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Wolf, Hund oder Hybrid?

Haben ich wirklich einen Wolf gesehen?

Einen Wolf eindeutig in der Natur zu identifizieren, ist häufig sehr schwer. Selbst Experten sind nicht immer auf den ersten Blick sicher, ob sie einen Wolf oder doch einen Hund vor sich haben. Das ähnliche Erscheinungsbild von Wolf und einigen Hunderassen kann schnell täuschen und die meist kurze Begegnung die Fantasie beflügeln, ohne dass wolfstypische Merkmale genau erkannt wurden.


Was sind wolfstypische Merkmale?

Mit einer Schulterhöhe von 60 - 90 cm und ihrer Erscheinung sind Wölfe bspw. dem Deutschen Schäferhund zwar nicht unähnlich, aber anhand der nachfolgenden Merkmale durchaus voneinander zu unterscheiden. Wölfe sind hochbeiniger als Schäferhunde und besitzen eine gerade Rü­ckenlinie. Weitere Merkmale sind kleine, dreieckige Ohren, die auf der Innenseite stark behaart sind und eine Rute (Schwanz) mit schwarzer Spitze, die meist locker herunterhängt. Die Rute von Haushunden dagegen ist häufig angehoben. Die Grundfärbung der europäischen Wölfe ist meist beige-grau, ocker-grau oder leicht rötlich-grau. Merkmale in der Färbung sind die hell ge­färbte Unterseite des Fangs (Schnauze), ein heller Sat­telfleck mit dunkler Linie hinter den Schulterblättern sowie ein dunklerer Rücken.

Wolfsmerkmale Bildrechte: DBBW
Wolsmerkmale

Rüde oder Fähe?

Männchen (Rüden) und Weibchen (Fähen) unterscheiden sich äußerlich lediglich in ihren Körpermaßen. Fähen sind durchschnittlich 15-20% leichter und kleiner als Rüden. Ausgewachsene Rüden haben eine Kopf-Rumpf-Länge bis 100 - 140 cm und eine Schulterhöhe bis zu 70 - 90 cm, ausgewachsene Weibchen nur eine Länge bis zu 97 - 124 cm und eine Schulterhöhe bis 60 - 80 cm. Rüden haben im Vergleich einen breiteren Kopf als Fähen. Rüden erreichen in unserer mitteleuropäischen Population nur selten mehr als 40 kg, Fähen nur selten mehr als 35 kg. Der Gewichtsunterschied liegt also durchaus bei 6 - 8 kg. Dieser Unterschied scheint anhand der Zahlen eindeutig, ist aber für einen Laien nicht einfach zu erkennen. Im Winter wird eine Unterscheidung insbesondere durch das dicke Winterfell erschwert, während im Sommerfell die Möglichkeit besteht, anhand der Geschlechtsmerkmale einen eindeutigen Unterschied festzustellen. Durch das kürzere Fell können so ggf. die Genitalien der Rüden oder aber das Gesäuge der Fähe, d. h. die anschwellenden Zitzen kurzzeitig zu erkennen sein. Eine eindeutige Bestimmung setzt allerdings viel Erfahrung, eine optimale Sicht und längere Beobachtungszeit oder ggf. eine gute Foto- oder Filmaufnahme voraus.

Fähe mit Gesäugeleiste   Bildrechte: LJN
Fähe mit Gesäugeleiste

Können sich Wolf und Hund paaren?

Wölfe gehören der gleichen Art an wie Hunde und können fort­pflanzungsfähige Nachkommen miteinander zeugen, die meist als Wolfshybride bezeichnet werden. Eine sol­che Verpaarung kommt in der Natur, insbesondere in Gebieten, in denen es nur wenige freilebende Hunde gibt, nur selten vor.

Immer wieder wird in den Medien davon berichtet, dass es sich bei unseren Wölfen überhaupt nicht um „reine“ Wölfe handelt. Diese Behauptungen sind allerdings falsch und in keiner Weise wissenschaftlich belegt. Eine solche Analyse bei nah verwandten Arten erfordert viel Erfahrung, eine Kombination verschiedener Untersuchungsmethoden sowie eine große Referenzdatenbank, um sicher von Hybriden sprechen zu können. Daher werden alle Proben zur genetischen Analyse von erfahrenen Wissenschaftlern bzw. Wissenschaftlerinnen auf dem Fachgebiet „Naturschutzgenetik“ des renommierten Senckenberg-Forschungsinstituts seit dem Jahr 2010 zentral untersucht. Dieses sammelt Erkenntnisse zu Vorkommen von Wölfen in Deutschland, führt Individualisierungen durch, ermittelt Verwandtschaftsverhältnisse und Rudelstrukturen und untersucht zudem Hybridisierungsgrade.

Laut DBBW gab es in Deutschland im Jahr 2003 in Sachsen (bei Neustadt/Spree) und im Jahr 2017 in Thüringen (bei Ohrdruf) jeweils eine belegte Verpaarung einer Wölfin mit einem Haushundrüden. 2019 verpaarte sich die Wölfin in Ohrdruf (Thüringen) noch einmal mit einem Sohn aus dem Wurf 2017, so dass sie erneut Hybridwelpen zur Welt brachte (1. Rückkreuzungs-generation). Darüber hinaus wurde 2016 in Tschechien, nahe der deutschen Grenze (Schluckenauer Zipfel) ein weiterer Fall von Hybridisierung von Wölfin und Haushundrüden belegt. In allen vier Fällen wurde die Entnahme der Tiere aus der Natur angeordnet. Demnach sind Hybridisierungsereignisse bisher sehr selten.

