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Antwort auf die mündliche Anfrage: Neodym in Windrädern

Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel hat namens der Landesregierung auf eine mündliche Anfrage der Abgeordneten Dr. Gero Hocker, Almuth von Below-Neufeldt, Christian Grascha, Horst Kortlang, Dr. Marco Genthe und Hermann Grupe (FDP) geantwortet.

Vorbemerkung der Abgeordneten

Neodym ist eine sogenannte seltene Erde und Bestandteil vieler getriebeloser Windräder. Neodym kommt in natürlicher Form nur in chemischen Verbindungen vergesellschaftet mit anderen Lanthanoiden vor. Die Gewinnung von Neodym mittels Trennung vom geförderten Gestein gilt es umweltbelastend. Zudem werden radioaktive Elemente wie Uran oder Thorium freigesetzt.

Vorbemerkung der Landesregierung

Neodym tritt in Lagerstätten Seltener Erden zusammen mit den anderen 16 Elementen der Lanthanoidenreihe plus Scandium und Ytrium auf. Neodym spielt eine wesentliche Rolle für die Herstellung von Permanentmagneten. Diese kommen allerdings nicht in allen Windenergieanlagen sondern nur bei einem relativ geringen Teil der verschiedenen technischen Anlagenkonzepte zum Einsatz – in Windenergieanlagentypen mit sogenannten permanenterregten Generatoren. Windenergieanlagen mit elektrisch erregtem Synchrongenerator arbeiten hingegen ohne Permanentmagnete.

1. Wie viel Neodym wurde seit 2010 in deutschen Windrädern verbaut?

Deutschland wies im Zeitraum 2011-2014 jährliche Netto-Importe von durchschnittlich 260 Tonnen Seltenen Erden als Metalle und durchschnittlich 790 Tonnen an sogenannten Cer-Verbindungen auf („Deutschland ‒ Rohstoffsituation 2014“, BGR, 11/2015). Hinzu kämen stoffliche Importe als Bestandteil von Zwischen- und Fertigprodukten, die statistisch nicht erfasst werden. Eine Untergliederung der Importstatistik nach den Einzelelementen liegt nicht vor.

Ebenso wird nicht statistisch erfasst, welche Mengen an Einzelelementen wie Neodym in Produkten bzw. Produktkategorien (hier Windenergieanlagen) in Deutschland verarbeitet werden. Im Rahmen des Forschungsvorhabens „Kritische mineralische Ressourcen und Stoffströme bei der Transformation des deutschen Energieversorgungssystems“ (Abschlussbericht, Wuppertal Institut, 2015) wird für heutige Windenergieanlagen mit permanenterregten Generatoren ein mittlerer spezifischer Bedarf von Neodym in Höhe von 201,5 kg/MW bei Anlagen mit Direktantrieb (getriebelos), 49,6 kg/MW bei Anlagen mit Getrieben mittlerer Geschwindigkeit und 24,8 kg/MW bei Anlagen mit Getrieben hoher Geschwindigkeit ermittelt. Eine belastbare Hochrechnung des Neodymeinsatzes auf den Anlagenbestand ist angesichts der oben benannten unterschiedlichen technischen Anlagenkonzepte und unterschiedlicher Anlagengenerationen nicht möglich.

2. Welche Abfallprodukte entstehen bei der Trennung von Neodym vom geförderten Gestein, und welche davon sind giftig oder umweltgefährdend?

In natürlichen Lagerstätten der Seltenen Erden findet sich je nach Lagerstätte auch Thorium und ggf. auch Uran. Eine effiziente und umweltfreundliche Trennung und Aufbereitung ist grundsätzlich möglich, erfolgt aber in bestimmten Regionen bisher nur unzureichend.

3. Inwieweit ist Neodym nach dem Abbau der Windräder wieder recycelbar?

Das Recycling von Neodym aus Windkraftanlagen ist grundsätzlich möglich. Es ist davon auszugehen, dass dies in künftigen Recyclingprozessen erfolgen wird, denn da nur wenige Elemente der Seltenerdgruppe verbaut sind, ist deren Trennung und Wiedergewinnung mit weitaus geringerem Aufwand und damit ökonomisch und ökologisch wesentlich besser als die Gewinnung aus Primärrohstoffen zu erreichen. Geeignete Recyclingverfahren sind bereits bis zum Labor- und Kleintechnikmaßstab entwickelt worden, deren industrielle Umsetzung wird allerdings erst möglich, wenn hinreichend große Abfallmengen zur Verfügung stehen.

Artikel-Informationen

erstellt am:
24.11.2016

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