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Meyer: "Bundesregierung riskiert Fadenriss beim Offshore-Ausbau und beim Wasserstoff-Hochlauf"

Gemeinsame Stellungnahme zum Nordsee-Gipfel in Hamburg


PI 006/2026

Anlässlich des Nordsee-Gipfels am kommenden Montag in Hamburg fordern die Energiewendeminister von Niedersachsen und Schleswig-Holstein ein klares Bekenntnis zu den Windkraft-Ausbauzielen in der Nordsee und eine umgehende Reform der Ausschreibungsregelungen für Offshore-Wind in Deutschland. Damit es nicht zu einer weiteren Nullgebotsauktion bei Offshore kommt, sollte auch von Bundesenergieministerin Reiche eine weitere Pleite vermieden werden. Es darf jetzt durch Herunterschrauben der Ausbauziele kein Fadenriss in der wichtigen Offshore-Windindustrie in Europa entstehen.

Gerade der aktuelle Kampf von Präsident Trump gegen Windräder in der Nordsee in seiner Davos-Rede zeigt, dass die heimische Windenergie erheblich zur Unabhängigkeit, Sicherheit und Resilienz der europäischen Energieversorgung beiträgt und die Abhängigkeit von fossilen Importen bei Gas, Öl und Kohle vermeidet.

Das im Wind-Auf-See-Gesetz festgelegte Ausbauziel von 70 Giga-Watt Offshore-Wind von der gesamten Bundesregierung sollte bekräftigt und nicht ausgebremst werden. Um ein erneutes Scheitern der Ausschreibungen zu vermeiden, fordern die Energieminister neben Planungssicherheit und Verlässlichkeit endlich ein neues, faires Ausschreibungsdesign, damit der Ausbau der Offshore-Windenergie und auch der Hochlauf beim Wasserstoff – durch Herstellung von grünem Wasserstoff auf See und an Land – im europäischen Verbund per Turbo vorangetrieben wird.

Gleichzeitig begrüßen die beiden norddeutschen Länder die verstärkte internationale Zusammenarbeit beim Ausbau der Offshore-Windenergie ausdrücklich und erklären ihre Bereitschaft, weiterhin die notwendige landseitige Anbindung voranzutreiben.

Tobias Goldschmidt, Energiewendeminister in Schleswig-Holstein, erklärt: „Die gescheiterten Offshore-Ausschreibungen im vergangenen Jahr sind kein Ausrutscher, sondern ein klares Warnsignal. Wenn jetzt nicht schnell gegengesteuert wird, kommt der Offshore-Ausbau zu spät, um wirksam zur Erreichung der Klimaziele beizutragen und günstigen Industriestrom zu sorgen. Für unsere Energie-Unabhängigkeit und damit unsere Sicherheit ist der Offshore-Ausbau entscheidend. Die Bundesregierung hat die längst überfällige Überarbeitung des Ausschreibungs-Designs bislang völlig verschlafen. Der Stillstand im Bundeswirtschaftsministerium muss ein Ende haben, sonst droht ein teurer Stillstand beim Offshore-Ausbau. Der Nordsee-Gipfel muss ein Weckruf sein, dass Energiewendepolitik Industriepolitik ist. Eine weitere Nullnummer bei den Ausschreibungen wäre ein schwerer Schlag gegen den Industriestandort Deutschland, den einzig und alleine die Bundesregierung zu verantworten hätte.“

Der niedersächsische Energieminister Christian Meyer betont: „Die Nordsee wird unser Energiemotor für günstigen, heimischen und klimaschützenden Strom im europäischen Verbund. Heimische, erneuerbare Energien sind auch die europäische Antwort auf die Erpressungen von Putin und Trump mit der Abhängigkeit von fossilen Energieimporten. Das bewusste Scheitern der Ausschreibungen, eine mögliche Reduzierung der Ausbauziele auf See und das vermehrte Vorantreiben von fossilen Gaskraftwerken sowie Importen konterkarieren die Energieunabhängigkeit und die Klimaanstrengungen Europas. Zehntausende Arbeitsplätze in Norddeutschland hängen am Ausbau der Offshore-Windenergie."

