Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz

Minister Meyer: „Die Klimakrise ist auch eine Wasserkrise“

Umweltminister Meyer stellt den Masterplan Wasser vor, mit dem sich Niedersachsen auf die Folgen zunehmender Hitzewellen, Trockenheit und Extremwetter vorbereitet / 120 Millionen Euro für Klimafolgenanpassung in den Kommunen


PI 060/2026

Die Klimakrise wird in Niedersachsen immer spürbarer. Hitzewellen, Extremwetter, Dürren und auch Hochwasserrisiken nehmen deutlich zu. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist es in Niedersachsen im Jahresmittel bereits 2,4 °C wärmer geworden. An 48 von 49 Messtationen des Landes wurden im Juni Temperaturhöchstwerte verzeichnet, mit entsprechenden Folgen für Mensch, Tier und Natur. Durch die steigenden Temperaturen nimmt aber auch die Wasserverfügbarkeit drastisch ab. Aktuell ist der Grundwasserstand bei fast der Hälfte der Messtellen (48,4 %) auf sehr niedrigem Niveau, nur 3,7 % der Messstellen verzeichnen ein sehr hohes oder hohes Grundwasserniveau. Weitere 5,6 % der Messpunkte weisen sogar Rekordniedrigstände seit Messbeginn auf.

„Die Klimakrise ist auch eine Wasserkrise. Das macht mir große Sorgen. Die Gefahr von Dürren, Wassermangel und Trockenheit steigt – genauso wie die Konkurrenz ums Wasser. Zugleich drohen vermehrt Hochwasser und Starkregenereignisse – vor allem im Winter“, sagt Umweltminister Christian Meyer. Während die Grundwasservorräte sinken, steigt nach Prognosen der Wasserverbrauch in Haushalten, Industrie und Landwirtschaft beträchtlich. Unsere Gewässer werden immer trockener und heißer. Mögliche Folgen sind auch Fischsterben wie kürzlich im Steinhuder Meer und im Maschsee.

Die Klimakrise stellt die Kommunen und die Wasserwirtschaft vor enorme Herausforderungen. Niedersachsen reagiert darauf mit dem Masterplan Wasser, den Umwelt- und Klimaschutzminister Christian Meyer heute in Hannover vorstellte. Der Masterplan bündelt erstmals zentrale Strategien zum Wassermengenmanagement, zum Hochwasser- und Küstenschutz sowie zur Verbesserung der Wasserqualität.

„Der Klimawandel betrifft uns alle, nicht nur durch Hitze und Trockenheit. Das wird besonders deutlich beim Wasser. Unsere wichtigste Lebensgrundlage ist durch die Klimakrise stärker unter Druck als je zuvor“, so Minister Meyer. „Mit dem Masterplan Wasser stellen wir die Weichen dafür, dass die Menschen in Niedersachsen auch in Zukunft zuverlässig mit Wasser versorgt werden, besser vor Extremereignissen geschützt sind und sich der ökologische Zustand unserer Gewässer weiter verbessert.“

Der Masterplan Wasser stellt den Rahmenplan für ein nachhaltiges, integriertes und zukunftsorientiertes Wassermanagement in Niedersachsen dar. Er enthält konkrete Maßnahmen wie zum Beispiel die Stärkung des Hochwasser- und Küstenschutzes, das landesweite Grundwasserströmungsmodell, das wichtige Erkenntnisse für ein ganzheitliches Verständnis des Wasserhaushalts in Niedersachsen liefert, die Entsiegelung von Flächen für mehr Wasserrückhalt oder die nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen.

Unterstützung durch Klimagesetz, Wassergesetz und „KlikoNI“

Niedersachsen hat mit dem erneuerten Landes-Klimagesetz zudem seine Landkreise und kreisfreien Städte dazu verpflichtet, ein Klimaanpassungskonzept inklusive Hitze- und Starkregenplanung zu erstellen. Das Land unterstützt sie dabei finanziell und personell – mit Mitteln für eine dauerhafte Vollzeitpersonalstelle und diversen Förderprogrammen.

Die Mittel für den Hochwasserschutz im Binnenland konnten dabei von 23,6 Millionen Euro in 2022 auf 42,5 Millionen in 2026 deutlich gesteigert werden. Mit dem neuen Wassergesetz werden alle Hochwasser- und Küstenschutzmaßnahmen, aber auch Gewässerrenaturierung, Wasserrückhalt und Moorentwicklung deutlich beschleunigt und vereinfacht.

„Ob Hitze, Trockenheit, Hochwasser oder Starkregen: Jede Kommune steht vor eigenen Herausforderungen, wenn es um die Anpassung an die Klimakrise geht“, so Meyer. „Mit den Klimaanpassungskonzepten fördern wir eine passgenaue Analyse für jede Kommune, welche Auswirkungen es vor Ort gibt und wie sich Städte und Gemeinden dagegen wappnen können“.

Das Land unterstützt die Kommunen darüber hinaus mit erheblichen Mitteln bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung, und zwar mit dem geplanten Förderprogramm „Klima Kommunal Niedersachsen Invest“ (KliKoNI). Das Programm mit einem geplanten Gesamtvolumen von 120 Millionen Euro fördert Maßnahmen wie Hitzevorsorge, Schwammstadt-Infrastruktur, Entsiegelung, Hochwasserschutz und Begrünung, aber auch Klimaschutzmaßnahmen wie Wärme- und Kältekonzepte durch Großwärmepumpen. 90 der 120 Millionen Euro stammen dabei aus den Mitteln des Sondervermögens „Infrastruktur und Klimaneutralität“ des Bundes, 30 Millionen Euro aus den Klimaschutzmitteln des Umweltministeriums. Abgewickelt werden soll das Programm für Landkreise und Gemeinden bürokratiearm und schlank. Meyer: „Die Kommunen können dann selbst entscheiden, welche Maßnahmen zum Hochwasser- oder Hitzeschutz sie priorisieren.“

Zudem stärkt das gerade verabschiedete Landes-Wassergesetz (NWG) den Gewässerschutz, den Hochwasserschutz, die Wiedervernässung und den Wasserrückhalt in besonderer Weise. Dadurch können Kommunen auch die Wasserentnahmen besser steuern, Einschränkungen des Wasserverbrauchs bei großer Hitze einfacher vornehmen, Zisternensatzungen zur Regenwasserspeicherung vorschreiben und ihre Wassergebühren sozial staffeln. Während der Masterplan die strategische Richtung vorgibt, schafft die Novelle des NWG den erforderlichen rechtlichen Rahmen für die wirksame Umsetzung zentraler Maßnahmen.

Masterplan Wasser – Lebensgrundlage schützen!

Die drei zentralen Handlungsfelder des Masterplans Wasser sind:

1. Nachhaltiges Wassermengenmanagement

Kernziel ist es, Wasser stärker in der Fläche zu halten und natürliche Speicher zu fördern. So sollen Nutzungskonflikte frühzeitig ausgeglichen, die langfristige Versorgung gesichert und klimaresiliente Ökosysteme stabilisiert werden. Unter anderem durch die naturnahe Umgestaltung von Bächen und Flüssen wird der Abfluss von Wasser verzögert, was insbesondere in Niedrigwasserphasen einen wichtigen Beitrag zur Klimafolgenanpassung leistet.

2. Schutz vor Wasser

Zunehmende Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hochwasser und steigende Meeresspiegel erfordern eine intensivere Vorsorge. Der Masterplan setzt daher auf ein integriertes Risikomanagement, um Schäden zu minimieren und die Sicherheit für Bevölkerung, Infrastruktur und Natur deutlich zu erhöhen.

3. Schad- und Nährstoffe reduzieren

Viele Gewässer sind durch Einträge von Nährstoffen und Schadstoffen belastet. Der Masterplan stärkt deshalb den Gewässerschutz und zielt auf eine nachhaltige Verbesserung der Wasserqualität ab. Dazu gehört auch die weitere Umsetzung der Gewässerrandstreifen im Rahmen des Niedersächsischen Wegs. Dazu ist ein neues Programm mit Landwirtschaft und Umwelt zur ökologischen Aufwertung dieser Streifen an Gewässern in Höhe von 10 Millionen Euro jährlich geplant.

Der Masterplan wird bereits umgesetzt!

Der Masterplan Wasser ist kein Konzept für die Schublade, sondern wird bereits vielerorts sichtbar umgesetzt. Ob neue Grünflächen in unseren Städten – wie der „Pocket-Park“ auf einem ehemaligen Parkplatz in Braunschweig –, die Renaturierung von Gewässern oder ein nachhaltigerer Umgang mit der Ressource Wasser: Die notwendigen Anpassungen an den Klimawandel werden konkret vor Ort realisiert. So hat der NLWKN bei der Renaturierung der Schunter zwischen Beienrode und Ochsendorf einen längeren, naturnah mäandrierenden Gewässerverlauf geschaffen. Durch den Einbau von Kies und Totholz, die Wiederanbindung von Auenflächen sowie umfangreiche Pflanzungen entstanden wertvolle Lebensräume für Fische und andere Wasserorganismen. Diese Beispiele zeigen, wie die Ziele des Masterplans Wasser Schritt für Schritt in die Praxis umgesetzt werden – für mehr Klimaresilienz, Artenvielfalt und Lebensqualität in Niedersachsen.

Der Masterplan entstand in einem intensiven Beteiligungsprozess. In Fachgesprächen zu Themen wie Wasserversorgung, Wasserrückhalt, Hochwasserschutz und Oberflächengewässer- und Grundwassergüte sowie in einer anschließenden Verbändebeteiligung brachten zahlreiche Akteure aus Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen ihr Fachwissen ein.

„Die Herausforderungen des Klimawandels lassen sich nur gemeinsam bewältigen. Der Masterplan Wasser verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Erfahrung vor Ort und schafft damit eine tragfähige Grundlage für die Zukunft. Ziel muss es sein, dass Mensch, Natur und Wirtschaft weiter jederzeit ausreichend sauberes Wasser haben“, betont Umweltminister Meyer.

Der vollständige „Masterplan Wasser“ ist ab sofort auf der Website des Niedersächsischen Umweltministeriums verfügbar: https://www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/themen/wasser/masterplan_wasser/

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