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Land investiert Rekordsumme in den Küsten- und Hochwasserschutz

Bau- und Finanzierungsprogramme 2026 für Binnenland und Küstenschutz vorgestellt / Minister Meyer: „Wir setzen den Hochwasserschutz konsequent fort, um Bevölkerung und Wirtschaft vor Folgen der Klimakrise zu schützen“


PI 018/2026

Die Klimakrise zeigt sich immer deutlicher durch extreme Wetterlagen, Starkregen-ereignisse und damit verbundene Hochwasserlagen. Der Meeresspiegel steigt weiter an und erhöht zunehmend den Druck auf unsere Küstenschutzanlagen. Die Landesregierung stellt sich dieser enormen Herausforderung mit höchster Priorität. Die Mittel für den Küsten- und Hochwasserschutz, zur Steigerung von Klimaresilienz, Klimaschutz und Klimaanpassung sind auf Rekordniveau. Ebenso wurde das Personal im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz NLWKN für diese Daueraufgabe deutlich aufgestockt und die Kommunen werden bei der Erstellung und Umsetzung von Klimafolgenanpassungen vom Land mit dem neuen Klimagesetz dauerhaft finanziell unterstützt.

„Wir stehen beim Küsten- und Hochwasserschutz vor einer der zentralen Zukunftsaufgaben unseres Landes: dem Schutz unserer Bevölkerung, unserer Wirtschaftsräume und unserer Lebensgrundlagen vor den Folgen der Klimakrise“, sagt Umweltminister Christian Meyer. „Unsere Deiche und Küstenschutzanlagen schützen mehr als 1,1 Millionen Menschen und Vermögenswerte von rund 200 Milliarden Euro. Wir setzen in Niedersachsen den Hochwasserschutz deshalb konsequent fort. Wir verstärken und erhöhen die Deiche an der Küste und auf den Inseln genauso wie im Binnenland, wir sanieren im ganzen Land Siel- und Schöpfwerke, wir finanzieren Hochwasserrück-haltebecken, Gewässerrenaturierung und Entsiegelung; aber wir stärken auch den natürlichen Hochwasserschutz durch Deichrückverlegungen und natürliche Überschwemmungsbereiche. Und wir beschleunigen die Verfahren und geben mit dem neuen Wassergesetz allen Küsten- und Hochwasserschutzmaßnahmen einen öffentlichen Vorrang.“

Um möglichst viele Maßnahmen rechtzeitig umzusetzen, hat Niedersachsen dieses Jahr erstmals beide Programme für den Küstenschutz und den Hochwasserschutz im Binnenland frühzeitig fertiggestellt. Für das Jahr 2026 wird der Hochwasserschutz im Binnenland und der Küstenschutz erstmalig mit rund 124 Millionen Euro ausgestattet. Somit wird landesweit eine Rekordzahl von mehr als 280 Maßnahmen umgesetzt, geplant oder fortgeführt.

Neben der schon beschlossenen Erhöhung des Sondervermögens für den Hochwasser- und Küstenschutz um eine Viertel Milliarde Euro (254 Millionen Euro zusätzlich) in den nächsten Jahren erhält der NLWKN zusätzliches Personal, um bei Genehmigungen und anderen Aufgaben noch schneller zu werden.

„Wir bereiten uns darauf vor, unsere 617 Kilometer Küste in den nächsten Jahren und Jahrzehnten um mindestens einen Meter – mit Vorbereitung auf das Vorsorgemaß von zwei Metern – aufgrund des zu erwartenden Meeresspiegelanstiegs zu erhöhen. Niedersachsen investiert so viel wie noch nie in Klimaschutz, Energiewende, Naturschutz, Wassermanagement und in den Küsten- und Hochwasserschutz. Klimaschutz und Anpassung an die Folgen der Klimaerwärmung ist Daseins- und Zukunftsvorsorge im besten Sinne. Niedersachsen investiert in Zukunft und ein gutes Klima“, so der Umwelt- und Klimaschutzminister.

Ein neuer Schwerpunkt ist die Sanierung und Modernisierung der Schöpfwerke im Land. Mit dem Generalplan Siel- und Schöpfwerke des NLWKN, der in der zweiten Jahreshälfte 2026 fertig gestellt wird, plant das Land auch eine neue Förderung. Angesichts der hohen Zahl an Anträgen für die Modernisierung der wasserwirtschaftlichen Anlagen hat Umweltminister Christian Meyer entschieden, noch dieses Jahr weitere 20 Millionen für die Sanierung und Grundinstandsetzung der Schöpfwerke bereitzustellen.

„Die finanziellen Rahmenbedingungen für Hochwasserschutzprojekte sind weiter auf einem sehr guten Niveau. Jetzt geht es darum, die Maßnahmen mit den Maßnahmenträgern in der Fläche zeitnah umzusetzen“ sagt Anne Rickmeyer, Direktorin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.


Hochwasserschutz im Binnenland: 42 Millionen für über 120 Maßnahmen

Im diesjährigen Bau- und Finanzierungsprogramm für den Hochwasserschutz im Binnenland stehen für die Planung und Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen rund 42 Millionen Euro zur Verfügung. Mit diesen Mitteln werden in diesem Jahr mehr als 120 Hochwasserschutzvorhaben von Verbänden, Kommunen und dem Land fortgeführt oder neu begonnen.

Die Auswahl der umzusetzenden Maßnahmen erfolgte auf Grundlage der Bedarfsanmeldungen der Verbände, der Kommunen sowie des NLWKN aus 2025 sowie unter Berücksichtigung der Dringlichkeit der einzelnen Vorhaben.

