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Wohnungsmarktbericht 2018 / 2019: Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ungebrochen groß Lies: „Neue Förderrichtlinie für sozialen Wohnungsbau tritt in Kraft“

Pressemitteilung Nr, 84/2019

„Die größte Herausforderung in Niedersachsen bleibt für die nächsten Jahre die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum“, auf diesen Nenner brachte Niedersachsens Bauminister Olaf Lies die Aussagen des aktuellen Wohnungsmarktberichtes, den er heute (Montag) gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der NBank, Michael Kiesewetter, und der Verbandsdirektorin der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, Dr. Susanne Schmitt, in Hannover vorstellte. „Die Aussagen des Wohnungsmarktberichtes sind eindeutig: Wir haben weiterhin vielerorts im Land einen angespannten Wohnungsmarkt. Das gilt vor allem für unsere Ballungsgebiete, Universitätsstädte, wirtschaftlichen Regionen aber auch für die ländlichen Räume. Vielerorts fehlen günstige und vermehrt barrierefreie Wohnungen, Mietpreissteigerungen und ein Anziehen der Kaufpreise für Eigenheime und Eigentumswohnungen sind die Folge. Gleichzeitig ist der Bestand an Sozialwohnungen weiter rückläufig. Insofern ist die Schaffung von günstigen Wohnungen die Kernaufgabe der nächsten Jahre“, sagte Bauminister Olaf Lies. Eine Entspannung sei erst für 2040 zu erwarten, wenn die Bevölkerungszahl in Niedersachsen aufgrund Prognosen des demographischen Wandels zurückgehe. Deshalb sei es gut, dass das vom Land und dem Bündnis für bezahlbares Wohnen angeschobene Förderprogramm für den sozialen Wohnungsbau jetzt in Kraft trete. „Das Land investiert zusätzlich 400 Millionen Euro für die soziale Wohnraumförderung. Mit den Finanzhilfen des Bundes werden bis 2023 insgesamt 1,7 Milliarden Euro für den geförderten Wohnungsbau bereitgestellt. Mit unserem neuen Förderprogramm schaffen wir verstärkt Anreize, in sozial geförderte Mietwohnungen zu investieren. Damit erhält der soziale Wohnungsbau den stärksten Anschub seit über 15 Jahren.“ Besonders Ältere, Alleinerziehende, junge Menschen in Ausbildung und Familien werden von diesem Förderprogramm des Landes profitieren, sagte Lies.

Bedarf an kleinen, barrierefreien Wohnungen nimmt zu

Als zweite größte Herausforderung nannte Lies die Schaffung von altersgerechten Wohnungen. „Unsere Bevölkerung wird älter. In praktisch allen Städten und Gemeinden wird die Zahl der Senioren zunehmen“, sagte Lies. Laut dem aktuellen Wohnungsmarktbericht ändern sich aufgrund des demographischen Wandels die Haushaltsstrukturen. Während die Zahl der Familienhaushalte sinkt, wird es mehr kleine Haushalte geben. Der Wohnungsbestand an kleineren Wohnungen muss in den nächsten Jahren entsprechend vergrößert werden und auch den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht werden. Minister Lies: „Mit der Neufassung der Bauordnung hat Niedersachsen bereits 2018 den Bau von mehr barrierefreien Wohnungen neu geregelt. So müssen Neubauten mit mehr als vier Wohnungen barrierefrei sein und niedrigere mehrstöckige Häuser so geplant werden, dass sie mit einem Aufzug ausgerüstet werden können. Der Aktionsplan Inklusion der Landesregierung sieht vor, die Schaffung bezahlbaren und barrierefreien Wohnraums durch Neu-, Um- und Ausbau sowie Modernisierungsmaßnahmen zu erleichtern.“