Was passiert mit Hybriden?

Evolutionär gesehen hat die Verpaarung eng verwandter Arten nicht ungewöhnlich und kann als natürlicher Prozess angesehen werden, da Hybride u. U. eine höhere Anpassungsfähigkeit und Fitness als ihre jeweiligen Eltern aufweisen. Allerdings kann ein solches Ereignis in Hinblick auf den Artenschutz eine Gefahr darstellen, wenn z. B. domestizierte Verwandte die wilden Populationen so verändern, dass vom Genpool der ursprünglichen Art kaum mehr etwas übrigbleibt. Wolf-Hund-Hybride, bei denen in den vier vorhergehenden Generationen in direkter Linie eine oder mehrere Exemplare der Art Wolf vorkommen, unterliegen dem selben rechtlichen Schutzstatus wie „reine“ Wölfe. Sie sind allerdings in der freien Natur aufgrund artenschutzrechtlicher Aspekten nicht gewollt. Der damit einhergehende sukzessive Verlust der genetischen Reinheit des Wolfes würde bedeuten, dass die verbundene Anpassungsfähigkeit und letztlich die Art Wolf gänzlich verloren geht. Nicht zuletzt birgt eine Hybridisierung die Gefahr, dass die natürliche Scheu vor dem Menschen bei den Hybridwölfen möglicherweise verloren geht. Es ist unklar ob und wie ausgeprägt dieses weniger scheue Verhalten in der Wolfpopulation weitergegen werden könnte.

Im Manifest zum Schutz der Wölfe (Wolf Specialist Group der Species Survival Commission der IUCN) wird Hybri­disierung zwischen Wölfen und Hunden abgelehnt. Es herrscht international Einigkeit darüber, dass Hybridisierung zwischen Wölfen und Hunden unerwünscht und für Wolfspopulationen nachteilig ist. Um solcher Entwicklung vorzubeugen, wird ein kontinuierliches Monitoring der Wolfspopulation in Niedersach­sen durchgeführt, sodass im Falle eines Hybridisierungsereig­nisses eingegriffen werden kann. Kommt es zu einer zweifelsfreien Feststellung von Hybriden, entscheiden die zuständigen Behörden über weitere Maßnahmen, die vom Fang bis zur letalen Entnahme führen können. Die Wahl der Maßnahme hängt von den Umständen des Einzelfalls ab; sie muss verhältnismäßig sein und auch das Tierschutzrecht berücksichtigen. Die Entnahme der Wolf-Hund-Hybriden ist rechtlich geregelt im BNatSchG § 45 a Absatz 3.

Was sind eigentlich Wolfhunde?

Anders als Wolfshunde, die historisch zur Jagd auf Wölfe gezüchtet wurden, werden zu den sogenannten Wolfhunden Hunderassen gezählt, die durch die Verpaarung von Hund und Wolf noch einen hohen genetischen Anteil des Wolfs aufweisen und ihm daher optisch sehr ähneln. Es handelt sich hierbei zwar auch um Wolfshybriden, die allerdings ab der 6. Generation (F5) als Hund bezeichnet werden dürfen. Es gibt offiziell anerkannte Hunderassen und (noch) nicht offiziell anerkannte Hunderassen. Offiziell wird eine Hunderasse erst nach genauer Prüfung durch offizielle Institutionen für Rassebeschreibungen wie z.B. FCI, Fédération Cynologique Internationale ernannt. Zu den bekannten anerkannten Wolfhunde-Rassen zählt z.B. der Tschechoslowakische Wolfhund und der Saarloos Wolfhund. Schon lange offiziell anerkannt sind beispielsweise auch Hunderassen des Schlittenhundetyps, wie der Sibierische Husky und der Alaskan Malamuthe, die je nach Zuchtursprung teilweise sehr wolfsähnlich sind. Nicht offiziell anerkannt ist beispielsweise der Tamaskan, der jedoch ohne Wolfseinkreuzung aus Haushunden vor allem des Schlittenhundetyps und dem Deutschen Schäferhund auf Wolfsähnlichkeit gezüchtet wird. Durch ihre große, hochbeinige Statur sowie Bewegung, Behaarung und Fellfarbe sind diese Hunderassen dem Wolf sehr ähnlich.

Für den Laien ist es fast unmöglich, diese Hunderasse von einem Wolf zu unterscheiden. Ein klares Erkennungsmerkmal eines Haushundes wäre in möglicherweise ein erkennbares Halsband, was allerdings auch nicht unbedingt innerhalb weniger Sekunden, aus weiter Entfernung bzw. unter schlechten Sichtverhältnissen zu erkennen sein muss. Dazu kommt noch, dass entlaufene Hunde oft kein Halsband tragen.

Die Haltung wolfsähnlich aussehender Hunderassen hat in den letzten 15 Jahren stark zugenommen. Die Haltung dieser Hunderassen ist aufgrund der zuchtbedingten gewünschten Ursprünglichkeit und den damit einhergehenden besonderen Charaktereigenschaften nicht ganz einfach und erfordert kompetente, konsequente Erziehung.

Jungwolf   Bildrechte: Theo Grüntjens

Jungwolf

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