Meyer weiter: „Die Bundesregierung muss bei den Ausschreibungen zudem die europäische Produktion und den CO2-Fussabdruck etwa durch grünen Stahl berücksichtigen, damit wir eine europäische Offshore-Windbranche behalten. Ein Ausbremsen des Offshore-Ausbaus wäre gerade jetzt das falsche Signal für eine gelingende Energiewende sowie die Wirtschaftskraft und die Wertschöpfung durch sauberen, sicheren und günstigen Strom aus der Nordsee. Dazu brauchen wir mehr Zusammenarbeit mit den Partnerländern bei Stromnetzen und Wasserstoffausbau und nicht weniger.“

Sollten erneut Bieter für Offshore-Projekte ausbleiben, wäre dies energie-, klima-, aber auch industriepolitisch fatal. Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass zahlreiche Offshore-Projekte zeitlich gebündelt Anfang der 2030er Jahre realisiert werden müssen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Ohne frühzeitige Investitionsentscheidungen, verlässliche Marktregeln und abgestimmte Infrastrukturplanung drohen massive Engpässe in Planung, Bau, Netzanbindung und Lieferketten – mit direkten Risiken für die Erreichung der Klima- und Realisierungsziele. Aus Sicht der beiden norddeutschen Länder ist das derzeitige Auktions- und Marktdesign einer der zentralen Bremsklötze. Die Energieminister von Niedersachsen und Schleswig-Holstein fordern den Bund daher nachdrücklich auf, die angekündigte Reform des Auktionsdesigns unverzüglich abzuschließen und noch vor weiteren Ausschreibungen umzusetzen.

Potentiale internationaler Kooperationen nutzen

Grenzüberschreitende Offshore-Projekte, hybride Anbindungen und insbesondere eine engere Kooperation mit unseren Nordsee-Nachbarstaaten können dazu beitragen, Flächen besser zu nutzen, Volllaststunden zu erhöhen und das Energiesystem insgesamt zu entlasten. Der schleswig-holsteinische Energiewendeminister Goldschmidt betont: „Dänemark und die Niederlands sind Premiumpartner bei der Energiewende. Wir haben bereits erfolgreich bei grenzüberschreitenden Infrastrukturprojekten zusammengearbeitet und werden diesen Weg auch in Zukunft konsequent weitergehen. An besser ausgenutzten, gebündelten und damit im Ergebnis weniger Leitungen durch den sensiblen Naturraum, mit denen aber nahezu die gleiche Energiemenge angelandet werden kann, ist mir auch als Umweltminister sehr gelegen. Ich erwarte, dass der Gipfel uns dabei einen großen Schritt weiterbringt.“ Für die Akzeptanz der Energiewende sei entscheidend, Synergie-Effekte zu nutzen, um wettbewerbsfähige Strompreise zu erreichen.

Niedersachsens Energieminister Meyer weist auf die gemeinsamen Nordseeprojekte hin: „Neben der großartigen Stromleitung nach Norwegen, der Zusammenarbeit mit den Niederlanden und Norwegen, sind weitere Stromkabel – etwa nach Großbritannien – im Bau, um den europäischen Stromverbund mit Erneuerbaren Energien zu stärken. Mit dem europäischen Großprojekt „AquaDuctus“, der Herstellung von grünem Wasserstoff direkt neben den Windparks in der Nordsee und der geplanten Wasserstoffpipeline nach Niedersachsen, die wir zusammen mit dem Bund mit Millionenbeträgen fördern, haben wir die große Chance, gemeinsam Erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff in der Nordsee kostengünstig zu produzieren. Alleine die Wasserstoffherstellung auf See könnte die Netzentgelte in Deutschland um bis zu 31 Milliarden Euro entlasten. Somit wird grüner Wasserstoff wettbewerbsfähig erzeugt und der Naturraum Wattenmeer durch geringere Stromtrassen entlastet.“

