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Brennelementefabrik in Lingen besichtigt

Wenzel : Alterungsmanagement ist zentrale Herausforderung


Pressemitteilung Nr. 145/2014

Im Rahmen der Bereisung aller niedersächsischen Atomanlagen hat der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel heute (Mittwoch) in Lingen die Brennelementfabrik der Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF, ehem. Exxon Nuclear) besichtigt. In Kürze wird für die Anlage der 1975 gegründeten Firma erstmals eine Periodische Sicherheitsüberprüfung (PSÜ) vorgelegt. Die Anlage fällt bislang nicht unter die Regelungen des Atomausstiegs, allerdings gebe es spätestens 2022 keinen inländischen Bedarf mehr für die Anlage. Die Anlage beliefert auch Atomkraftwerke im Ausland mit Brennelementen. Anlässlich des Besuchs wurden insbesondere Vorkehrungen für das Alterungsmanagement in der Anlage diskutiert. Einige Befunde wurden direkt inspiziert. Darunter ein meldepflichtiges Ereignis, das erst vor wenigen Tagen aufgetreten war.

Dabei wurde im Rahmen einer wiederkehrenden Prüfung ein Riss im Ofenrohr des Drehrohrofens im Bereich der Trockenkonversion entdeckt. Als Ursache dafür wird ein Alterungseffekt angenommen. Das betroffene Bauteil soll ausgetauscht werden. Der Drehrohrofen steht zurzeit still und kann erst nach der Reparatur wieder in Betrieb genommen werden. Zum anderen war ein Riss in einer Stahlbetonkonsole unterhalb eines Dachträgers aufgetreten, der ebenfalls meldepflichtig war. Grund dafür war eine falsch ausgeführte Bewehrung. Der Vorgang wird weiter untersucht. Bezüglich einer falschen Assemblierung von Brennelementen, die wegen des Atomausstiegs nicht zum Einsatz kamen, wird der Bund um eine Einschätzung gebeten.

Im heutigen Gespräch mit dem ANF-Betreiber Areva wurde insbesondere die Durchführung der PSÜ erörtert. Für Atomkraftwerke ist eine solche Überprüfung nach dem Atomgesetz seit Langem vorgeschrieben. Erst seit einer Änderung des Atomgesetzes (12. ATG-Novelle) Ende 2010 ist eine PSÜ auch für die Brennelementfertigungsanlage durchzuführen.

Anlässlich seines Besuchs in Lingen betonte der Minister erneut, dass in Zukunft die Fragen des Alterungsmanagements aller Atomanlagen noch viel stärker in den Mittelpunkt rücken müssten. An Anlagen, die mit Kernbrennstoffen und anderen radioaktiven Stoffen mehrere Jahrzehnte im Betrieb sind, treten zwangsläufig alterungsbedingte Schäden auf, die jedoch nicht toleriert werden könnten. Bei solchen Anlagen darf man nicht warten, bis etwas kaputt geht, sondern muss vorsorgend handeln. In diesem Zusammenhang sei besonders die Leitlinie der Entsorgungskommission (ESK) zu berücksichtigen. Für den 3. Dezember hat das Umweltministerium zu einer Sicherheitskonferenz unter dem Titel „Alterung und Ermüdungsverhalten sowie wiederkehrende Prüfungen von Komponenten der Atomkraftwerke in der Restlaufzeit“ eingeladen.

Artikel-Informationen

erstellt am:
05.11.2014

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