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Auffälliges Wolfsverhalten gegenüber Menschen

Wenn sich Wölfe in unserer durch den Menschen geprägten Landschaft wieder ansiedeln, kann es zu Begegnungen zwischen Menschen und Wölfen kommen. Wölfe nutzen in ihrem Territorium liegende menschliche Strukturen wie Dörfer oder Siedlungen, gehen dabei aber dem Menschen in der Regel zeitlich durch überwiegende Nachtaktivität und/oder räumlich aus dem Weg. Sichtungen von Wölfen am Tage sind aber in der Regel als ungefährlich einzustufen.

Obwohl wildlebende Wölfe sich gegenüber dem Menschen zumeist scheu, zurückhaltend oder neutral verhalten, können Konflikte nicht vollständig ausgeschlossen werden. In den äußerst seltenen Fällen, in denen es zu kritischen Situationen mit Wölfen kommen kann, spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • Starke Habituierung: Gewöhnung an die Anwesenheit/Nähe zu menschlichen Strukturen oder den Menschen selbst. Habituierung kann verstärkt werden, wenn Menschen regelmäßig Rudel aufsuchen, verringerte Nähe zulassen bzw. den Wolf bei bestehender Nähe nicht in die Schranken weisen;
  • Positive Konditionierung: Verstärkung eines Verhaltens durch positive Reize (z.B. durch Nahrung in Form von Abfall oder Anfütterung);
  • Tollwut (Deutschland gilt seit 2008 als frei von der terrestrischen Tollwut (gemäß den Richtlinien der World Organisation for Animal Health);
  • Provokation;
  • Aufsuchen von (z. B. läufigen) Hunden als Sozial- oder Fortpflanzungspartner;
  • (sehr selten) Prädation, also um zu fressen

Nach einer norwegischen Studie aus 2002 gab es in den letzten 50 Jahren in Europa nur sehr wenige Fälle, in denen gesunde Wölfe Menschen angegriffen oder getötet haben. In den meisten Fällen ließen sich Wolfsangriffe auf Menschen auf drei Ursachen zurückführen: Tollwut, Provokation und Futterkonditionierung. Da in unserer Gesellschaft kaum Erfahrung mit wildlebenden Wölfen besteht, ist es notwendig, durch gezielte Informations- und Öffentlichkeitsarbeit über ein angemessenes Verhalten gegenüber dieser Tierart aufzuklären. So soll zum Schutz des Menschen und des Wolfes insbesondere einer (Futter-)Konditionierung entgegengewirkt werden.

Sollte ein Wolf dennoch problematisch in seinem Verhalten gegenüber Menschen werden, werden Gegenmaßnahmen erforderlich. Einer Maßnahme gegen einen Wolf geht eine gründliche Analyse der Situation voraus. Die Wahl der Maßnahmen hängt von den Umständen des Einzelfalls ab; sie müssen verhältnismäßig sein und auch den Sozialstatus des Wolfs (Einzeltier, Jungtier, führende Eltern etc.) sowie das Tierschutzrecht berücksichtigen. Die Entnahme von Einzeltieren stellt im Extremfall die letzte Handlungsoption dar. Aus tierschutzfachlicher Sicht ist eine dauerhafte Unterbringung in einem Gehege für in freier Natur aufgewachsene Wölfe in der Regel abzulehnen.

Verhalten

Ursache

Handlungsempfehlung

Wölfe laufen im Schutz der Dunkelheit direkt an Ortschaften entlang
oder durch Siedlungen hindurch.

Wölfe meiden Menschen, aber nicht menschliche Strukturen.

Evtl. Markierverhalten, insbesondere während der Ranzzeit.

Grundsätzlich kein Handlungsbedarf.

Ggf. Vermeidung/Beseitigung von Nahrungs-
quellen / ggf. beobachten

Wolf läuft im Hellen in Sichtweise von Ortschaften / Einzelgehöften entlang.

Wölfe meiden Menschen, aber nicht menschliche Strukturen.

Grundsätzlich kein Handlungsbedarf.

Ggf. Vermeidung/Beseitigung von Nahrungs-
quellen. Ggf. beobachten

Wolf flüchtet nicht sofort beim Anblick von Menschen und Autos.

Bleibt stehen und beobachtet seinerseits.

Das Tier hat bisher keine schlechte Erfahrung gemacht.

Insbesondere Jungwölfe reagieren eher unbedarft und neugierig.

Grundsätzlich kein Handlungsbedarf. Spezifische Information. Ggf. beobachten

Wolf wird über längere Zeit häufig in der Nähe eines Dorfes gesehen.

Unterschiedlich, u.a. Futterquelle; Beziehung zu Hunden

Genaue Analyse. Spezifische Information. Bei Bedarf Futterquelle entfernen. Evtl. besendern

und vergrämen.

Wolf nähert sich mehrfach Menschen und interessiert sich anscheinend für Menschen.

Wurde durch die Anwesenheit von Menschen „belohnt“, z.B. durch Futter oder durch für ihn interessante Gegenstände.

Möglichst frühzeitig besendern und vergrämen.

Bei ausbleibendem Erfolg trotz sachgerechter Vergrämung, entnehmen.

Wolf reagiert unprovoziert aggressiv auf Menschen.

z. B. Tollwut,

extreme Habituierung/
Konditionierung.

Entnehmen.

Wölfe   Bildrechte: MRCat
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