntnis der Beteiligten den größten Erfolg versprachen und deren Umsetzbarkeit nicht von vornherein ausgeschlossen werden konnte. Dabei wurden Strömungsverhalten, Sedimenttransport und Sedimentationsvolumen für die unterschiedlichen Lösungsvorschläge ermittelt. Aus den Untersuchungen haben sich drei Lösungsvorschläge ergeben, die grundsätzlich geeignet sind, den Schwebstofftransport in die Ems und damit auch Sedimentation und Trübung zu vermindern: Tidespeicherbecken entlang der Ems, Tidesteuerung durch das Emssperrwerk und eine Sohlschwelle im Bereich des Emssperrwerks.

Konkreter Auslöser für die Erstellung des Masterplan Ems war ein EU-Pilotverfahren (früher Beschwerdeverfahren) zu den Sommerstauen der Ems in den Jahren 2009 und 2011. Zwischenzeitlich hatte die EU-Kommission ihren Fokus aber erweitert und den ungünstigen Erhaltungszustand der EU-Vogelschutzgebiete sowie der FFH-Gebiete an der Ems insgesamt bemängelt. Sie drohte mit einem Vertragsverletzungsverfahren und wünschte kurzfristig um Mitteilung konkreter Maßnahmen zur Verbesserung des Erhaltungszustandes der Natura 2000-Gebiete an der Ems. Deshalb war ein Plan unter Einbeziehung aller wesentlicher Sta-keholder und ihrer Interessen an der Ems notwendig.

Ziel des Masterplans ist es, die Emsregion als Natur-, Wirtschafts- und Lebensraum nachhaltig zu entwickeln. Aufgaben sind:
  • Für Flussmündungen (Ästuare) typische Lebensräume schaffen,
  • den aquatischen Bereich sanieren,
  • geeignete und erforderliche Maßnahmen ergreifen, um den ökologischen Zustand der Ems zu verbessern und dabei
  • Erhaltung der Ems als leistungsfähige Bundeswasserstraße.

Eine wesentliche Voraussetzung zur Lösung dieser Aufgaben ist die Untersuchung der o. g. wasserbaulichen Varianten auf konkrete Umsetzbarkeit in Form von Machbarkeitsstudien.

Im Masterplan Ems werden konkrete Maßnahmen genannt. Hiermit soll kurzfristig eine Trendumkehr und mittel- und langfristig ein gesundes und dynamisches Ökosystem Ems erreicht werden. So sollen durch Maßnahmen der flussaufwärtige Sedimenttransport eingedämmt und die Gewässerqualität verbessert werden. Für die notwendige Schaffung ästuartypischer und naturnaher Lebensräume wird das Land bis Ende 2050 insgesamt 730 ha zur Verfügung stellen. Neben den grundsätzlichen Maßnahmen sind im Anhang des Masterplans eine Reihe von Maßnahmen gegliedert in neun Maßnahmetypen benannt, mit denen die o. g. Ziele für die Ems erreicht werden sollen. Diese Maßnahmen müssen einzeln auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Ist eine Maßnahme nicht umsetzbar, wird sie durch eine Maßnahme gleichen Maßnahmetyps ersetzt, um den vereinbarten Umfang an Maßnahmen eines Maßnahmetyps sowie die Zielerreichung für den betroffenen Zeitraum zu gewährleisten.

Über ein Flächenmanagement soll die Beschaffung der für die o. g. Maßnahmen notwendigen Flächen von insgesamt 730 ha durch das Land Niedersachen bis 2050 sichergestellt werden.

Mit dem Masterplan Ems 2050 ist es gelungen, einen seit mehr als zehn Jahren schwelenden Konflikt zu befrieden. Der Plan bringt einen Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie, er zeigt für die kommenden 35 Jahre Wege zur Verbesserung der Wasserqualität der Ems auf und sichert tausende Arbeitsplätze und wirtschaftliche Perspektiven in der Region. Bei einer Laufzeit von insgesamt 35 Jahren ist nachvoll­ziehbar, dass die geeigneten und erforderlichen Maßnahmen erst nach und nach präzisiert werden. Monitoring und Evaluation sind daher wichtige Bausteine des Vertrages.

Das Land Niedersachsen hat mit diesem Vertragswerk der Europäischen Kommission ge­genüber deutlich gemacht, dass die regionalen Akteure der Emsregion einschließ­lich Bund und Land in der Lage sind, einen seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt um die - nun als gleichwertig anerkannten - ökologischen und ökonomischen Interessen in Einklang zu bringen. Die europäischen Vorgaben der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG), der Vogelschutz-Richtlinie (2009/147/EG), der Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG) und der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (2008/56/EG) sollen mit der Umset­zung dieses Vertrages erfüllt werden. Die Kommission hat die mit dem Masterplan eingeleiteten Schritte anerkannt und das Pilotverfahren eingestellt.

Ein Lenkungskreis Ems, eine Geschäftsstelle und mehrere Arbeitskreise begleiten die Umset­zung des Masterplans; alle Maßnahmen sollen bis 2050 abgeschlossen werden. Für verschiedene Maßnahmen, insbesondere für eine „Flexible Tidesteuerung" mit dem Emssperrwerk zur Eindämmung des Schwebstofftransports stromauf und die Schaffung ästuariner Lebensräume bei Coldemüntje, wurden mittlerweile Machbarkeitsstudien erstellt. Nach einer Verabschiedung der Maßnahmen im Lenkungskreis Ems im Januar 2017 wurde mit der Umsetzung der Maßnahmen - zunächst mit der Einleitung öffentlich-rechtlichen Genehmigungsverfahren - begonnen.



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Umweltbericht 2015  
Abb. 8: Ems oberhalb von Papenburg (Foto: Kaiser)
Artikel-Informationen

17.10.2017

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