Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz

Meyer: „Wiederansiedlung des Luchses Erfolgsgeschichte über den Harz hinaus“

Luchs-Auswilderung im Weser-Leine-Bergland soll Ausbreitung in Niedersachsen weiter stärken


PI 068/2026

Erstmals wurde am (heutigen) Freitag ein Luchs im Weser-Leine-Bergland südlich von Hannover ausgewildert. Das weibliche, einjährige Tier war im August 2025 im Landkreis Goslar verwaist von Mitarbeitern des Nationalparks Harz aufgefunden worden. Die vergangenen zwölf Monate ist es von der Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen wieder aufgepäppelt worden. Heute nun wurde die Luchsin durch Umweltminister Christian Meyer, Agrarstaatssekretärin Frauke Patzke, Vertreterinnen und Vertreter der Nationalparkverwaltung Harz, des Landkreises und der Jägerschaft Hameln-Pyrmont sowie der Niedersächsischen Landesforsten im Osterwald (Landkreis Hameln-Pyrmont) wieder in die Freiheit entlassen.

"Die Wiederansiedlung des Luchses in Niedersachsen durch das Luchsprojekt Harz ist ein großer Erfolg für den Artenschutz in Niedersachsen“, sagt Umweltminister Christian Meyer. „Im Harz haben wir wieder eine stabile Population von Luchsen erreicht. Durch Auswilderungen wie 2023 im Solling und nun im Weser-Leine-Bergland haben wir die Möglichkeit, das Luchsvorkommen auch über den Harz hinaus in anderen Waldgebieten zu stärken und so die Ausbreitung in weiteren Teilen von Niedersachsen zu fördern. So unterstützen wir, dass allmählich eine wachsende Luchspopulation in Niedersachsen entsteht.“

Durch die aktive Wiederansiedlung und Auswilderung von Luchsen seit den 2000er Jahren im Harz stellt die dortige Luchspopulation inzwischen mit über 160 Tieren die größte Population in Deutschland dar. Da der Bestand aber weiterhin von anderen Vorkommen isoliert und damit langfristig nicht gesichert ist, wird die Tierart in der Roten Liste Niedersachsens weiterhin als „vom Aussterben bedroht“ und als „in einem schlechten Erhaltungszustand“ gelistet. Nach der erfolgreichen Wiederfreilassung von zwei ehemals verwaisten weiblichen Luchsen vor rund drei Jahren in den Sieben Bergen bei Alfeld und im Solling, wo es bereits mehrfach zu Nachwuchs kam, soll nun die Auswilderung im Weser-Leine-Bergland dazu beitragen, dass sich die Luchspopulation auch in Richtung Süntel und Deister südlich von Hannover weiter stabilisiert.

Frauke Patzke, Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: „Heute haben wir dieser Luchsin eine Chance auf ein Leben in ihrer natürlichen Umgebung zurückgegeben – und zugleich dem Weser-Leine-Bergland ein Stück seiner ursprünglichen Vielfalt. Jede erfolgreiche Auswilderung eines Luchses trägt dazu bei, eine langfristig stabile Luchspopulation in unseren Wäldern zu etablieren. Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement in diesem anspruchsvollen Projekt und wünsche dem Tier einen guten Start in seinem neuen Lebensraum. Ich freue mich darauf, seinen Weg in den kommenden Jahren weiter zu verfolgen.“

Ein wesentlicher Grund für eine Auswilderung im Weser-Leine-Bergland ist auch, dass das Tier dort im Vergleich zum Harz einem geringeren Konkurrenzdruck durch Artgenossen ausgesetzt ist und noch genügend Platz für ein eigenes Revier findet. In dem ausgewählten Gebiet im Osterwald befinden sich zudem bereits männliche Tiere, die zusammen mit der Luchsin zur weiteren Vermehrung beitragen können. Um nachvollziehen zu können, ob und wo die Luchsin ihr Revier etabliert, wird sie für die nächsten Monate mit einem Halsbandsender ausgestattet. Der Vorschlag des Harzer Luchsprojektes, das Tier im Osterwald frei zu lassen, stieß daher auf Zustimmung des Umwelt- sowie des Landwirtschaftsministeriums und wurde mit den Niedersächsischen Landesforsten, den regionalen Jägerschaften sowie den Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise Hameln-Pyrmont, Hildesheim und der Region Hannover abgestimmt.

Dr. Roland Pietsch, Leiter der Nationalparkverwaltung Harz: „Die europäischen Luchspopulationen sind noch immer isoliert voneinander. Daraus gibt sich ein drängendes Inzuchtproblem. Der Luchs könnte dadurch mittelfristig ein zweites Mal aussterben. Der Nationalpark Harz unterstützt aktiv die internationalen Bemühungen, die Luchs-Vorkommen zu vernetzen und damit zu sichern. Die inzwischen jahrzehntelange Partnerschaft mit der Landesjägerschaft Niedersachsen ist dabei Garant für den erfolgreichen Projektverlauf.“

Heiko Brede, Förster für Waldökologie im Forstamt Saupark der Niedersächsischen Landesforsten: „Es ist eine gute Entscheidung die junge Luchsin im Osterwald auszuwildern. Da hier bislang keine weiblichen Luchse nachgewiesen sind, wird damit ein zielgerichteter und wichtiger Beitrag zur Unterstützung und Stabilisierung der lokalen Luchspopulation geleistet. Wir vom Forstamt freuen uns sehr, Teil dieses Projektes zu sein.“

Hintergrund

Die intensive Verfolgung durch den Menschen führte vor rund 200 Jahren zum Aussterben des Luchses in Mitteleuropa. Mit dem „Luchsprojekt Harz“ der Landes Niedersachsen (MU und ML) und der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (https://www.luchsprojekt-harz.de/) wurde Anfang der 2000er Jahre erstmals in Deutschland ein offizieller Wiederansiedlungsversuch gestartet. Zwischen 2000 und 2006 wurden im Nationalpark Harz insgesamt 24 Luchse ausgewildert. Nach 2010 hat sich die Harzer Luchspopulation allmählich über die Grenzen des Mittelgebirges hinaus ausgebreitet und berührt auch die Nachbarbundesländer Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen.


Artikel-Informationen

erstellt am:
07.08.2026

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