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erstellt am:
26.03.2026
PI 021/2026
Mit dem heutigen Wärmewendekongress in der NBank hat Niedersachsen seine kontinuierlichen Aktivitäten zur Transformation des Wärmesektors erfolgreich fortgeführt. „Der Krieg im Iran führt uns drastisch vor Augen, wie verwundbar Energieversorgung ist, wenn sie von fossilen Importen und geopolitischen Abhängigkeiten geprägt bleibt. Genau deshalb müssen wir die Wärmeversorgung entschlossen dekarbonisieren“, sagte Ministerpräsident Olaf Lies auf dem Kongress. „Das ist Klimaschutz, Sicherheitsvorsorge und wirtschaftliche Vernunft zugleich. Gleichzeitig ist klar: Die Wärmewende darf kein soziales Risiko werden. Sie muss bezahlbar bleiben – für Eigentümerinnen und Eigentümer mit kleinen Einkommen ebenso wie für Mieterinnen und Mieter.“
Es sei deshalb richtig und wichtig, dass die Bundesregierung mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz einen neuen Weg einschlägt, so der Ministerpräsident. Er dankte Bundesbauministerin Verena Hubertz dafür, dass diese in den Beratungen für einen gestärkten Mieterschutz, klare Belastungsgrenzen und mehr Transparenz gesorgt habe. Mit Blick auf die vom Bund angekündigten Novellen der Fernwärmeverordnungen betonte Lies, dass Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen durch die Transformation nicht überfordert werden dürfen.
Niedersachsen stünde für einen Weg, der Klimaschutz, Versorgungssicherheit und soziale Verantwortung zusammenbringt. Der Kongress habe deutlich gemacht, dass es jetzt Tempo, Verlässlichkeit und eine klare politische Unterstützung braucht, damit die Wärmewende im Alltag der Bürgerinnen und Bürger ankommt, so der Ministerpräsident.
Umweltminister Meyer hob hervor, dass bereits mehr als 30 Kommunen ihren Wärmeplan bei der Niedersächsischen Landesregierung eingereicht haben, weitere 235 Kommunen befinden sich in der Erstellung. Damit sind über 70 Prozent der zur Wärmeplanung verpflichteten Kommunen auf dem Weg. Meyer warb dafür, diesen Weg konsequent weiter zu gehen. Bisher sei die kommunale Wärmeplanung als zentraler Orientierungs-rahmen für den Umbau der Wärmeversorgung verankert gewesen. Mit dem geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) drohe die kommunale Wärmeplanung an Steuerungswirkung zu verlieren. Gerade für Kommunen in einem Flächenland wie Niedersachsen sei die Wärmeplanung aber mehr als ein Orientierungsinstrument. „Sie ist ein zentrales Werkzeug, um Infrastrukturentscheidungen, Netzausbau und Investitionen sinnvoll aufeinander abzustimmen. Niedersachsen setzt sich deshalb entschieden dafür ein, die Wärmewende planbar, effizient und sozial ausgewogen zu gestalten, so Meyer.
Ein Fazit der Veranstaltung mit Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Verbänden, Wohnungswirtschaft, Energiewirtschaft und der kommunalen Ebene war auch: Mit der Förderung des Heizungstausches ist es nicht getan. Notwendig ist es auch, dass der Ausbau der Strom- und Wärmenetze verlässlich und auskömmlich finanziert wird. Deshalb richten die Teilnehmenden des Kongresses einen klaren Appell an die Bundesregierung, die Förderung dauerhaft zu sichern und weiterzuentwickeln. Diskutiert wurden dabei auch neue Finanzierungsmodelle über den geplanten Deutschlandfonds der KfW. Gleichzeitig haben das Land und die NBank angekündigt zu prüfen, wie sie diesen Rahmen nutzen können, um insbesondere Geothermie, innovative Wärmenetze und Großwärmepumpen künftig gezielter zu unterstützen.
