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Bund und Niedersachen unterzeichnen Vereinbarung zum Ausbau der LNG und GreenGas Importinfrastruktur Niedersachsen

Bund sichert sich vier schwimmende Flüssigerdgasterminals


Minister Lies und Minister Habeck stehen an einem Rednerpult, im Hintergrund sieht man das Logo Niedersachsen Ports   Bildrechte: MU
Ein LNG-Terminal auf Wasser   Bildrechte: MU

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz haben heute in Wilhelmshaven eine Absichtserklärung („Letter of Intent“) unterzeichnet zum Ausbau der LNG- und GreenGas Importinfrastruktur in Niedersachsen.

Zugleich unterzeichnete Vizekanzler und Bundeswirtschafts- und Bundesminister Robert Habeck Verträge für die Charterung von insgesamt vier schwimmenden Flüssigerdgasterminals - sog. Floating Storage and Regasification Units (FSRU). Diese schwimmenden Flüssigerdgasterminals bieten die Möglichkeit sehr kurzfristig mit dem Import von LNG zu beginnen, um so auch bei Gas die Unabhängigkeit von russischen Importen weiter voranzutreiben.

Vizekanzler und Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Habeck: „Wir müssen heute mehr denn je unsere Energieversorgung auf robustere Säulen stellen. Eine beschleunigte Energiewende ist das A und O für eine günstige, unabhängige und sichere Energieversorgung. Wir müssen das Tempo beim Erneuerbaren-Ausbau zu Wasser, zu Land und auf dem Dach verdreifachen und den Hochlauf der Wasserwirtschaft voranbringen. Und das gelingt nur gemeinsam. Umso mehr freue ich mich, dass im Land Niedersachsen so zahlreiche Projekte zum Ausbau der Erneuerbaren und dem Import von Wasserstoff entwickelt werden. Nur wenn wir dies neben dem Aufbau von Infrastruktur für LNG mitdenken, kann Versorgungssicherheit nachhaltig gewährleistet werden. Der Bund und das Land Niedersachsen werden hierbei eng zusammenarbeiten.“

Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Olaf Lies: „Auf dem Weg raus aus dem Klammergriff russischer Gaslieferungen sind wir in Niedersachsen bereit, Verantwortung zu übernehmen. Die Projekte, die wir hier heute an den Start bringen sind nicht nur von überragendem öffentlichem Interesse. Wir zeigen auch, dass wir das mit einer ganz neuen Geschwindigkeit, als wir sie bisher aus unserem Land kennen, schaffen werden – mit einer neuen Deutschlandgeschwindigkeit. Hier trifft der große Druck etwas verändern zu müssen auf den unbedingten Willen aller Beteiligten, dies auch in die Tat umzusetzen. Wir gehen hier heute nicht nur die ersten Schritte raus aus der Abhängigkeit von russischen Lieferungen. Wir gehen parallel auch die ersten großen Schritte hin zu einer sauberen und unabhängigen Energieversorgung. Wir werden gemeinsam mit dem Bund Wilhelmshaven und Stade ausbauen zu Drehscheiben für klimafreundliche Energie für ganz Deutschland.“

Nähere Informationen zur Absichtserklärung zwischen Bund und Land zum Ausbau der LNG- und GreenGas Importinfrastruktur in Niedersachsen

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und das Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz haben eine Absichtserklärung („Letter of Intent“) zum Ausbau der LNG- und GreenGas Importinfrastruktur in Niedersachsen vereinbart.

In der Erklärung wird die Bedeutung eines parallelen Vorgehens beim Ausbau der Infrastruktur betont. Zum einen geht es um gemeinsame kurzfristige Lösungen zur Diversifizierung der Importmöglichkeiten. Gleichzeitig muss von Anfang an mitgedacht werden daneben auch Infrastrukturen H2-ready zu konzipieren, denn mittelfristig brauchen wir den vollständigen Abschied von fossilen Importen.

Nähere Informationen zu den vier schwimmenden Flüssiggasterminals:

Bei den sogenannten Floating Storage and Regasification Units (FSRU) handelt es sich um Spezialschiffe. Die Schiffe sind in der Lage, LNG von LNG-Tankern aufzunehmen, an Bord in den gasförmigen Aggregatzustand zurückzuverwandeln und anschließend ins Gasnetz einzuspeisen. Die Bundesregierung hat über die Unternehmen RWE und Uniper mittlerweile vier (statt, wie ursprünglich geplant, drei) FSRU optioniert, um die Versorgungssicherheit in Deutschland weiter zu erhöhen. Haushaltsmittel der Bundesregierung in Höhe von 2,94 Mrd. Euro stehen hierfür zur Verfügung. Die vier FSRU stellen ein Regasifizierungsvolumen von je mindestens 5 Mrd. m³/Jahr zur Verfügung. Konkret mietet das BMWK jeweils zwei Schiffe von dem Anbieter Höegh und von dem Anbieter Dynagas. Der Betrieb der Schiffe erfolgt durch RWE und Uniper, mit denen der Bund jeweils Dienstleistungsverträge schließt.

Eines der Höegh-Schiffe steht bereits zur Verfügung und wird zum Jahreswechsel 2022/23 in Wilhelmshaven eingesetzt. Arbeiten zur Vorbereitung der Infrastruktur sind hier bereits vorangeschritten. Die Stationierung des zweiten Schiffs von Höegh ist für Anfang 2023 in Brunsbüttel vorgesehen. Für die Schiffe von Dynagas steht eine Standortentscheidung noch aus; diese soll aber schnellstmöglich getroffen werden. Als weitere Standorte zur Stationierung einer FSRU kommen Stade, Rostock, Hamburg-Moorburg oder Eemshaven in den Niederlanden in Betracht.

Deutschland verfügt in der EU aktuell über kein eigenes LNG-Terminal und auch nicht über schwimmende LNG Terminals. Es gibt zwar in anderen EU-Ländern LNG-Terminals. Insgesamt genügen diese Kapazitäten aber nicht, um ausreichend Vorsorge in Deutschland zu sichern. So gibt es LNG Terminals, u. a. in den Nachbarstaaten Niederlande, Frankreich, Belgien und Polen, die auch für die Versorgung Deutschlands in Betracht kommen. Diese stellen zusammen eine Regasifizierungskapazität von nur ca. 40 Mrd. m3 im Jahr dar – bei einem Gasbedarf von ca. 95 Mrd. m3 pro Jahr für Deutschland. Und: Die Anlandekapazitäten reichen bei hoher Nachfrage aus den Niederlanden, Frankreich, Belgien und Polen nicht aus, um zusätzliche, für Deutschland bestimmte Mengen anzulanden. Deshalb sind eigene Anlandekapazitäten notwendig.


  Bildrechte: MU

Artikel-Informationen

erstellt am:
05.05.2022
zuletzt aktualisiert am:
06.05.2022

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