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Umweltminister Lies informiert sich bei Umweltorganisation Nature Tanzania und NABU über die Gefährdung niedersächsischer Weißstörche im Winterquartier

PI 075/2022

Niedersachsens Weißstörche leben gefährlich. Im Winter fehlt es ihnen an Nahrung, weshalb sie nach Afrika ziehen. Auf dem Rückflug aus dem südlichen Afrika warten im ostafrikanischen Tansania Jäger mit vergifteten Ködern, Steinschleudern und Wurfstöcken auf sie. Die Gründe für die Jagd auf Weißstörche und was für den Vogelschutz in Tansania getan werden muss, erfuhr Niedersachsens Umweltminister Lies in einem Gespräch mit Emmanuel Mgimwa, Direktor der tansanianischen Umweltorganisation Nature Tanzania und Repräsentanten des Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz.

„Vögel sind Bioindikatoren und Frühwarner für die Qualität von Ökosystemen aber auch wichtige Indikatoren, wenn es um Klimaveränderungen geht. Natürlich müssen wir auch wissen, wie es unseren Zugvögeln in ihren Winterquartieren geht. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Umweltorganisation Nature Tanzania über die Situation Niedersächsischer Weißstörche in ihrem Winterquartier im östlichen Afrika und über das Projekt Illegal Killing of Birds (IKB) informiert“, sagt der Niedersächsische Umweltminister Olaf Lies.

Grund für den Langstreckenflug

In Deutschland zieht es die Weißstörche in offene Landschaften wie Flussniederungen mit periodischen Überschwemmungen, extensiv genutzten Wiesen und Weiden und Kulturlandschaften mit nahrungsreichen Kleingewässern. Im Norddeutschen Winter ist es ihnen in Niedersachsen nicht zu kalt, sondern Nahrungsmangel ist und u.a. sehr kalte Nächte sind der wesentliche Grund für die Fernreise. Störche haben offenbar einen sechsten Sinn und finden zielsicher ergiebige Nahrungsquellen, wie Heuschrecken oder andere massenhaft auftretenden Schadinsekten. Genau deshalb sind sie eigentlich eine Hilfe für die Bauern, da sie Schadinsekten oder Mäuseplagen kurzhalten.

Gefahren im Winterquartier

„In Zentraltansania, in der Provinz Kongwa und Mpwapwa, haben die Menschen eine lange Tradition, Störche als zusätzliche Nahrungsquelle zu fangen. Das geschah bisher mit Pfeil und Bogen oder mit dem Wurfholz. Heute setzen die Jäger jedoch Agrargifte ein. Es werden vergiftete Köder ausgelegt, wenn die Störche zur Nahrungssuche oder Rast in ein Gebiet kommen. Dann werden schnell einhundert Störche Opfer solch einer Vergiftungsaktion. Ganz abgesehen davon, dass die Chemikalien auch andere Schäden anrichten“, berichtet Emmanuel Mgimwa.

Für die Jäger ist die Storchenjagd ein lukratives Geschäft, weshalb Nature Tanzania die Landbevölkerung auch über andere Einnahmequellen aufklärt und bei der Umsetzung unterstützt. „In unserem IKB-Projekt klären wir die Menschen auf, warum sie ihre eigene Zukunft gefährden, wenn sie Vögeln das Leben nehmen. Vögel sind Bioindikatoren und Frühwarner für die Qualität von Ökosystemen aber sie sind auch Indikatoren, wenn es um Klimaveränderungen geht,“ so Mgimwa. Die Anpassung an den Klimawandel und der Schutz der biologischen Vielfalt gehören zu den großen Herausforderungen der Zukunft.

Internationaler Vogelschutz

„Auch die Zukunft der niedersächsischen Vogelwelt liegt im ökosystembasierten Klima- und internationalen Vogelschutz“, sagt Olaf Tschimpke, der nach 16 Jahren Präsidentschaft des Naturschutzbund Deutschlands (NABU) den Vorsitz der NABU International Naturschutzstiftung Inne hat. Die Lebensbedingungen in Zentraltansania sind sehr schwierig. Lange Trockenzeiten limitieren, wann überhaupt etwas angebaut werden kann. Die Umwelt ist vielfach vorgeschädigt, die Bäume gefällt und die Böden sind ausgelaugt.

„Das Überleben für die Menschen ist sehr schwierig. Wir unterstützen Nature Tanzania dabei, den Menschen einen Weg aufzuzeigen, wie sie überleben können, ohne die Umwelt völlig zu zerstören. Mit unserem Besuch möchten wir die Landesregierung anregen, die Tansania Partnerschaft zu einer strategischen Umweltpartnerschaft weiterzuentwickeln. Diese ist dringend notwendig, um den Menschen vor Ort eine Bleibeperspektive zu geben.“

„Bei den Weißstörchen geht der NABU von bis zu 20.000 getöteten Vögeln pro Jahr aus, je nachdem, wie lange sich die Störche während des Zuges in Zentraltansania aufhalten“, sagt NABU-Projektleiter Werner Schröder. Im Fokus des IKB-Projektes soll trotzdem der Mensch stehen. „Naturschutz gelingt nur gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung. Deshalb beinhaltet das Projekt mit Nature Tanzania neben Naturschutz vor allem Aspekte wie Bildung und Ausbildung, Einkommen schaffende Maßnahmen und Familienplanung“.

Unterstützt wird NABU von der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz. „Die Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz würde eine Partnerschaftsinitiative von Niedersachen in Tansania zum Wohl der Menschen und der Natur sehr unterstützen. Wichtig ist es die Erwachsenen von Morgen einzubinden, aufzuklären und zu motivieren, denn nur dann kann ein gesellschaftlicher Wandel gelingen“, sagt Dr. Eick von Ruschkowski, Direktor, Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz, der mit Nature Tanzania und der NABU International Naturschutzstiftung einen Antrag auf Umweltbildungsmaßnamen an die Bingo Umweltlotterie stellt.


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Artikel-Informationen

erstellt am:
08.06.2022

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