Schwerpunkte beim Hochwasserschutz (HWS) im Binnenland sind in diesem Jahr vor allem die Grundinstandsetzung von Schöpfwerken, z.B. in den Landkreisen Stade, Cuxhaven und im Heidekreis, sowie der Deichbau oder die Deichverstärkung mit Einzelbauvorhaben im Millionenbereich in den Landkreisen Diepholz, Lüneburg sowie Friesland und Witt­mund. Hinzu kommt eine Vielzahl an Vorarbeiten oder Planungen von Einzelmaßnahmen, die dann wiederum die Grundlage für größere bauliche Projekte in den Folgejahren bilden. So können Planungen in den Landkreisen Osnabrück (Neubau Hochwasserabschlag Gehobene Hase), Göttingen (Stadt Hann.-Münden: HWS-Konzept Schede) und in der Region Hannover (Neustadt a.R.: HWS Silbernkamp) begonnen oder fortgeführt werden.

Aber auch für die Deichrückverlegung „Vitico“ im Gebiet des Artlenburger Deichverbandes oder für das Hochwasserrückhaltebecken in Haaren-Wasseracht (Erneuerung elektrotechnische Ausrüstung) sind Mittel vorgesehen. Alleine die Deichrückverlegung und Auenentwicklung in Stuhr wird rund 14 Millionen Euro kosten – ein Projekt, das nicht nur den Hochwasserschutz verbessert, sondern zugleich Retentionsräume schafft und die ökologische Vielfalt stärkt.

Die Finanzierung des Hochwasserschutzes im Binnenland erfolgt aus verschiedenen Finanzierungsquellen wie dem EU-Programm ELER, dem Bundesprogramm GAK – zuzüglich der Kofinanzierung des Landes – und zusätzlichen Landesmitteln aus dem Wirtschaftsförderfonds Ökologischer Bereich.

Aus dem Wirtschaftsförderfonds hat das Land angesichts der hohen Zahl von Anträgen zur Sanierung und Grundinstandsetzung von Siel- und Schöpfwerken eine zusätzliche Förderung in Höhe von 20 Millionen Euro vorgesehen. Ende 2026 stellt der NLWKN den „Generalplan Siel- und Schöpfwerke“ fertig.


Küstenschutz: 82 Millionen für knapp 160 Maßnahmen

Im Bau- und Finanzierungsprogramm für den Küstenschutz stehen für die Planung und Umsetzung von Küstenschutzmaßnahmen Haushaltsmittel in Höhe von rund 82 Millionen Euro zur Verfügung. Der Küstenschutz bleibt eine dauerhafte und essentielle Aufgabe des Landes.
Dazu NLWKN-Direktorin Anne Rickmeyer: „Trotz der Erhöhung der Haushaltsmittel bleibt die Umsetzung der einzelnen Küstenschutzmaßnahmen eine Herausforderung. Der NLWKN unterstützt sowohl als Maßnahmenträger bei den Inselschutzmaßnahmen als auch als Partner der Deichverbände bei Küstenschutzvorhaben.“

Auch wenn die jüngsten Sturmfluten nicht die Schäden früherer Ereignisse erreicht haben, zeigt sich deutlich, dass die Küstenschutzanlagen weiterhin vorausschauend ertüchtigt werden müssen. Der erwartete Anstieg des Meeresspiegels fließt entsprechend dem Vorsorgeprinzip bereits in die Planungen mit ein. Die neuen fachlichen Grundlagen im Rahmen der Klimaschutzstrategie erfordern ein erhöhtes Vorsorgemaß. Aktualisierte Berechnungen der Bemessungswasserstände führen zu zusätzlichen Bedarfen entlang weiter Teile der Hauptdeichlinie.

„In einem Land wie Niedersachsen, mit über 600 Kilometern Hauptdeichlinie an der Küste ist Vorsorge keine Option, sondern eine Verpflichtung – gegenüber den Menschen, die hier leben, und gegenüber kommenden Generationen“, so Minister Meyer.

Die Verwendung der Küstenschutzmittel erfolgt wie in den Vorjahren auf Basis der „Generalpläne Küstenschutz“, der Bedarfsanmeldungen sowie der fachlichen Bewertung der Dringlichkeit der einzelnen Vorhaben. Vorrang haben unaufschiebbare Maßnahmen bei konkreter Gefährdung von Deichen oder Schutzdünen, Maßnahmen zur Bestandserhaltung der Ostfriesischen Inseln sowie die Fortführung bereits begonnener Projekte.

Für den staatlichen Küstenschutz auf dem Festland sind im Jahr 2026 rund 10 Millionen Euro für 21 Maßnahmen vorgesehen. Im Bereich der Inseln stehen rund 6 Millionen Euro für 24 Maßnahmen bereit. Den Deichverbänden sollen insgesamt rund 63,6 Millionen Euro für 112 Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden, das sind 4,5 Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen Mittel für „planerische Vorarbeiten und Reserve“ von insgesamt 2,4 Millionen Euro.

Zu den finanziell umfangreicheren Vorhaben zählen dabei Projekte in Winsen an der Luhe, an der Elbe auf Krautsand, in Ostendorf‑Gräpel, am Dedesdorfer Siel, die Erneuerung der Deckwerke am Voslapper Seedeich und in Leyhörn, die Ertüchtigung des Deiches zwischen Upleward und Manslagt sowie die Deicherhöhung Harlesiel (einschließlich Siel- und Schöpfwerk). Auch auf der Insel Juist werden Deicherhöhungen durch Planung und Kleigewinnung vorbereitet.


Siehe dazu die Bau- und Finanzierungsprogramme mit allen in 2026 geplanten Maßnahmen.


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