Offshore-Rettung und Gewinnung von Arbeitskräften

Für die Menschen, die Windenergie-Anlagen auf See errichten, warten und betreiben, braucht es auch gute und sichere Arbeitsbedingungen. Als Berichterstatter für den Bundesrats-Gesetzentwurf zur Offshore-Rettung appelliert Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Meyer zudem, die Beratungen hierzu im Bundestag endlich abzuschließen: „Alle Länder sind sich einig, dass der Bund seine Verantwortung übernehmen und die gesetzlichen Voraussetzungen für die Gründung eines Rettungs-Infrastrukturverbandes schnellstmöglich schaffen muss. Nur wenn die Arbeitssicherheit gewährleistet ist, kann die nächste Ausbaustufe mit küstenferneren Standorten losgehen. Wir fordern die Koalition auf, dies nicht weiter aufzuschieben, sondern jetzt auf Grundlage des Gesetzentwurfs des Bundesrates, der von Niedersachsen und den Küstenländern initiiert wurde, eine tragfähige Rechtsgrundlage zu schaffen, auf die die Branche schon lange wartet. Das haben die Menschen, die bei jedem Wetter unsere Energieversorgung sicherstellen, verdient. Gute Energie und gute Arbeit gehören zusammen.“

Der schleswig-holsteinische Energiewendeminister Goldschmidt ergänzt: „Draußen auf See arbeiten viele Menschen in der Offshore-Windkraftbranche an einer sicheren und klimafreundlichen Energieversorgung für Europa. Ihre Sicherheit muss auch in Zukunft Priorität haben. Das dafür erforderliche neue Regelwerk müssen wir jetzt schaffen. Der Offshore-Ausbau ist ein wichtiger Baustein für die Energiewende in Schleswig-Holstein und Garant der Energieversorgung in ganz Deutschland. Mit den Windparks auf hoher See werden – buchstäblich und im übertragenen Sinn – neue Arbeitsgebiete erschlossen. Diejenigen, die unter rauen Bedingungen für unser aller Stromversorgung draußen auf den Meeren arbeiten, müssen sich auch in Zukunft im Fall der Fälle auf schnelle und gute medizinische Rettung verlassen können. Wir brauchen einen gemeinsamen Rahmen für alle Betreiber und einheitliche Standards für die Rettung von Plattformen auf hoher See, damit der Ausbau gut, schnell und sicher gelingt. Deshalb freue ich mich besonders, dass der Gesetzentwurf eine echte Teamleistung ist: Verschiedene Bundesländer und Ressorts haben zusammengearbeitet und waren im intensiven Austausch mit der Branche, um nun einen durchdachten, breit getragenen Vorschlag vorlegen zu können. Dieser muss nun zügig in Berlin weiterbewegt werden.“

Appell auch an die EU

Einen klaren Appell richten die Minister auch an die Europäische Kommission und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die laufenden EU-Initiativen zum Ausbau der Offshore-Windenergie und zur europäischen Netzinfrastruktur müssten stärker auf verlässliche Markt- und Finanzierungsbedingungen ausgerichtet sein. Zudem sollten die aktuell begrenzten Lieferkapazitäten für die geplanten Offshorewind- bzw. Netzausbauprojekte zwischen den Mitgliedstaaten eingehender koordiniert werden. Nur so lasse sich verhindern, dass die ambitionierten Ausbauziele in der Praxis an Investitions- und Infrastrukturengpässen scheitern.

Der niedersächsische Energieminister Meyer betont: „Die Nordsee ist eine gemeinsame europäische Energielandschaft. Wer Offshore-Wind weiter rein national denkt, riskiert ineffiziente Strukturen und unnötige Verzögerungen.“ „Grenzüberschreitende und hybride Projekte sind keine Kür, sondern Voraussetzung, um den Ausbau rechtzeitig und kosteneffizient umzusetzen“, ergänzt Tobias Goldschmidt

Beide Länder wollen Planungs- und Genehmigungsprozesse für leistungsfähige Stromnetze und Kabeltrassen an Land ihrerseits aktiv unterstützen und voranbringen – erwarten dafür aber klare und verlässliche Rahmenbedingungen von Bund und EU. „Die Länder und die Branche stehen bereit – jetzt müssen Bund und EU dafür sorgen, dass die Offshore-Energiewende auch umgesetzt werden kann“, so das gemeinsame Fazit.

Artikel-Informationen

erstellt am:
23.01.2026

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