Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz klar

Verschmutzung von Oberflächengewässern durch Chemikalien

Um eine nachhaltige Wassernutzung für künftige Generationen zu gewährleisten, muss die Verschmutzung der Oberflächengewässer durch prioritäre Stoffe beseitigt werden. Zu den prioritären Stoffen gehören zum Beispiel Schwermetalle, nicht mehr zugelassene Pflanzenschutzmittel oder bestimmte Industriechemikalien. Besondere prioritäre gefährliche Stoffe sollen aus dem Wasserkreislauf innerhalb einer Generation gänzlich ausgeschleust werden. Damit wird auch Zielen des Meeresschutzes entsprochen. Die prioritären und prioritären gefährlichen Stoffe werden europaweit festgelegt. Sie sind in Deutschland in der Oberflächengewässerverordnung aufgeführt.

Die Stoffliste wird kontinuierlich überprüft und ergänzt. Besondere Aufmerksamkeit genießen dabei derzeit sogenannte Spurenstoffen (früher als Mikroverunreinigungen bezeichnet). Zu den Spurenstoffen werden insbesondere Wirkstoffe aus Humanarzneimitteln und ihre Abbauprodukte gezählt.

Arzneimittel sollen zuallererst mit einer hohen Dosierung effektiv im Körper wirken. Auch nimmt die Aufwandsmenge aufgrund der demografischen Entwicklung weiter zu. Umweltverträglichkeitsaspekte werden angesichts der Gesundheitsanforderungen bisher eher nachrangig betrachtet. Bei einer i.d.R. nicht auf Spurenstoffe ausgerichteten Abwasserreinigungstechnik ist es damit zwangsläufig, dass die Oberflächengewässer in Niedersachsen positive Befunde von Humanarzneimitteln in allen Flussgebieten aufweisen, zum Teil mit einer nachdrücklichen Verschlechterung.

Bei den Spurenstoffen können negative Auswirkungen auf die Umwelt auch bei geringsten Konzentrationen nicht von vorne herein ausgeschlossen werden. Die Konsequenzen einer geringen, jedoch permanenten Exposition gegenüber Arzneistoffen sind humantoxikologisch und ökotoxikologisch noch weitgehend unerforscht.

Vor allem wegen einer Betroffenheit der Trinkwassergewinnung aus Oberflächengewässern, die in Niedersachsen jedoch aufgrund weit überwiegender Versorgung aus dem Grundwasser nicht gegeben ist, wird bundesweit die Einführung von Verfahren zur weitergehenden Elimination von Spurenstoffen bei der kommunalen Abwasserreinigung (4. Reinigungsstufe) gefordert. Die Diskussion zur Verantwortlichkeit für die kostenintensive Nachrüstung in der Politik und auch in der Fachwelt wird sehr kontrovers geführt. Niedersachsen hat sich über ein beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband in Auftrag gegebenes Forschungsvorhaben über Mikropartikel eingebracht und beteiligt sich finanziell an einem bundesweiten Forschungsvorhaben des Umweltbundesamtes (UBA) zum Thema Spurenstoffen.

Vor Realisierung einer vierten Reinigungsstufe müssen weitere offene Fragen geklärt werden. Es bedarf klarer rechtlicher Vorgaben durch den Bund, um erforderliche Investitionen gegenüber den Gebührenzahlern rechtfertigen zu können.

Auch bei der in den Städten Braunschweig und Wolfsburg langjährig praktizierten Abwasserverregnung zeigt sich wie bei der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung, dass eine aus Kreislaufsicht wünschenswerte Mehrfachnutzung voll gereinigten Abwassers vor dem Hintergrund von Spurenstoffverlagerungen neu bewertet werden muss.

Um die Belastung der Gewässer mit anthropogenen (also durch den Menschen hervorgerufenen) Spurenstoffen wirkungsvoll zu verringern, müssen Vermeidung- bzw. Minderungsstrategien politikübergreifend von der Stoffzulassung über die Eintragsmechanismen bis zu ‚End-of-pipe-Maßnahmen' auf internationaler und nationaler Ebene entwickelt und abgestimmt werden.

Ein für Niedersachsen bedeutsames Thema sind die Tierarzneimittel. Diese gelangen in erster Linie über die Verbringung der Wirtschaftsdünger in Boden, Grund- und Oberflächengewässer.

Wegen des großflächigen Einsatzes von Gülle sind Tierarzneimittel ein relevantes Thema für das Grundwasser und ggf. auch für die Wasserversorgung in Niedersachsen. Hier sollen umfangreiche Untersuchungsprogramme Aufschluss über Mechanismen des Stofftransports und Betroffenheiten geben.

Artikel-Informationen

17.10.2017

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