Munitionsaltlasten im Meer | Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz
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Munitionsaltlasten im Meer

Spätestens seit dem Ende des 2. Weltkriegs beschäftigt das Thema „alte Munition" in den Meeren Medien, Gesellschaft und Politik. Die heutige Gesellschaft nimmt die Auswirkungen des Kriegs jedoch nicht mehr unmittelbar selbst wahr, sondern ganz überwiegend nur noch über die Medien in Form von Aufbereitungen von Film-, Foto- und Schriftdokumenten. Gleichwohl sind die Vermächtnisse vergangener Kriege Bestandteil unserer Gegenwart, in Deutschland und in vielen anderen Ländern der Erde. Wenn eine Fliegerbombe nach Jahrzehnten im Boden versehentlich zur Explosion gebracht wird und dabei Menschen verletzt, fordern vergangene Kriege auch heute noch Opfer. Solche Ereignisse sind in ihrer Wirkung offensichtlich und haben ihre Ursache in den noch immer vorhandenen Hinterlassenschaften. Weniger offensichtlich sind dementgegen die Wechselwirkungen von „entsorgter" Munition mit der Umwelt, wobei vor allem die Meere, aber auch die Binnengewässer und der Boden betroffen sind. Unser Wissen über das Ausmaß der Belastung mit Kampfmitteln und deren Auswirkung auf das Ökosystem ist nach wie vor begrenzt.

In den 90-er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden daher in der niedersächsischen Nordsee umfangreiche Untersuchungen im Zusammenhang mit versenkter Munition durchgeführt. Zahlreiche Standorte wurden auf Munitionsvorkommen untersucht, bewertet und teilweise geräumt. Ferner wurden Einschätzungen entwickelt hinsichtlich der Bewertung der Gefahren, die auch heute noch von versenkter Munition ausgehen können. Danach war auf der Basis des damaligen Kenntnisstandes nicht mit einer unmittelbaren Gefährdung des Meerwassers zu rechnen, wohl aber zumindest kleinräumig im Bereich des Meeresbodens und seiner Lebewesen. Eine umfassende Räumung von versenkter Munition infolge möglicher Umweltgefahren (z.B. ökotoxikologischer Art) wurde seinerzeit nicht für erforderlich gehalten.

Auch im Zusammenhang mit der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie bzw. der Wasserrahmenrichtlinie der EG war nun die Frage zu stellen, ob die oben genannten Untersuchungen und Schlussfolgerungen vor dem Hintergrund aktueller fachwissenschaftlicher Erkenntnisse hinsichtlich der Gefährdung durch Schadstoffe, komplexer Abbauprozesse oder auch der Langzeitwirkungen auf diverse Organismen aus heutiger Sicht angepasst werden müssen. 2009 wurde daher ein Folgegutachten in Auftrag gegeben, die umweltrelevanten Aussagen aus den vorliegenden Untersuchungen zu überprüfen. Die Ergebnisse dieser Aktualisierung flossen in die Arbeit der inzwischen gegründeten Bund-Länder-Arbeitsgruppe ein und sind Bestandteil des umfangreichen Abschlussberichts. Dieser fasst die bestehenden Kenntnisse und Informationen zusammen und schafft damit die Grundlage für einen systematischen Ansatz zum Umgang mit Munition in unseren Meeren.

Detaillierte Angaben über die Menge der versenkten Munition liegen nicht vor. Geschätzt wird, dass Men­gen in der Größenordnung von bis zu 1.800.000 Tonnen in deutschen Meeresgewässern versenkt wurden. Nach der Versenkung wurden beträchtliche Men­gen wieder aus dem Meer geholt und vernichtet. Während Fischer bis 1952 eine nicht quantifizier­bare Menge bargen, führten in den Folgejahren bis 1958 Entsorgungsfirmen die Bergung und Verschrottung von schätzungsweise insgesamt 250.000 Tonnen vormals versenkter Munition durch. Es ist anzunehmen, dass noch bis zu 1,6 Mio. Tonnen kon­ventionelle Munition in deutschen Gewässern der Nord- und Ostsee vorhanden sind, davon rund 1.300.000 Tonnen allein in der Nordsee.

Der Bericht der Bund-Länder-AG kommt zu dem Ergebnis, dass eine großräumige Gefährdung der marinen Umwelt über den lokalen Bereich der munitionsbelasteten Flächen hinaus derzeit nicht erkennbar vorhanden und auch zukünftig nicht zu erwarten ist. Eine Gefährdung besteht für besondere Personengruppen jedoch punktuell dann, wenn etwa Fischer oder Taucher im Bereich der Nord- und Ostsee mit Grundberührung tätig sind.

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