Umweltminister Christian Meyer: „Die Wärmewende ist ein Erfolgsmodell für Unternehmen, Handwerk sowie Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie gelingt nur, wenn Bund, Länder und Kommunen verlässlich zusammenarbeiten. Haushalte und Betriebe investieren bereits in großer Zahl in klimafreundliche Heizsysteme – dafür braucht es klare, verlässliche Regeln.“
Der Umweltminister zeigte sich skeptisch bezogen auf die geplante Grüngasquote. Solange grünes Gas knapp und teuer sei, dürfe eine Grüngasquote nicht zum Kostentreiber werden. Ohne ausreichende Verfügbarkeit und enge Verzahnung mit der kommunalen Wärmeplanung drohten Fehlanreize zulasten der Bezahlbarkeit und der Akzeptanz der Wärmewende.
In Bezug auf das Eckpunktepapier der Regierungsfraktionen im Bund zur Flexibilisierung der Wärmequellen im Gebäudesektor machte die Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer deutlich, dass gerade in Niedersachsen mit über 100 Prozent Stromversorgung durch Erneuerbare das Heizen mit flexibel steuerbaren Wärmepumpen, digitalen „Smart-Metern“ und Speichern das kostengünstigste Mittel der Wahl ist.
Daneben stehen für den Gebäudesektor weitere effiziente erneuerbare Wärmequellen bereit, darunter Geothermie, Solarthermie und Umweltwärme, die über Wärmepumpen sowohl dezentral als auch leitungsgebunden genutzt werden sollten. Auch das Potenzial unvermeidbarer Abwärme aus Industrieprozessen und Abwässern ist beträchtlich: In Niedersachsen liegt es bei rund 16 TWh. Diese Vielfalt erneuerbarer Wärmequellen ermöglicht lokale, an die kommunale Wärmeplanung angepasste Lösungen und stärkt die Importunabhängigkeit des Energiesystems.
Auf breite Zustimmung stieß daher die Fortführung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Die Förderung gilt als zentraler Baustein, um Effizienzmaßnahmen, erneuerbare Heiztechnologien und Wärmenetzanschlüsse weiterhin zu unterstützen.
Das hat sich auch 2025 gezeigt, als der Absatz von Wärmepumpen in Deutschland um 55 Prozent auf fast 300.000 Einheiten gestiegen ist. Der Verkauf von Gas- und Ölheizungen ging hingegen deutlich zurück. Niedersachsen erreichte 2024 und 2025 die höchste Anzahl an Förderzusagen pro Einwohner für Wärmeerzeuger aus dem Bundesprogramm und hat sich in der Spitzengruppe des Wärmepumpenausbaus etabliert.
Energieminister Christian Meyer kündigte weitere Unterstützung für die Wärmewende an. So stehen bis zu 200 Millionen Euro zusätzlich aus dem Investitionsprogramm für sozialen Klimaschutz etwa in der Sozialwirtschaft, in gemeinnützigen Kindergärten, Altenheimen oder sozialen Einrichtungen bereit. Auch plant das Land die erfolgreiche Richtlinie „Energieeffizienz und Klimaschutz“ für kleine und mittlere Unternehmen, Vereine und Kommunen weiter aufzustocken. Ebenso sollen innovative Modellprojekte im Wärmesektor wie Gewässerwärmepumpen, Energiespundwände oder Tiefengeothermie weiter unterstützt und ausgebaut werden.
Wichtig war vielen Akteuren zudem die soziale Ausgewogenheit der Wärmewende. So wurde gefordert, die einkommensabhängige Staffelung der BEG‑Förderung für erneuerbare Heizsysteme und Wärmenetzanschlüsse beizubehalten. Aus Sicht Niedersachsens sollte die Bundesregierung zudem Anreize zur Senkung der Betriebskosten von Wärmepumpen schaffen, etwa durch angepasste Netzentgelte in Verbindung mit digitalen „Smart-Metern“ und Speichermöglichkeiten.
Auf dem Wärmewendekongress, der an den Wärmegipfel von 2024 anknüpft, haben Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Verbänden, Wohnungswirtschaft, Energiewirtschaft und der kommunalen Ebene die nächsten Schritte der Transformation – unter anderem in drei Fachforen – diskutiert. Dazu wurden gelungene Beispiele im Bereich der Wärmewende vorgestellt.
Der Kongress wurde veranstaltet von dem Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Bauen, der Niedersächsischen Staatskanzlei sowie der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN).
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erstellt am:
26.03.2026

