Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Trinkwasserschutz

In Niedersachsen wird Trinkwasser zu 86 Prozent aus Grundwasser gewonnen. Die quantitative und qualitative Sicherung der Trinkwasserversorgung hat höchste Priorität. Daher strebt die Landesregierung zum Schutz dieser wichtigen Ressource an, für Wasserwerke der öffentlichen Wasserversorgung Wasserschutzgebiete (WSG) nach § 51 WHG auszuweisen. Die Festsetzung von WSG obliegt den Unteren Wasserbehörden, die i.d.R. auf Antrag eines Wasserversorgungsunternehmens ein entsprechendes Verfahren einleiten.
Wassergewinnungsgebiete liegen überwiegend in Gebieten, die durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung sowie Siedlungsgebiete geprägt sind. Eine Gefährdung der Wasserressourcen geschieht daher vornehmlich durch diffuse Einträge von Nährstoffen - insbesondere Stickstoff - und Pflanzenschutzmitteln im Rahmen einer landwirtschaftlichen Bewirtschaftung. In einigen festgesetzten WSG bestehen jedoch auch Beschränkungen aufgrund der Lage ganzer Ortschaften in einer Schutzzone. Daneben können sich auch der Neubau oder die Erweiterung bestimmter Anlagen der Industrie oder Nutzungen nachteilig auf die Trinkwasserqualität auswirken, wie die Erschließung von fossilen Brennstofflagerstätten, Bodenabbau, Erdwärmenutzung.
Weiter aktuell sind Themen wie das Verbot von Biogasanlagen in Wasserschutzgebieten, wobei es hier auch um die Erweiterung bestehender Anlagen geht; ferner anstehende Regelungen von Bund und Land zum Fracking. Hierzu gehören auch geplante Definitionen von entsprechenden Ausschlusskriterien z. B. für Fracking in Einzugsgebieten von Grundwasserentnahmen zu Gunsten von Nutzung wie der Lebensmittelherstellung oder der Gewinnung von Mineralwasser und in Vorranggebieten für Trinkwasserschutz.

In Niedersachsen wurde 1992 mit Einführung der Wasserentnahmegebühr das sogenannte niedersächsische Kooperationsmodell zwischen Wasserwirtschaft und Landwirtschaft ins Leben gerufen.

Ziel ist es, in Trinkwassergewinnungsgebieten (TGG) durch freiwillige Maßnahmen einer auf den Grundwasserschutz ausgerichteten landwirtschaftlichen Bewirtschaftung sowie durch eine „Wasserschutzzusatzberatung" diffuse Belastungen aus der Landwirtschaft zu verringern, wo das nicht erfolgversprechend ist, sind auch ordnungspolitische Maßnahmen notwendig.

Im Jahr 2012 umfasste das Niedersächsische Kooperationsmodell 376 TGG mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von insgesamt rund 310.000 ha, was rund 12 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche Niedersachsens entspricht. Auf dem Weg des Wassers von der Bodenoberfläche über die Wurzelzone, die Sickerwasser-Dränzone und den Grundwasserleiter bis zum Rohwasserförderbrunnen erfolgt parallel zu den angebotenen Grundwasserschutzmaßnahmen eine Erfolgskontrolle anhand verschiedener Erfolgsindikatoren, wie z.B. Berechnung der betrieblichen Stickstoffüberschüsse, Messung der Restnitratgehalte im Boden vor Beginn der Sickerwasserperiode sowie Messungen in Vorfeldmessstellen und Förderbrunnen.

In der Grundwasserrichtlinie wurde eine Qualitätsnorm für die Nitratkonzentration im Grundwasser in Höhe von 50 mg/l festgelegt. Diese wurde im Jahr 2012 trotz nachweisbarer Erfolge des Kooperationsmodells noch in 33% aller Erfolgskontrollmessstellen in den TGG überschritten, woraus sich weiterhin ein besonderer Handlungsbedarf für den vorsorgenden Trinkwasserschutz ergibt - auch vor dem Hintergrund von Entwicklungen, die zusätzliche Nitrateinträge in das Grundwasser zur Folge haben (z.B. hoher Wirtschaftsdüngereinsatz aus Tierhaltungs- und Biogasanlagen, Abnahme des Grünland- und Bracheanteils etc.).


Artikel-Informationen

16.02.2016

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln