Niedersachen klar Logo

Netze konsequent optimieren – Erneuerbare konsequent ausbauen!

 

- Es gilt das gesprochene Wort -

Wir werden unsere Klimaziele nicht erreichen können, ohne den Ausbau der erneuerbaren Energien zu verstärken. Das dürfte mittlerweile unumstritten sein. Eine Verstärkung des Ausbaus wäre auch ein dringend erforderliches wirtschafts- und industriepolitisches Signal für die Unternehmen und Beschäftigten im Bereich der erneuerbaren Energien. Darauf habe ich bereits im vergangenen Jahr im Rahmen des Cuxhavener Appells 2.0 gemeinsam mit meinen Kollegen aus den Küstenländern und wichtigen Stakeholdern hingewiesen. Gerade in der Windenergiebranche sind in den letzten Jahren entlang der Wertschöpfungskette bundesweit bereits viele zehntausend hochqualifizierte Arbeits- und Ausbildungsplätze entstanden. Zugleich sinken hier genauso wie im Bereich der Photovoltaik die Kosten der Stromerzeugung durch die Realisierung von Lernkurveneffekten immer weiter. Diese Erfolge müssen wir jetzt aber auch nutzen und dürfen sie nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Die Energiewende ist – und das ist ebenfalls unbestritten – mit viele Herausforderungen verbunden, insbesondere im Bereich der Stromnetze. Durch die bestehenden Engpässe innerhalb Deutschlands müssen die Netzbetreiber immer wieder in den Betrieb von Stromerzeugungsanlagen eingreifen. Das unterstreicht die zentrale Bedeutung des Netzausbaus. Niedersachsen ist vom Netzausbau in besonderem Maße betroffen. Ebenso wie andere Bundesländer haben wir in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, um die in unserer Genehmigungszuständigkeit liegenden Ausbauvorhaben zu beschleunigen, und werden dies auch weiter tun.

Von übergeordneter Bedeutung für die Energiewende und die Beseitigung der Engpässe im deutschen Strommarkt sind die in der Zuständigkeit des Bundes liegenden großen Nord-Süd-Gleichstromtrassen, die 2025 in Betrieb genommen werden sollen. Diese Vorhaben werden somit noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Dies kann aber nicht als Argument dafür dienen, den Ausbau der erneuerbaren Energien auszubremsen. Neben dem Bau neuer Leitungen müssen wir uns vielmehr verstärkt auch der optimalen Nutzung der vorhandenen Netzkapazitäten widmen. Hier gibt es eine Vielzahl wirksamer Maßnahmen, mit denen unsere Netze entlastet und damit auch zusätzliche Netzkapazitäten für die Erneuerbaren geöffnet werden können. Deshalb bin ich unseren Kollegen aus Hessen sehr dankbar, dass wir dieses wichtige Thema nun hier im Bundesrat erneut diskutieren können und anschließend gemeinsam ein starkes Signal an die Bundesregierung senden können, dass wir im Bereich der Netzoptimierung vorankommen müssen.

Mit unserem Änderungsantrag, für den ich hier um Ihr Zustimmung werben möchte, wollen wir den hessischen Antrag um zwei weitere, wichtige Bereiche ergänzen. Dies betrifft auf der einen Seite die so genannten zuschaltbaren Lasten. Mit zuschaltbaren Lasten kann die Abregelung von regenerativen Stromerzeugungsanlagen gezielt vermieden werden. Auch wenn es bereits seit längerem eine gesetzliche Regelung hierfür gibt, sind noch keine Fortschritte erkennbar. Das liegt unter anderem daran, dass die Regelung bislang allein auf den Power-to-Heat-Bereich beschränkt ist. Die Bundesregierung muss deshalb endlich handeln und eine technologieoffene Ausschreibung zuschaltbarer Lasten einführen.

Auf der anderen Seite sollten wir auch den Bereich der konventionellen Mindestleistung in die Netzoptimierung einbeziehen. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass wir uns hier von den oftmals ideologisch geführten Debatten lösen sollten. Die Zielsetzung der Energiewende ist klar. Zugleich wird niemand ernsthaft bestreiten, dass wir noch auf absehbare Zeit konventionelle Kraftwerke benötigen werden. Wichtig ist, dass diese Kraftwerke intelligent und unterstützend in die fortschreitende Energiewende eingebunden werden. Das bedeutet insbesondere, dass der Einsatz dieser Kraftwerke flexibilisiert werden muss. Zudem muss sichergestellt werden, dass die konventionelle Mindestleistung in Engpasssituationen auf das aus netztechnischer Sicht erforderliche Maß reduziert wird. Studien wie der letztjährige Bericht der Bundesnetzagentur zur konventionellen Mindesterzeugung verdeutlichen, dass wir die Stromnetze auf diese Weise erheblich entlasten können.

Mit dem Antrag Hessens und unserem Ergänzungsantrag liegt ein umfangreicher Maßnahmenkatalog zur Entlastung der Stromnetze vor. Auf diese Weise können wir in beträchtlichem Umfang zusätzliche Netzkapazitäten für den Ausbau der Erneuerbaren Energien schaffen. Ich möchte daher ausdrücklich betonen, dass die Aufnahmefähigkeit der Stromnetze kein Argument gegen die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vorgesehenen Sonderausschreibungen in Höhe von je vier Gigawatt Wind-Onshore und Photovoltaik sowie einem Wind-Offshore-Beitrag sein kann. Vielmehr ist die Bundesregierung gefordert, die Netzoptimierung konsequent und ohne weitere Verzögerungen anzugehen und so auch die Energiewende voranzubringen.


Artikel-Informationen

27.04.2018

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln