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erstellt am:
17.04.2026
PI 032/2026
Der neue Klimarat für Niedersachsen hat in seiner konstituierenden Sitzung am (heutigen) Freitag Prof. Dr. Anne Schierenbeck von der Hochschule Osnabrück als neue Vorsitzende gewählt. Ihre Stellvertretung übernimmt Bernhard Osterburg vom Johann Heinrich von Thünen-Institut in Braunschweig. Mit der konstituierenden Sitzung hat das Gremium seine Arbeit aufgenommen. „Ich danke allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Verbänden für ihre wichtige Mitarbeit, die Klimaziele in Niedersachsen zu erreichen“, so Niedersachsens Klimaschutzminister Christian Meyer. „Ich freue mich sehr auf viele gute, konstruktive, praxisorientierte und sicher auch kritische Hinweise für den niedersächsischen Weg in die Klimaneutralität.“
Im Mai 2025 hat die Landesregierung die Klimaschutzstrategie für Niedersachsen an die neuen gesetzlichen Ziele angepasst. Diese soll nun vom Klimarat und anschließend vom Bürgerrat bewertet werden und gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen vorschlagen. „Diese Konstruktion, sowohl Wissenschaft und Verbände als auch repräsentative Bürgerinnen und Bürger nach ihrer Meinung zu einzelnen Klimaschutzmaßnahmen zu fragen, ist einzigartig in Deutschland. Mit dem Klimarat schaffen wir eine wichtige Plattform, die Wissenschaft, Verbände sowie Bürgerinnen und Bürger einbindet und ernstnimmt“, so Meyer. „So stellen wir sicher, dass die besten Ideen aus den unterschiedlichen Perspektiven in die Klimapolitik des Landes einfließen und diese sozial gerecht und wirtschaftlich tragfähig ist.“
Außerdem seien Mitsprache und sachliche Diskussion orientiert an konkreten Lösungen beim Klimaschutz bedeutend. Meyer: „Das ist ein wichtiger Praxischeck für wirksamen Klimaschutz in Niedersachsen. Ich glaube es ist mehr als hilfreich, zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger bei der Umsetzung von Vorschlägen zum Klimaschutz zu beteiligen und deren Meinung einzuholen. Wir wollen Klimaschutz gemeinsam mit den Menschen umsetzen – und nicht über ihre Köpfe hinweg. Die Politik ist gut beraten, breit getragene Vorschläge von Klima- und Bürgerrat ernst zu nehmen und auch umzusetzen. Das könnte einen neuen, parteiübergreifenden Konsens im Bereich Klimaschutz ermöglichen.“
Der Klimarat, dessen Geschäftsstelle bei der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN) angegliedert ist, setzt sich aus sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen sowie neun Mitgliedern zusammen, die von Umwelt-, Wirtschafts-, Sozial-, Gewerkschaftsverbänden und den Kommunalen Spitzenverbänden vorgeschlagen wurden. Für einen „Praxischeck“ sollen darüber hinaus Bürgerinnen und Bürger beteiligt werden. Diese geben dann ein Votum zu den Vorschlägen der Wissenschaft und Verbände ab. Beides wird dann in einem Bericht an die Landesregierung und den Landtag veröffentlicht. „Die Überprüfung der Ideen und Vorschläge zum Klimaschutz durch Wissenschaft, Verbände und zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern, die einen Querschnitt der Bevölkerung nach Altersgruppen, Einkommen, Geschlechtern, Stadt und Land darstellen, ist wichtig für mehr Mitsprache beim praktischen und aktiven Klimaschutz“, so Klimaschutzminister Meyer.
In ihrer Klimaschutzstrategie hat die Landesregierung unter anderem festgelegt, klimaschädigende CO2-Emissionen bis 2030 um mindestens 75 Prozent und bis 2035 um mindestens 90 Prozent gegenüber 1990 zu mindern. „Aktuell sind die energiebedingten Treibhausgasemissionen um gut 30 Prozent gegenüber 1990 gesunken“, so Meyer. „Auch wenn wir bei den Erneuerbaren Energien und der Transformation der Wirtschaft schon sehr weit sind, brauchen wir vor allem im Sektor Verkehr und Gebäude/Wärme ein höheres Tempo, um unsere Zwischenziele und die Klimaneutralität 2040 zu erreichen.“ Darum müssten der Ausbau der Erneuerbaren Energien, die Wärmewende im Gebäudesektor und der Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft weiter „mit Nachdruck vorangetrieben“ werden, so der Minister. „Vor zwei Jahren haben wir unseren Strombedarf schon aus Erneuerbaren gedeckt, das war ein historischer Rekord. Und die Windenergie an Land bleibt mit knapp 6300 Anlagen die tragende Säule der Energiewende – zumal wir mit einer Genehmigungsdauer von neuen Windrädern von nicht einmal elf Monaten deutlich schneller sind als der Bundesdurchschnitt mit fast 17 Monaten.“ Aber, so der Klimaschutzminister, mehr als 50 Prozent des Energieverbrauchs entfallen auf den Wärmesektor, aktuell würden aber nur elf Prozent des Wärmebedarfs durch Erneuerbare gedeckt.
