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Vermerk: Empfehlung der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf

Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf, die umfassend unterrichtet und um Bewertung und fachliche Einschätzung gebeten worden war, hat unter dem 19.02.2016 ihre Empfehlung übersandt.

Sie schlägt angesichts des derzeitigen Verhaltens des besenderten Rüden vom Truppenübungsplatz Munster (Telemetriebezeichnung MT6) ein gestuftes Verfahren vor und gibt für die erste Stufe folgende Handlungsempfehlungen:

"Wir empfehlen im Fall von MT6 ein abgestuftes Verfahren. Nach § 45 Abs. 7 BNatschG dürfen Ausnahmen vom Tötungsverbot nur zugelassen werden, wenn zumutbare Alternativen nicht gegeben sind und sich der Erhaltungszustand einer Art nicht verschlechtert. Im Falle eines ungünstigen Erhaltungszustandes der Population der betroffenen Art sind Ausnahmen nach § 45 Abs. 7 BNatschG zulässig, wenn sachgemäß nachgewiesen ist, dass sie weder den ungünstigen Erhaltungszustand dieser Population weiter verschlechtern noch die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes behindern (Vollzugshinweise zum Artenschutz vom ständigen Ausschuss für Arten- und Biotopschutz überarbeitet (Stand 19.11.2010

Eine professionelle, gezielte, Vergrämung ist in dem hier vorliegenden Fall eine zumutbare Alternative. Diese Maßnahme ist ein Versuch, das Tier dazu zu bringen, wieder von sich aus Distanz zum Menschen zu halten. Durch die Besenderung des Tieres – der VHF-Sender funktioniert noch – sind die Voraussetzungen gegeben, dass die Vergrämungsversuche wiederholt und gezielt erfolgen können. Allerdings gibt es trotzdem keine Erfolgsgarantie, dass die Vergrämung einen nachhaltigen Effekt auf das Tier hat. Das liegt an der starken Habituierung, die wahrscheinlich auch MT6 bereits als Welpe erfahren hat, sowie der allmählichen Verstärkung seines Verhaltens über die letzten Wochen. Deshalb sollten zeitgleich Maßnahmen vorbereitet werden, die eine Entnahme des Tieres aus der Natur ermöglichen."

Abschließend zum Vergrämungsvorgehen gibt die Bundesstelle den Hinweis, dass eine gezielte, negative Konditionierung durch solche Personen erfolgen sollte, die sowohl über praktische Erfahrung mit wildlebenden Wölfen verfügen, als auch Erfahrung mit der professionellen Vergrämung von Großkarnivoren haben. Nach Recherchen der Bundesstelle sei das Swedisch Wildlife Damage Centre in Grimsö (Schweden) die einzige Institution in Europa, die über entsprechende Erfahrung mit Wölfen verfüge.

Artikel-Informationen

erstellt am:
22.02.2016

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