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Infoportal Wolf in Niedersachsen

Die Rückkehr des Wolfs nach Mittel- und Westeuropa ist ein bemerkenswerter Erfolg für den Naturschutz. Während viele andere Arten einen massiven Rückgang der Population verzeichnen und Anlass zur Sorge geben, hat der strenge Schutz nach internationalem Recht diese Entwicklung ermöglicht. Auch ein Mentalitätswechsel in der Bevölkerung hat hieran seinen Anteil. Dennoch treten wir - wie andere Länder und Regionen vor uns - derzeit in eine neue Phase des Wolfsmanagements ein. Wo früher jedes einzelne Individuum von großer Bedeutung war, ist nun die Akzeptanz für die Art als Ganzes der wichtigste Faktor für ein erfolgreiches Nebeneinander von Mensch und Wolf in Niedersachsen. Diese Koexistenz zu sichern, ist das Ziel des niedersächsischen Wolfsmanagements.


Probleme ernst nehmen

Das Land Niedersachsen steht zum Schutz des Wolfs als Art. Dennoch muss der Artenschutz gegen andere, ebenso schutzwürdige Interessen abgewogen werden. Oberste Priorität hat die Sicherheit der Menschen. Dazu gehört neben der direkten Kontaktvermeidung mit Wölfen auch der Hochwasserschutz, zu dem die Deichbeweidung durch Schafe einen unersetzbaren Beitrag leistet.

Die Kulturlandschaft hat sich während der Abwesenheit des Wolfs stark verändert. Durch die Rückkehr des Wolfs sehen sich die Menschen auf dem Lande plötzlich gezwungen, sich anzupassen. Überall dort, wo Wölfe und Menschen dieselben Räume teilen, ergeben sich die meisten Konflikte durch die Bedrohung der extensiven Weidetierhaltung. Neben den Deichen pflegen die Tiere Kulturlandschaften wie die Heide und sind für die Offenhaltung vieler Naturschutzflächen unentbehrlich. Tierhalterinnen und Tierhalter kommen daher nicht umhin ihre Tiere vor Beutegreifern zu schützen. Wichtig ist, dass dies flächendeckend geschieht, damit Wölfe gar nicht erst lernen, dass Nutztiere wie Schafe oder Gehegewild einfach zu haben sind.

Wolfsrudel Bergen mit 6 Monate alten Jungwölfen

Strategie zur Konfliktminderung in Niedersachsen

Dennoch erleben wir immer wieder, dass auch geschützte Schafe oder Rinder Wölfen zum Opfer fallen. Für die meisten Tierhalter/innen ist der Anblick von gerissenen oder teils schwer verletzten Tieren sehr belastend. Die Kompensation des Landes für die verlorenen Tiere kann hier maximal den materiellen Schaden mildern. Dass bei Wolfsangriffen auf eingezäunte Tiere häufig mehrere Tiere betroffen sind, kommt erschwerend hinzu.

Das Konzept des Landes zum Wolfsmanagement stützt sich auf drei zentrale Erkenntnisse:

  • Die Stärkung des flächendeckenden Herdenschutzes hilft, das Erlernen problematischen Beuteverhalten zu vermeiden.
  • Der konsequente Abschuss von Wölfen, die gelernt haben, ausreichenden Schutz zu überwinden, ist als letztes Mittel alternativlos.
  • Sorgen und Ängste der Bevölkerung vor Nahbegegnungen dürfen in der öffentlichen Debatte nicht länger kleingeredet werden.

Ein Abschuss von Wölfen, die ungeschützte Tiere angreifen ist hingegen rechtlich nicht möglich. Gewerbliche wie Hobbytierhalter/innen sind daher gleichermaßen aufgerufen, konsequenten Herdenschutz zu betreiben. Der Staat muss auf der anderen Seite dafür Sorge tragen, dass Wölfe, die sich nicht von wolfabweisend geschützten Nutztieren fernhalten lassen, geschossen werden. Nur so kann die für den Wolf langfristig überlebenswichtige Akzeptanz in der Bevölkerung nachhaltig gesichert werden.

Wolf jagt Rotwild   Bildrechte: Theo Grüntjens
Wolf jagt Rotwild

Was geschieht aktuell in Niedersachsen?

  • Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist seit Februar 2022 für die vollständige Abwicklung der Förderrichtlinie Wolf verantwortlich. Seit 2020 ist die LWK bereits erste Anlaufstelle für die Herdschutzberatung und die offizielle Antrags- und Genehmigungsbehörde für Präventionsmaßnahmen sowie Billigkeitsleistungen. Sie übernimmt nun auch die Rissbegutachtung und Feststellung der Verursacherschaft anhand des Rissbildes. Die Genetik wird nur im Zweifelsfall und insbesondere für Managementmaßnahmen weiterhin relevant sein. Rissentschädigungen sollen so künftig deutlich schneller ausgezahlt werden (weitere Informationen sind unter dem nachfolgenden Link zu finden:www.lwk-niedersachsen.de/lwk/thema/1036_Nutztierschäden_Wolf.de)
  • Die Förderrichtlinie Wolf wird basierend auf den bisherigen Erkenntnissen zum 01.01.2023 aktualisiert.
  • Die Wolfsberaterinnen und Wolfsberater des Landes werden zukünftig in den Bereichen „Montoring“ und „Öffentlichkeitsarbeit“ verstärkt tätig sein. Eine sehr wichtig Aufgabe wird sich mit dem Nachgehen von „relevanten Sichtungen“ (z.B. auffällige Nahbegegnungen) befassen, sodass mögliche Ursachen für auffälliges Wolfsverhalten ggf. schnell identifiziert und beseitigt werden können oder aber beobachtungs- und/oder managementrelevante Wölfe frühzeitig erkannt werden.
  • Der Wolf wird voraussichtlich in 2022 in das Niedersächsische Jagdgesetz überführt. Der bestehende strenge Schutzstatus bleibt dadurch unberührt.
  • Um Niedersachsens Beitrag zu einer gesunden, vernetzten Wolfspopulation zu sichern, wird derzeit ein Wolfsmanagementplan in Abstimmung mit allen betroffenen Akteure erarbeitet.

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