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Fracking

Erdöl- und Erdgasgewinnung und Fracking „Fracking“ ist die Kurzbezeichnung für „hydraulic fracturing“ (aus dem englischen „to fracture“ - aufbrechen, aufreißen: Hydraulische Frakturierung, hydraulische Risserzeugung) und bezeichnet eine Technologie für die Erschließung von Erdgas, Erdöl und tief gelegenen Wärmereservoiren. Hierbei werden über ein Bohrloch, mittels hydraulischen Drucks, künstliche Risse im dichten Untergrundgestein erzeugt, durch die im Gestein enthaltene Gase und Flüssigkeiten dem Bohrloch zuströmen können. Die eingesetzte Flüssigkeit besteht zum größten Anteil aus Wasser und ist mit chemischen Zusätzen und Stützmitteln (z.B. Quarzsand) versehen, die unter anderem eine Offenhaltung der erzeugten Risse und damit die Gasdurchgängigkeit möglichst lange garantieren sollen. Die Frackingflüssigkeit wird individuell zusammengesetzt bzw. gemischt (SRU 2013), in Abhängigkeit vom Gesteinstyp, von der Tiefe der Lagerstätte sowie deren Eigenschaften.

Bei der Anwendung der Fracking - Technologie wird allgemein zwischen der Erdgasgewinnung aus sogenannten konventionellen Lagerstätten, das heißt aus Sand- und Karbonatgesteinen, und aus Schiefer- und Kohleflözlagerstätten, den sogenannten unkonventionellen Lagerstätten, unterschieden (siehe Abbildung 1). Die Erdgasförderung aus konventionellen Lagerstätten mittels Fracking hat sich in Deutschland seit den 1960er Jahren etabliert. Bei unkonventionellen Lagerstätten wurde die Methode zu Testzwecken bisher lediglich einmal (Bohrung Damme 3) angewandt. Insbesondere bei der unkonventionellen Gasgewinnung stellt der Einsatz der Horizontalbohrtechnik über mehrere Kilometer eine technische Weiterentwicklung zur Förderung dar. Seit den 1990er Jahren gehört die Horizentalbohrtechnik auch zur Standardtechnologie bei der Erschließung konventioneller Erdgas- und inzwischen auch Erdöllagerstätten.

Aufgrund der bei der unkonventionellen Erdgasförderung nicht kalkulierbaren Risiken lehnt die Landesregierung die Nutzung dieser Erdgasvorkommen entschieden ab. Auch Erprobungsmaßnahmen mit dem Zweck, diese Technologie wissenschaftlich zu untersuchen, hält die Landesregierung nicht für vertretbar. Mögliche Risiken für die Umwelt können vor allem aus dem Kontakt der Frackingflüssigkeit mit der Umgebung entstehen, durch Leckagen am Bohrplatz oder im Bohrloch sowie durch den weiteren Umgang bzw. die Entsorgung des sogenannten Lagerstättenwassers. Der Einsatz der Frackingtechnologie wird deshalb seit geraumer Zeit gesellschaftlich und politisch kontrovers diskutiert. Der Bundesgesetzgeber hat vor diesem Hintergrund am 4. August 2016 umfangreiche Änderungen festgeschrieben. Nach Inkrafttreten des „Frackinggesetzes“ mit seinen Änderungen der Bundesgesetze - Wasserhaushaltsgesetz und Bundesnaturschutzgesetz - am 10.Februar 2017 bestehen umfangreiche Regelungen und Rahmenbestimmungen zum Schutz von Gewässern, insbesondere von Grund- und Trinkwasservorkommen.

Für Fracking und Lagerstättenwasserversenkung sind dies insbesondere

- die Definition der in Betracht kommenden Benutzungstatbestände,

- die Definition der Voraussetzungen für die Erteilung einer Erlaubnis,

- die Definition von Ausschlussgebieten sowie

- Regelungen zu Antragsunterlagen und Überwachung.

Diverse Gebiete sind von Fracking und Lagerstättenwasserversenkung strikt ausgeschlossen, so in oder unter

- festgesetzten Wasser- und Heilquellenschutzgebieten,

- Einzugsgebieten zur Wassergewinnung für öffentliche Wasserversorgung,

- Gebieten, aus denen über Oberflächenabfluss Wasser

- in einen See gelangt für öffentliche Wasserversorgung,

- in Talsperren gelangt für öffentliche Wasserversorgung,

- Einzugsgebieten von Brunnen nach dem Wassersicherstellungsgesetz,

- Einzugsgebieten

- zur Mineralwassergewinnung,

- von Heilquellen,

- von Wasserentnahmestellen für Lebensmittel.

Regelungen, die Trinkwasservorranggebiete betreffen, also Gebiete, die nach Raumordnungsrecht für eine künftige Wasserversorgung in Betracht kommen, wurden nicht in die Liste der bundesrechtliche Ausschlussgebiete aufgenommen. Frackingvorhaben bzw. Vorhaben zur Versenkung von Lagerstättenwasser in diesen Bereichen müssen daher als Einzelfall betrachtet und entschieden werden. Eine wesentliche Rolle bei diesbezüglichen behördlichen Entscheidungen spielen der wasserwirtschaftliche Besorgnisgrundsatz und der Grundsatz des Vorrangs der öffentlichen Wasserversorgung.

Es ist darauf hinzuweisen, dass entsprechende Vorhaben stets im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung mit Öffentlichkeitsbeteiligung ablaufen müssen und überdies einer wasserrechtlichen Genehmigung der zuständigen unteren Wasserbehörde bedürfen.

Als Auftrag aus dem Koalitionsvertrag der Regierungsfraktionen SPD und CDU vom Herbst 2017 prüft die Landesregierung derzeit, inwieweit ein generelles Verbot der Erdgas- bzw. Erdölförderung, auch ohne Einsatz von Fracking, in Wasserschutzgebieten erforderlich ist.

Artikel-Informationen

12.12.2018

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