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Entwicklungsbiologie Wolf

Wölfe leben in Familienverbänden, den Rudeln. Eine Wolfsfamilie besteht aus den das Rudel führenden Elterntieren (der sogenannten Mutter-Fähe und dem Vater-Rüden) und ihren Nachkommen verschiedenen Alters. Das Elternpaar bleibt oft ein Leben lang zusammen. In der Regel pflanzt sich auch nur dieses führende Elternpaar fort. Sie bekommen jedes Jahr nur einmal ca. 4 - 6 Welpen, von denen nur ein Teil das erste Jahr überlebt. Die Welpen kommen in Mitteleuropa zwischen Ende April und Anfang Mai nach einer Tragzeit von knapp 63 Tagen in einer Wurfhöhle zur Welt. Da der Geburtstermin variiert, wurde der Beginn eines Monitoringjahres auf den 1. Mai festgelegt.

Junge Wölfe bleiben in der Regel 1 - 2 Jahre bei ihren Eltern und helfen bei der Aufzucht der jüngeren Geschwister. Die Rudelgröße schwankt meist zwischen 5 und 10 Wölfen und ändert sich im Jahresverlauf mit Geburt, Tod und der Abwanderung der älteren Jungwölfe. Die meisten jungen Wölfe wandern ab, wenn sie geschlechtsreif werden. Sie suchen sich dann ein eigenes Territorium und einen Partner. Manche versuchen sich in der Nachbarschaft anzusiedeln, wenn diese Gebiete noch nicht besetzt sind, andere wandern viele hundert Kilometer weit vom Elternrudel weg. In den kleinen Familienrudeln in Mitteleuropa kommt es nur selten vor, dass eine zweite geschlechtsreife jüngere Fähe im Rudel verbleiben darf und einen zweiten Wurf Welpen zur Welt bringen darf. Meist werden diese Welpen im Nachgang dann auch getötet.

Wolfswelpen kommen auf die Welt

Wolfswelpen werden nach der Geburt von der Mutterffähe gesäugt, welche die Wurfhöhle in den ersten drei Tagen nicht verlässt. Die kleinen Wölfe kommen blind und taub auf die Welt und wiegen ca. 300 - 500 Gramm.

In den ersten zwei Wochen schlafen und trinken die Kleinen überwiegend, sehen und hören allerdings noch immer nichts. Nach zwei Wochen beginnt die sogenannte Prägungsphase der Wolfswelpen. Die Augen öffnen sich zwar, allerdings könne die Welpen erst nach weiteren zwei Wochen richtig scharf sehen. Auch die Ohren öffnen sich dann, richten sich auf und die ersten Zähne brechen durch.

Wolfswelpe heulend   Bildrechte: Jürgen Borris
Wolfswelpe heulend

Raus aus der Wurfhöhle, hinein in die große Welt

Zwischen der 3. und 4. Woche verlassen die kleinen Wölfe das erste Mal die Wurfhöhle, sodass sie das Rudel kennenlernen. In dieser Zeit bekommen sie schon etwas vorverdautes Fleisch, das von den älteren Wölfen hervorgewürgt wird. Mit der 4. Woche beginnt dann die Sozialisierungsphase. Von nun an sind alle Rudelmitglieder an der Welpenaufzucht beteiligt. Die Welpen erlernen die Körpersprache, das Spiel- und Jagdverhalten entwickelt sich, und erste Beiß-Kampf- und Bewegungsspiele finden statt.

Wenn das Rudel zur Jagd geht, bleibt mindestens ein Rudelmitglied bei den Welpen in der Nähe der Wolfshöhle. Bereits in der 6. Woche haben die kleinen Wölfe den größten Teil ihres späteren Verhaltensrepertoires erlernt, das im Spiel mit den Geschwistern und den Eltern geübt werden muss. Sie nehmen immer mehr feste Nahrung zu sich und werden nach spätestens acht Wochen von der Muttermilch entwöhnt. Die zunächst auffällig blauen Augen färben sich langsam um; i. d. R. werden sie bernsteinfarben.

Wolfsjährlinge mit Welpen   Bildrechte: Sebastian Koerner
Wolfsjährlinge mit Welpen am Rendevouzplatz

Im Alter von 8 – 10 Wochen werden die Welpen vom Rudel zu den sogenannten „Rendezvous-Plätzen“ geführt. Hierbei handelt es sich um Plätze, die von den Altwölfen als Spielplatz für die Kleinen ausgesucht wurden. Sie bieten genügend Fläche für Spiele und Jagdversuche, aber auch ausreichend Rückzugsgebiet im Gefahrenfall. Mit drei Monaten begleiten die Welpen das Rudel schon gelegentlich beim Umherstreifen und erkunden so die nähere Umgebung.

Wolfsrudel Ostenholzer Moor beim Familienausflug mit Jährlingen und fünf Monate alten Welpen

Wolfsrudel Ostenholzer Moor im Oktober 2017

Jungwölfe lernen fürs Leben

Zwischen dem 6. und 8. Lebensmonat begleiten die Jungwölfe - auch juvenile Wölfe genannt - das Rudel auf dessen Wanderung und auf der Jagd. Nach acht Monaten sind die „Kleinen“ beinahe so groß wie die Jährlinge bzw. die Altwölfe. Als Jährlinge - oder auch subadulte Wölfe genannt - werden die Wölfe bezeichnet, die im zweiten Wolfsmonitoringjahr seit der Geburt beobachtet werden, also 1 Jahr alt geworden sind. Sie sind nun von der Größe her so groß wie die Altwölfe – oder auch adulte Wölfe genannt, d. h. das Skelett ist mit 12 - 14 Monaten vollständig ausgewachsen. Durch weitere Muskel- und Gewichtszunahme erreichen sie ihre vollständige Masse allerdings erst mit etwa zwei Jahren.

Rudel Rheinmetall mit Altwölfen und juvenilen Wölfen   Bildrechte: Theo Grüntjens
Rudel Rheinmetall mit Altwölfen und juvenilen Wölfen

Die eigene Familie gründen

Mit einem Alter von zehn bis 22 Monaten können die subadulten Wölfe geschlechtsreif werden. Das ist individuell unterschiedlich. Spätestens nach 22 Monaten verlassen sie in der Regel das Rudel, um eine/n Partner/in zu suchen und in einem eigenen Territorium eine eigene Familie zu gründen. Im dritten Wolfsmonitoringjahr, also sobald die Wölfe zwei Jahre alt geworden sind, gelten sie offiziell als adulte Wölfe oder auch Altwölfe.

Jungwölfe   Bildrechte: Theo Grüntjens

Jungwölfe

Wolfsentwicklung im Monitoringjahr

Geburt – 6. Monat: juveniler Wolf/Welpe
7. Monat – 12. Monat: juveniler Wolf/Jungwolf
1 Jahr bis < 2 Jahre: subadulter Wolf/Jährling
> 2 Jahre: adulter Wolf/Altwolf

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