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erstellt am:
13.04.2026
PI 027/2026
Vor dem Hintergrund einer verschärften sicherheitspolitischen Lage hat die Landesregierung ihren Dialog zur Stärkung kritischer Infrastrukturen fortgesetzt. Im Niedersächsischen Umweltministerium fand heute die zweite Runde des Sicherheitspolitischen Dialogs zu den Bereichen Energie, Wasser und Telekommunikation statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kommunen und Wissenschaft haben dabei über aktuelle Risiken, Abhängigkeiten und Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung beraten.
„Die allgemeine Verschärfung der Sicherheitslage erfordert nicht nur eine Verringerung der Abhängigkeiten bei Energielieferungen und eine stärkere Nutzung heimischer Erneuerbarer Energien, sondern auch mehr Robustheit und zusätzliche Vorsorge für den Schutz kritischer Infrastrukturen. Das bedeutet auch: Wir müssen in die Strom-, Wasser- und Telekommunikationsnetze mehr investieren und diese resilienter machen, statt jetzt den Netzausbau auszubremsen “, erklärte Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Christian Meyer auch im Hinblick auf aktuelle Sparpläne von Bundeswirtschaftsministerin Reiche bei der Netzfinanzierung und dem Netzausbau.
Meyer erneuerte dabei auch die Forderung nach mehr Erdverkabelung. Diese sei nicht nur aus Gründen der Akzeptanz und der Schonung der Umwelt notwendig, sondern auch ein Sicherheitsgewinn gegenüber oberirdischen Leitungen. "Am Netzausbau und an der Sicherheit zu sparen, ist falsch", so der Energieminister. "Vielmehr sollte das gesamte System kritischer Infrastrukturen stärker beleuchtet werden. Dezentrale Erneuerbare Energien und Speicher sorgen für mehr Sicherheit! Zudem muss auch die zentrale Technik in europäischer Hand sein.“
Meyer betonte die strategische Bedeutung der Energiewende für die Versorgungssicherheit: „Die richtige Antwort auf die aktuelle Energiekrise und die enormen Preissteigerungen auf den Energiemärkten ist das noch schnellere Vorantreiben der Energiewende und des Ausbaus der Erneuerbaren Energien. Die Erneuerbaren machen uns unabhängiger von fossilen Energielieferungen aus Krisenregionen und sind damit ein zentraler Baustein für eine sichere und kalkulierbare Energieversorgung. Mit modernen Stromnetzen und Speichern können sie auch in Krisensituationen einen entscheidenden Beitrag leisten. Auch können E-Mobilität und der Betrieb von Solar- und Windenergieanlagen sowie resiliente Aufladestrukturen in öffentlichen Gebäuden mehr Sicherheit bieten. Diese Chancen heimischer, dezentraler Energieversorgung müssen wir konsequent nutzen.“
Auch im Bereich Wasserversorgung sei eine eigenständige Energieversorgung möglich, so Meyer: "Mit dem neuen Wassergesetz wollen wir den Wasserverbänden mehr Nutzung Erneuerbarer Energien ermöglichen und die Versorgung damit resilienter machen. Gleichzeitig investieren wir in die Modernisierung der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur – etwa beim Hochwasserschutz oder der energetischen Modernisierung der Pumpen in Schöpfwerken. Und wir müssen die Digitalisierung und den Ausbau der Telekommunikation sicherstellen. Dazu gehören eine funktionierende Notstromversorgung und die Mehrfachnutzung von Standorten."
An der Dialogrunde beteiligten sich unter anderem Dr. Jan Arning, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, Karsten Specht, Geschäftsführer des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes, Laura Friedrich, Senior Advisor Energiepolitik beim Netzbetreiber Amprion, sowie Frank Wiegelmann, Vorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen im Verband kommunaler Unternehmen (VKU).
Fachliche Impulse lieferte auch der Präsident der Bundesnetzagentur Klaus Müller zur aktuellen Sicherheitslage in den Bereichen Energie und Telekommunikation. Beiträge aus der Praxis kamen von Unternehmen und Verbänden der Energie-, Wasser- und Telekommunikationswirtschaft, die über konkrete Herausforderungen, bestehende Schutzmaßnahmen und Handlungsbedarfe berichteten.
Im Rahmen der Dialogrunde wurde insbesondere die enge Verzahnung der drei Sektoren Energie, Wasser und Telekommunikation deutlich. Störungen in einem Bereich können unmittelbare Auswirkungen auf andere Versorgungsbereiche haben und sich schnell systemisch ausweiten. Minister Meyer unterstrich die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure: „Wir haben eine neue Weltlage. Es kommt darauf an, die Zusammenarbeit zwischen Energie- und Wasserwirtschaft sowie Sicherheits- und Katastrophenschutzbehörden weiter zu intensivieren, um den Schutz unserer kritischen Infrastrukturen nachhaltig zu verbessern.“
Die Ergebnisse der Dialogrunde fließen in die Plenumssitzung des Sicherheitspolitischen Dialogs der Landesregierung Ende April 2026 ein. Ziel ist es, konkrete Empfehlungen zur weiteren Stärkung der Versorgungssicherheit und Resilienz kritischer Infrastrukturen in Niedersachsen zu erarbeiten.
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erstellt am:
13.04.2026