Darum sei das Signal, das Bundeswirtschaftsministerin Reiche immer wieder aus Berlin sendet, den Ausbau der Erneuerbaren ausbremsen zu wollen, mehr als fatal. Auch ein fossiles Rollback, etwa mit mehr Gasförderungen im Inland sowie neuen fossilen Gaskraftwerken im Süden, sieht Meyer skeptisch: „Niedersachsen setzt auf 100 Prozent Erneuerbare Energien, Netze und Speicher. Statt fossiler Irrtümer und Abhängigkeiten brauchen wir jetzt einen Turbo für kostengünstige heimische Energien und auch beim Hochlaufen von Wärmepumpen und Elektromobilität. Mit der kommunalen Wärmeplanung ist Niedersachsen hier weit vorn. Und wir wollen zeigen, dass Klimaschutz, Wirtschaftswachstum und soziale Gerechtigkeit zusammengehören. Daher sind auch die Gewerkschaften und Sozialverbände im Klimarat stark vertreten. Niedersachsen setzt auf sozialen Klimaschutz, etwa in der Sozialwirtschaft, aber auch auf den Umstieg für kleine Einkommen, auf die sich die Förderung konzentrieren sollte. Außerdem schafft die Energiewende Tausende Arbeitsplätze von Industrie, Bauwirtschaft bis Handwerk, vor allem in Niedersachsen. Wir machen uns widerstandsfähig und resilient gegen die fossilen Preissteigerungen an den Weltmärkten, wenn wir auf heimische Energien setzen – und darüber hinaus unabhängiger von Importen schädlicher fossiler Energien wie Öl und Gas. Heimische Energien aus Erneuerbaren sichern uns günstigen und sauberen Strom, Mobilität und Wärme.“
Für das Erneuerbaren-Land Nummer 1 ist aber auch der ein Ausbau-Turbo bei den Netzen ganz entscheidend. „Wir haben schon viele neue Windräder genehmigt“, so Energieminister Meyer. „Damit sie aber auch gebaut werden und ihren Nutzen haben können, brauchen wir effektive und leistungsfähige Stromnetze. Wir brauchen einen Netzausbau-Booster, den der Bund forcieren muss. Dafür sollte er jetzt zusätzliches Geld zur Verfügung stellen und die Verteilnetzbetreiber finanziell unterstützen. Gleichzeitig müssen die Netzbetreiber verpflichtet werden, die Netze in einem festen Zeitraum dann auch auszubauen. Passiert das nicht, müssen sie die finanzielle Förderung zurückzahlen und sanktioniert werden. Wir können es uns nicht leisten, den Wind- und Solarstrom, den wir in Niedersachsen im Überschuss produzieren, einfach wegzuwerfen.“
In den Klimarat des Landes Niedersachsen wurden berufen:
Wissenschaftliche Mitglieder:
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Name |
Institution |
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Prof. Dr. Anne Schierenbeck |
Hochschule Osnabrück, Professur für Energiemanagement |
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Prof. Dr. Ann-Kathrin Kößler |
Leibniz Universität Hannover, Professur für Umweltverhalten und Planung |
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Prof. Dr. Bernd Engel |
Technische Universität Braunschweig, Elenia Institut für Hochspannungstechnik und Energiethemen, Professur für nachhaltige Energiesysteme |
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Prof. Dr. Barbara Lenz |
DLR-Sonderprofessur für Verkehrsgeographie an der Humboldt-Universität zu Berlin, Direktorin des Instituts für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (bis 2021) |
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Prof. Elisabeth Endres |
Technische Universität Braunschweig, Professur für Gebäudetechnologie |
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Dipl.-Ing. agr. Bernhard Osterburg |
Leitung der Stabsstelle Klima, Boden, Biodiversität am Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei |
Weitere Mitglieder auf Vorschlag von Verbänden:
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Name |
Position |
Vorgeschlagen von |
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Jens Palandt |
Erster Regionsrat der Region Hannover, Dezernent für Umwelt, Klima, Planung und Bauen |
Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände Niedersachsens |
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Bianca Beyer |
Stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Unternehmerverbände Niedersachsen e. V. |
Unternehmerverbände Niedersachsen e. V. (UVN) |
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Björn Schaeper |
Sprecher Umwelt der IHK Niedersachsen; Geschäftsführer IHK Oldenburg |
IHK Niedersachsen (IHKN) |
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Gunter Stegemann |
Energieberater, Handwerkskammer Hannover) |
Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen e. V. |
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Susanne Gerstner |
Landesvorsitzende des BUND Niedersachsen |
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Niedersachsen e. V. |
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Prof. Dr. Holger Buschmann |
Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen |
NABU (Naturschutzbund Deutschland) Landesverband Niedersachsen e. V. |
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Dr. Nataly Jürges |
Referentin für Umweltrecht und -politik des Landesbauernverband |
Landvolk Niedersachsen Landesbauernverband e. V. |
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Prof. Dr. Silke Bothfeld |
Professorin für Internationale Sozial- und Wirtschaftspolitik an der Hochschule Bremen |
Deutscher Gewerkschaftsbund - Bezirk Niedersachsen - Bremen - Sachsen-Anhalt |
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Dr. Marie Kajewski |
Diözesan-Caritasdirektorin und Vorstandsvorsitzende, Caritasverband für die Diözese Hildesheim e.V. |
LAG der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen e. V. |
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17.04.2026