Ländliche Räume nicht abhängen - ÖPNV und schnelles Internet

Die dritte große Herausforderung ist es, ländliche Räume attraktiv und lebenswert zu erhalten und zu gestalten. Für viele Menschen ist das Leben außerhalb der großen Städte attraktiv, auch aufgrund des Kostendrucks in den Städten ziehen wieder vermehrt Familien aufs Land. Diese Wanderungsbewegung dokumentiert der Wohnungsmarktbericht ebenso, wie Leerstände in strukturschwachen Regionen. Betroffen sind insbesondere Kommunen im nördlichen und zentralen Niedersachsen sowie im östlichen und südlichen Niedersachsen. Bauminister Olaf Lies: „Menschen suchen ihren Wohnort zumeist danach aus, wo sie ein attraktives Angebot von Arbeitsplätzen, der Daseinsvorsorge sowie Bildungseinrichtungen, Kultur- und Freizeitaktivitäten haben. Unsere Aufgabe wird es sein, mit entsprechenden Angeboten dafür zu sorgen, dass unsere kleineren und mittleren Städte attraktiv und lebenswert bleiben. Dafür ist es entscheidend, dass endlich in ganz Niedersachsen flächendeckend schnelles Internet, eine stabile Mobilfunkversorgung zur Verfügung stehen und der öffentliche Nahverkehr dringend ausgebaut und verbessert wird. Es geht darum, überall im Land gleiche Lebensverhältnisse nachhaltig zu sichern. Je nach prognostiziertem Entwicklungspfad stehen die Kommunen deshalb vor der Aufgabe, passende Strategien zu entwickeln, um den jeweiligen regionalen Wohnungsmarkt nachhaltig und den zukünftigen Bedarfen entsprechend zu gestalten. Orientierungshilfe gibt dabei der Wohnungsmarktbericht. Für eine Belebung und Gestaltung der Innenstädte bietet das Niedersächsische Quartiersgesetz neue Möglichkeiten.“

Dr. Susanne Schmitt, Verbandsdirektorin des vdw Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen Bremen: „Die regionalen und lokalen Wohnungsmärkte in Niedersachsen brauchen eine nachhaltige, strukturelle Verbesserung. Der Wohnungsmarktbericht weist dabei auf zwei wesentliche Herausforderungen hin: eine quantitative und eine qualitative. Die Anzahl von Neubauten ist in den vergangenen Jahren zwar spürbar gestiegen. Aber bis wir das erklärte Ziel erreichen, 40.000 zusätzliche bezahlbare Wohnungen bis 2030 zu schaffen, ist es noch ein langer, steiniger Weg. Daneben muss sich die Wohnungswirtschaft noch mit weiteren qualitativen Fragen befassen: Wird der Wohnungsbestand dem demografischen Wandel gerecht? Wie entwickeln sich Quartiere hinsichtlich Integration, Pflegeangeboten und sicheren Nachbarschaften? Wie verbessert man die Energieeffizienz der Wohngebäude? Es ist eine zukunftsweisende Leistung, dass sich der Bericht auch mit diesen Aspekten einer nachhaltigen Wohnungsmarktentwicklung befasst. Darüber hinaus finden Politik, Verwaltung und Investoren in der Broschüre zahlreiche Hinweise auf Probleme, die es beim Wohnungsneubau zu meistern gilt, u.a. steigende Baukosten, fehlendes Bauland, geringe Kapazitäten bei der Bauwirtschaft.“

Michael Kiesewetter, Vorstandsvorsitzende NBank: „Wir beobachten die Wohnungsmärkte in Niedersachsen seit 1996 und blicken damit auf eine sehr lange Expertise zurück. Eines der zentralen Ergebnis des 23. Berichtes ist: In den engen Wohnungsmärkten der Großstädte, aber auch zunehmend auf dem Land, steigt die Zahl kleiner Haushalte (jung und alt) mit kleinem Einkommen, die passende kleine Wohnungen suchen. Dafür benötigen wir mehr bezahlbare Mietwohnungsangebote. Passende Förderinstrumente, um den Bau anzuregen, gibt es bei der NBank.“

Hintergrund: Der Wohnungsmarktbericht gibt einen Überblick über den Wohnungsmarkt und dessen Entwicklung bis 2040 und ist für alle Akteure auf dem Wohnungsmarkt wie für die Politik und die Kommunen eine wichtige Planungs-und Entscheidungsgrundlage bei Bauvorhaben. Ermittelt werden der Wohnungsbestand, die Wohnungsversorgung, das Baugeschehen, sowie die Miet- und Kaufpreisentwicklung und die Bevölkerungsentwicklung. Die Ergebnisse der Wohnungsmarktbeobachtung werden im Auftrag des Niedersächsischen Umwelt- und Bauministeriums von der NBank in einem Jahresbericht zusammengefasst und alle zwei Jahre veröffentlicht.

Den kompletten Wohnungsmarktbericht finden Sie hier:

https://www.nbank.de//medien/nb-media/Downloads/Publikationen/Wohnungsmarktbeobachtung/Wohnungsmarktbericht-2019-2020.pdf


Artikel-Informationen

08.07.2019

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